Die Lichterkette

Vor 25 Jahren: 400 000 Münchner mit Kerzen auf der Straße

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München: 1992 leuchtete das vorweihnachtliche München wie nie zuvor.

Am 6. Dezember gingen 400 000 Münchner schweigend auf die Straßen, setzten nur mit brennenden Kerzen ein Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit: Die Lichterkette zog sich damals durch die Innenstadt (Foto). Neben den Initiatoren Gil Bachrach, Giovanni di Lorenzo, Christoph Fisser und Chris Häberlein war auch Amelie Fried (kl. Foto) dabei. Für Hallo München erinnert sich die Autorin. 

Frau Fried, welche Symbolkraft hat die Lichterkette für Sie bis heute?

Dass man mit einfachen Zeichen – sich mit einer Kerze oder Laterne auf die Straße zu stellen – unheimlich viel bewirken kann. Ich glaube, dass sich das Bewusstsein der Menschen in ganz Deutschland damals geschärft hat. Hätte es damals die Lichterkette nicht gegeben – wer weiß, wie sich das Klima in unserem Lande entwickelt hätte.

25 Jahre danach: Wirft die Lichterkette ihr Licht bis heute?

Zumindest wissen viele junge Leute noch, was die Lichterkette war und warum sie stattgefunden hat. Der Verein Lichterkette München leistet großartige Integrationsarbeit.

Welche Gedanken gingen Ihnen durch den Kopf, als Sie von den vielen Übergriffen auf Asylsuchende und Ausländer hörten?

Ich war einfach entsetzt und konnte nicht glauben, dass es Leute gibt, die systematisch Gewalt gegen hilfesuchende Menschen ausüben und dabei deren Tod in Kauf nehmen.

Wie aktiv waren Sie bei der Lichterkette?

Sie wurde ja von guten Freunden initiiert, die gefragt haben, ob wir mithelfen. Natürlich haben wir sofort zugesagt und ganz viel herumtelefoniert, um Prominente zur Unterstützung zu bewegen. Man muss sich vorstellen, dass diese ganze Aktion damals ohne Internet lief – nur per Telefon. Fast unglaublich.

Haben Sie Ihr Umfeld motiviert?

Diskutieren mussten wir nicht viel, alle im Umfeld haben das so gesehen wie wir. Nur bei manchen Prominenten war es nicht so einfach, sie zu überzeugen. Die wollten sicher gehen, dass ihnen das PR-mäßig nicht schadet oder dass ihr Einsatz auch entsprechend gewürdigt wird. 

Was macht die Lichterkette so besonders?

Dass in so kurzer Zeit so viele Menschen aktiviert wurden. So konnte alle Welt sehen: Die Ausländerfeinde und Brandstifter sind eine miese, kleine Minderheit. Das hat mich persönlich sehr glücklich gemacht und die Münchner noch näher gebracht.

Wünschen Sie sich eine Neuauflage der Lichterkette?

Es gibt immer Situationen, die nach einer Lichterkette verlangen. Man darf Symbole nicht überstrapazieren, so verlieren sie an Wert. Für mich passt es, dass die Lichterkette ein singuläres Ereignis geblieben ist.
Marie-Julie Hlawica

Regisseur Marcus H. Rosenmüller

Marcus Rosenmüller

„Für mich leuchtet die Stadt am hellsten an der Isar. Wenn es draußen richtig kalt ist und die Sonne auf den Reif und das gefrorene Gras scheint – ein schöneres Funkeln kannst du in München nicht finden!“

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