Interview mit Gewinnspiel

„Ist Pausenbrotpapier aus, gibt’s Hundebeutel“: Florian Simbeck im Gespräch mit Hallo München

Engagiert sich politisch und fördert Nachwuchs-Comedians - Florian Simbeck.
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Engagiert sich politisch und fördert Nachwuchs-Comedians - Florian Simbeck.

Mit „ey, krass“ eroberte Florian Simbeck als „Stefan“ die Republik. Heute engagiert er sich für die SPD und fördert Comedians - Ein Gespräch über sein Leben und wie er zur GroKo steht

Herr, Simbeck, Sie sind SPD-Mitglied, sogar für die Partei im Kreistag. Wie stimmen Sie ab, wenn es um die GroKo geht?

Ich denke ein Weckruf an die SPD und eine Erneuerung an der Spitze kann mit einem „Weiter so“ nicht stattfinden. Außerdem möchte ich der AfD ungern die Rolle der Oppositionsführung überlassen. Insofern lieber Nein zur Großen Koalition.

Bringen Sie als Comedian frischen Wind in die Politik? 

Ich habe es versucht, 2013 für den Bundestag kandidiert. Aber ich kann mich nicht immer ehrenamtlich engagieren. Vor allem nicht für eine Partei, die junge Leute dann doch immer wieder auf die lange Bank setzt und die wenigen Posten, die sie hat, unter sich aufteilt. Die Bayern-SPD hat mich da enttäuscht. Ich engagiere mich sehr gerne für das, was die SPD bei uns im Landkreis tut. Aber wenn es auf Landes- oder Bundesebene geht, verlieren sie den Kontakt zur Basis und machen, was sie wollen. Das ist das große Dilemma. Dann doch lieber Nachwuchsförderung in der Comedy-Lounge, wo Sie aufstrebende Comedians vorstellen... 

Was würden Sie denen raten? 

Auf jeden Fall, das zu suchen, was sie ausmacht und ihre eigene Stimme zu finden.

Wie haben Sie ihre Stimme entdeckt? 

Es war für mich ein langer Prozess, herauszufinden, wer ich überhaupt bin, nachdem ich die Figur Stefan abgelegt habe. Hinter so einer Figur kann man sich gut verstecken, da muss man nicht sein Innerstes auf die Bühne bringen. Meine Stimme ist die eines jungen Familienvaters, der damit ringt, ernst genommen zu werden. Und der noch jung bleiben möchte.

Wurde mit Erkan und Stefan berühmt: Florian Simbeck.

Ist Ihr Alltag somit Inspiration für die Gags? 

Die Geschichten müssen immer echt sein. Man sagt nicht zu Unrecht: „Das kann man sich nicht ausdenken, die Dinge, die einem im Leben passieren.“

Zum Beispiel?

Dass man in der Not, wenn man kein Pausenbrotpapier findet, einen Hundebeutel verwendet und die Kinder damit in die Schule schickt. Davon geht natürlich eine gewisse Verwechslungsgefahr aus (lacht).

Mittlerweile sind andere Filme sehr erfolgreich mit dem Slang, den Erkan und Stefan berühmt gemacht haben. Haben Sie das Gefühl, dass dabei etwas aufgewärmt wird, was Sie schon vor langer Zeit gemacht haben? Nein, wir haben das selbst ja auch nur aufgegriffen. Die Kids haben schon so gesprochen, bevor wir es salonfähig gemacht haben. Heute gehört diese Art zu reden zu Deutschland. Das ist sympathisch und herzerfrischend.

Wie stehen die Chancen, dass Erkan und Stefan zurückkommen? 

Ein Comeback ist nicht ausgeschlossen. Aber da muss jemand auch kommen und dieses Angebot machen. Wir stellen uns nicht quer. Man müsste halt einen Dreh und eine gute Story finden, wie man die zwei alten Männer wieder vereint.

Zurück zur Comedylounge: Was macht einen Auftritt in der Landeshauptstadt für Sie besonders? 

Es ist nicht einfach in München. Es gibt viel Konkurrenz: Kleinkunst, Liedermacher und Kabarett. Die Stand-up-Comedy ist noch relativ jung in München. Dafür ist das Publikum allem gegenüber aufgeschlossen und man kann es nicht überfordern.

Ist das anderswo schwieriger? 

In Ostdeutschland, wo ich aufgetreten bin, da ist es schon mal passiert, dass Leute entrüstet aufgestanden und gegangen sind, als Pegida- oder AfD-Witze gemacht wurden.

Die Comedylounge wird live in Gebärdensprache übersetzt. Was brachte Sie auf die Idee? 

Als unsere Kinder ein Jahr alt waren, haben wir eine DVD aus den USA mitgebracht, mit der sie Gebärdensprache gelernt haben. So konnten sie sich verständigen, bevor der Sprachapparat ausgebildet war.

Wie unterscheidet sich barrierefreie Comedy?

Wir müssen zum Beispiel ohne Mikrofon arbeiten, weil manche Lippenlesen möchten und das Mikrofon den Mund verdecken könnte. Am Anfang dachte ich, man muss langsamer sprechen. Aber oft ist der Dolmetscher vorher fertig. Man muss gewisse Jokes absprechen, zum Beispiel Reime oder Wortspiele. Aber es ist ein unheimlich beglückendes Gefühl.

ZUR PERSON

Als Stefan des Duos „Erkan und Stefan“ wurde Florian Simbeck zum Star. Die Reise begann einst im Radio, bevor 1999 der große Kinoerfolg gelang. „Der Tod kommt krass“ lautete der verheißungsvolle Titel des dritten Teils: Der Film floppte, das Duo zerstritt sich und Simbeck musste sogar Privatinsolvenz anmelden. Kein Wunder, dass der in München geborene Schauspieler den Jogging­anzug, die Goldketten und Mütze abgelegen wollte. Nun sorgt er als Stand-up-­Comedian auf deutschlandweiten Tourneen für Lacher. An der Seite von Eva Mähl, Constanze Lindner und Uli ­Bauer wirkt Simbeck in der BR-Serie „Die Komiker“ mit. Außerdem ist der 46-Jährige für die SPD im Kreistag des Landkreises Pfaffenhofen an der Ilm vertreten. Mit seiner Frau Stephanie Simbeck hat er zwei Kinder. Alles wieder „gudd, ­odda?“

Verlosung

Gewinnen Sie Karten für die "Comedy Lounge" mit Florian Simbeck.

Teilnahmeschluss ist der 26. Februar

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