Wer siegt im Wortkampf?

Wie es ist, zu schreiben, was sie sagen

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Christoph Meinersmann ist Münchner und Redenschreiber. In Hallo erklärt er, was eine gute Rede ausmacht und welcher der Landtagskandidaten im Puncto Rhetorik die Spitze bekleidet.

München – Was steckt hinter den Worten im Wahlkampf? was macht eine gute Rede aus und wer liegt rhetorisch vorne? Hallo hat mit einem Redenschreiber gesprochen

Der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) hat die Reden von neun Spitzenkanditaten analysiert und so den besten Redner ernannt. Doch was – und wer – wer steckt hinter den Wahlkampfsreden? Der Münchner Redenschreiber Christoph Meinersmann gibt Einblicke. S. Obermeir

Herr Meinersmann, schreiben die Spitzenkandidaten ihre Reden selber?
Ich kann mir von den neun Spitzenkandidaten, die wir betrachteten, nur zwei vorstellen, die keine Redenschreiber haben. Bei den meisten Reden wissen wir, dass sie nicht vom Kandidaten selbst geschrieben wurden. Die Namen verrate ich aber nicht. Diskretion ist die Basis unseres Geschäfts.

Ein Beispiel: Sie haben den Auftrag, eine Rede für den Ministerpräsidenten zu schreiben. Wie gehen Sie vor?
Steht das Honorar schon fest? (lacht) Dann die Standard-Sachen: Worum geht es, wer ist das Publikum, was ist der Rahmen, gibt es Gäste, die eingangs erwähnt werden müssen? Als nächstes ist es entscheidend, wie nah man an der Person dran ist.

Das heißt?
Man muss als Redenschreiber ein Gefühl dafür entwickeln, wie der Redner spricht, wie er denkt und fühlt. Ich kann nicht blind Worte in den Mund legen. Bei Schnellrednern werde ich etwa komplizierte Sätze vermeiden, dass man sich nicht verhaspelt. In der Regel ist die erste Rede, die man für einen Klienten schreibt, nicht die beste. Man schreibt sich erst ein. Weil man auch spürt: Was macht der Redner aus meinem Manuskript?

Wie sieht ein solches aus?
Wenn jemand öfters Reden hält, dann reichen meistens Stichworte. Die ausformulierte Rede ist typischerweise eher etwas für Neulinge.

Bleiben Redenschreiber immer ungenannt?
Das ist etwas in Bewegung. Früher war es nicht denkbar. Dass sich Redner helfen lassen, gehört heute zum guten Ton. Es gibt Kollegen, die sich nennen dürfen und sollen. Aber die Regel ist: Diskretion.

Worauf kommt es bei einer guten Rede an?
Das Wichtigste ist, das Gefühl von Zugehörigkeit zu erzeugen. Das Verbindende muss da sein, dann kann ein Funke überspringen.

Was ist der größte Fehler in einer Rede?
Hochmut. Wenn ich das Gefühl habe, ich werde belehrt oder nicht für voll genommen, das ist in der Regel tödlich.

Könnte ein Redenschreiber Reden für verschiedene Parteien schreiben?
Ein echter Profi kann das. Wenn es etwa eine Rede vor Parteimitgliedern der Linken ist, ist das eine eigene Sprache. Die muss ich kennen. Und da hilft reden, hingehen, vor Ort sein, erleben.

Die beste Rede

Aufbau, Sprache, Argumentation, Vortrag, Inszenierung, Publikumsorientierung und der Umgang mit Publikumsreaktionen – das sind die Kriterien, nach denen der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache den besten Redner im Landtagswahlkampf (hier geht es zu den Steckbriefen der Landtagskandidaten) wählt. Sieger: Katharina Schulze. Ihre Reden zeichneten sich durch Natürlichkeit, klare Botschaften und eine greifbare Persönlichkeit aus. Aufholbedarf sieht der Verband bei Stimmführung und Körpersprache.

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