Zirkusdirektorin Jana Mandana Lacey Krone im Gespräch mit Hallo München

Jana Mandana Lacey Krone: „Krone gehört zu München wie das Hofbräuhaus“

+
Vor 100 Jahren errichtete Carl Krone seinen „Circus-Bau“. Zum Jubiläum blickt Hallo gemeinsam mit Zirkusdirektorin Jana Mandana Lacey-Krone auf die Geschichte des größten Zirkus der Welt zurück.

Was für ein Zirkus! Der Bau des größten Zirkus Europas jährt sich zum 100. Mal –  Zeit für eine Rückschau, einen Blick in die Zukunft und die Frage was die Besucher bis heute so sehr fasziniert

1919 eröffnete mit dem Krone-Bau der bis heute deutschlandweit einzige feste Sitz eines Zirkus. Heute ist der Krone der größte Zirkus Europas und fest mit München verbunden. Generationen von Zirkusdirektoren machten den Krone Fixpunkt vieler Münchner Familien. Nachdem Christel Sembach-Krone 2017 verstorben war, trat Jana Mandana Lacey-Krone in ihre Fußstapfen. Die 39-Jährige wuchs im Krone auf und wurde von Sembach-Krone 2001 adoptiert. Vor welchen Aufgaben sie nun anlässlich des 100-jährigen Krone-Bau-Jubiläums steht, wie tief der Krone mit München verbunden ist und warum ihr Tierschutz wichtig ist, erzählt sie im Interview. von Sebastian Obermeir

Frau Lacey-Krone, was waren die wichtigsten Ereignisse in 100 Jahren Krone-Bau-Geschichte?
Das waren so viele. Es gibt Familien, die über Generationen kommen. Dann hatten wir berühmte Gäste. Ich werde zum Beispiel nie vergessen, dass Michael Jackson zur Vorstellung gekommen ist.

Wie fühlt es sich an, nicht nur Teil einer solchen Dynastie zu sein, sondern sie auch zu leiten?
Natürlich toll. Man hat aber mehr Verantwortung, dieses Erbe zu wahren. Man denkt, es wäre einfach, weil es so ein Fundament gibt, aber es ist schwierig, das Unternehmen im Sinne der früheren Generationen zu führen.

Und jetzt die Programme entsprechend zu gestalten? Das Winterprogramm 2017 „In Memoriam“ wurde ja noch von Ihrer Mutter geplant.
Sie hat auch für dieses Jahr ein Gerüst vorbereitet. Was könnte, was sollte gezeigt werden, wer ist überhaupt frei und nicht ausgebucht? Das sind Dinge, die plant man weit im Voraus. Zusätzlich haben wir noch neue Sachen dazugenommen.

Letztes Jahr fiel Ihnen die Ansprache zur Eröffnung sehr schwer. Wird es dieses Jahr auch noch so sein?
Letztes Jahr war es umso schwieriger, weil ich über den Todesfall gesprochen habe. Ich habe gestern noch ein Zwiegespräch geführt, ob ich die Ansprache überhaupt mache. Aber zum Jubiläum (Hallo verlost Tickets) muss ich ja fast! (lacht). Mir fällt es immer noch total schwer. Aber jetzt, nach einem Jahr, habe ich Übung.

Wie wäre München ohne den Circus Krone?
Oh, traurig! Es würde wirklich was fehlen. Er gehört zu München – wie auch das Hofbräuhaus. Dafür sind wir dankbar. Wir existieren ja nur 100 Jahre in München dank unserer Besucher. Wir möchten zusammen feiern.

„In 100 Jahren wird sich viel verändert – doch die Grundeinstellung bleibt“

Martin Lacey jr. mit seinem geliebten „Stubentieger“ – der Löwin Clio.

Wie wird der Circus in 100 Jahren aussehen?
Eine genaue Prognose kann ich nicht geben (lacht). Aber die Grundeinstellung des Zirkus, nämlich Familien zu begeistern, Leuten eine Möglichkeit zum Abschalten zu geben, eine Zauberwelt darzustellen, wird erhalten bleiben. Dazu gehört die ganze Schönheit der Zirkuskunst und das Drumherum: der Geruch der Tiere, die Sägespäne, die Artistik, die Clowns.

High-Tech-Vorstellungen mit Robotern wird’s nicht geben?
Vielleicht auch – zur Abwechslung. Es wird sich sicherlich viel ändern, das geschieht immer. Als ich Teenager war, hatten wir eine Halfpipe, in der BMX-Künstler ihre Tricks gezeigt haben oder Basketball-Teams. Man muss immer offen sein. Und wenn es mal einen Act mit Robotern gibt – warum nicht? Diesen Winter haben wir einen artistischen Act mit Segways.

Dass ein Zirkus einen festen Sitz hat, ist im deutschsprachigen Raum einzigartig. Was macht den Circus Krone außerdem besonders?
Das Bodenständige. Der Umgang mit Menschen und Tieren. Es ist etwas anderes, als wenn ein anderer Zirkus München besucht. Es ist eine besondere Beziehung zur Stadt.

Wie zeigt sich das?
Oft kriegen wir zum Beispiel E-Mails, wir würden gerne kommen, aber die Mama kann es sich nicht leisten. Wir drücken dann auch mal ein Auge zu. An Weihnachten kommt jetzt so eine Familie. Wir hören uns ihre Probleme an. Kommunikation und Transparenz sind uns wichtig.

Stichwort Transparenz: Wie steht es um den Tierschutz im Zirkus?
Wir haben Informationstage, an denen die Leute Fragen stellen und das Training mit den Tieren beobachten können. Wir haben eine Politik des offenen Hauses.

Und trotzdem gibt es regelmäßig Demonstrationen vor dem Krone-Bau. Was wird dabei angeprangert?
Generell die Haltung von Tieren in Gefangenschaft. Die Tiere seien nicht dafür da, um im Showgeschäft Leute zu amüsieren.

50 000 Unterschriften gegen Tierhaltungsverbot in Zirkussen

Wie man eine Münchner Institution wie den Circus Krone leitet und wie sie sich die Zukunft vorstellt, hat Zirkusdirektorin Jana Mandana Lacey-Krone im Interview verraten.

Was entgegnen Sie da?
In Deutschland ist das Tierschutz-Gesetz sehr gut ausgeprägt. Es wird oft gesagt: Warum haben andere Länder die Tiere im Zirkus schon verboten? Weil sie keine Gesetze und Grundlagen haben. Wir organisieren unsere Infrastruktur bestmöglich, damit alles immer funktioniert. Da steckt Arbeit dahinter. Die ganzen beschäftigten Tierpfleger, Tierärzte – das ist ein Luxus. In unserem Pferdestall etwa: Der ist rund um die Uhr besetzt. Manche andere Reitställe würden sich das wünschen.

Die Münchner Bevölkerung scheint Ihnen Recht zu geben.
Mein Mann Martin Lacey jr. hat in einer Winterspielzeit über 50 000 Unterschriften gegen Tierhaltungsverbote in Zirkussen von unseren Besuchern hier im Circus-Krone–Gebäude gesammelt und diese dem Bayerischen Landtag überreicht. Dieses kolossale Ergebnis ist ein deutliches Zeichen. München und Bayern stehen zu ihrem Circus Krone mit Tieren.

Welches Tier ist Ihr Lieblingstier?
Das ist gar nicht so eine einfach Frage! Ganz tief verbunden bin ich mit unseren Elefanten. Ich bin im Krone aufgewachsen, die Tiere waren immer schon um mich. Ich kenne sie von klein auf und sie kennen mich. Ich bin schon fast Teil der Herde. Dann gibt es noch die Pferde, das sind ganz intelligente, tolle, aufgeweckte Tiere. Auch die Löwen liebe ich. Wenn ich aber in ein Poesie-Album mein Lieblingstier eintragen müsste, dann schreibe ich: Elefant.

Ein Jahrhundert Familien-Freuden! Der Krone-Bau feiert Jubiläum – eine Rückschau

Der Eingangsbereich des Circus Krone in der eigens nach ihm benannten Circus-Krone-Straße 43 in München.

Sechs Elefanten, rund 40 Löwen, drei Tiger, 200 Wagen, ein rollendes Restaurant, 260 Menschen – der Circus Krone gilt als größter Zirkus der Welt. Ihn zu managen? Ein gewaltiger Aufwand. „Ich finde es immer schade, wenn Leute sagen: was für ein Zirkus. Die müssten mal sehen, wie durchorganisiert so ein Zirkus ist“, sagt Martin Lacey jr.. Der Löwendompteur ist mit Jana Mandana Lacey verheiratet. Gemeinsam leiten sie den Krone, seit 2017 die Direktorin Christel Sembach-Krone verstarb. Allein einen Tag dauert es, bis das Zirkuszelt mit 3400 Sitzplätzen und einer 14 Meter hohen Kuppel steht. Nach der Reise-Zeit von April bis November ist es also umso schöner, in das feste Zuhause, nach München in die Zirkus-Krone-Straße, zu kommen.

­Tiere gehörten beim Circus Krone immer schon dazu: Als er als 1905 als „Circus Charles“ gegründet wurde oder beim Löwenfrühstück mit Ida Krone um 1910.

Vor genau hundert Jahren errichtete Carl Krone den Krone-Bau in München – bis heute der einzige feste Zirkusbau in Deutschland. Nach zähen Verhandlungen mit der Stadtverwaltung erhielt er schließlich die Erlaubnis, am Marsfeld zu bauen. Premiere im Holzbau mit 4000 Sitzplätzen wurde am 10. Mai 1919 gefeiert. Trotz der abendlichen Sperrstunde aufgrund der Unruhen der Räterepublik waren die Vorstellungen ein voller Erfolg. Selbst im Zweiten Weltkrieg gab es im Krone Vorstellungen – auch wenn viele durch Flieger­alarm unterbrochen wurden. Als der Bau im Dezember 1944 zerstört wurde, waren Artisten und Tiere bereits evakuiert worden. Ein Jahr darauf errichtete der Krone ein Provisorium, am 23. Dezember 1962 wurde der dritte, heutige Bau eröffnet. 1967 wurde die angrenzende Straße in „Zirkus-Krone-Straße“ umbenannt. 

Tiere gehörten beim Circus Krone immer schon dazu: Als er als 1905 als „Circus Charles“ gegründet wurde oder beim Löwenfrühstück mit Ida Krone um 1910.

Der Bau verfügt über 3000 Sitzplätze, feste Stallungen für die Tiere, Probemanegen, Garderoben, Büros. Wenn der Zirkus in den Sommermonaten unterwegs ist, wird das Gebäude für Veranstaltungen genutzt – so waren etwa „The Rolling Stones“, „The Beatles“ oder „The Beach Boys“ zu Gast, 1976 führte Mohammed Ali einen öffentlichen Trainingskampf. „Ich war in vielen Zirkussen der Welt tätig, doch so einen wie den Krone kannte ich vorher nicht“, sagt Lacey. „Die Tiere stehen an erster Stelle.“ Der Zirkus habe eine wunderbare Geschichte und einen einzigartigen Stil. „Diesen versuchen wir zu ehren und zu wahren.“

Gegründet wurde der Circus Krone 1905 von Carl Krone in Bremen. Sein Vater Carl Krone sen. besaß um 1870 die reisende Menagerie „Continental“, die auf Jahrmärkten Braunbären und Wölfe zeigte. Um die Jahrhundertwende reiste man erstmals als „Menagerie Charles“ und später als „Circus Charles“, woraus der „Circus Krone“ entstand. Mit dem reitenden Löwen Pascha entfachte er Begeisterung – die bis heute anhält.

Hallo verlost 15x4 Karten für das 1. Jubiläumsprogramm, das vom 25. Dezember bis zum 31. Januar gezeigt wird.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Lebewohl Wolkenthron – Das Traumtheater Salome auf Abschiedstour
Lebewohl Wolkenthron – Das Traumtheater Salome auf Abschiedstour
Klüpfel und Kobr – Überlebenstraining für Allgäuer Autoren
Klüpfel und Kobr – Überlebenstraining für Allgäuer Autoren

Kommentare