Hannes Jaenicke im Gespräch mit Hallo München

Sein Engagement für die Umwelt: nicht gespielt

Hannes Jaenicke am Ammersee
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Schauspieler und Umweltaktivist: Hannes Jaenicke
  • Sebastian Obermeir
    vonSebastian Obermeir
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Im Film „Retter der Meere“ schlüpft Hannes Jaenicke erstmals in die Rolle eines Meeresbiologen und Umweltschützers. Dabei beschäftigt ihn das Thema seit Jahren – im Privatleben und als Dokumentarfilmer. Warum er als solcher auch mal zeigen muss, was man nicht sehen will und wie es um die Münchner Klimapolitik steht...

Herr Jaenicke, Sie setzen sich stark für Umweltschutz ein. Fällt es Ihnen leicht, Haltung zu beziehen oder steht das „Öko-Image“ auch mal im Weg?
Ich habe meine Klappe immer ziemlich weit aufgerissen und regelmäßig Hiebe dafür bekommen. Aber das steck’ ich ganz gut weg. Umweltschutz ist meine Leidenschaft, meine Freizeitgestaltung, deshalb mache ich Dokumentar-Filme. Aber als Schauspieler in einem fiktionalen Format hatte ich bisher wenig damit zu tun.
Bis jetzt. In „Retter der Meere“ spielen Sie einen Meeresbiologen. Warum ist es wichtig, den Zuschauer für den Meeresschutz zu begeistern?
Wasser- und Meeresschutz geht jeden etwas an, ohne Wasser gibt es kein Leben. Wenn Korallen sterben, die Meere leergefischt und zugemüllt werden, die Wassertemperaturen steigen – das sind globale Themen, die jeden von uns angehen. Wobei wir mit diesem Öko-Thriller den Zuschauer nicht belehren, sondern richtig gut unterhalten möchten. Und das ist uns, so hoffe ich, gelungen.
Der Film ist Auftakt einer potenziellen Reihe. Stimmen die Quoten, geht es weiter. Ist das richtig interpretiert?
Völlig richtig. Das ist die Realität unseres Geschäfts. Die Quote ist unsere Währung. Wenn der Film Publikum hat, machen wir weiter, was wir sehr gern tun würden. Wenn die Quote nicht stimmt, wird das Format eingestampft. Was ich sehr schade fände.
Deutschland erreichte sein Klimaziel 2020 – nicht zuletzt wegen Corona. Kann die Pandemie zu einem Umdenken in Sachen Klima führen?
Die CO2-Bilanz ist aufgrund der Lockdowns tatsächlich gesunken. Andererseits haben sich die Berge von Verpackungsmüll potenziert. Die Corona-Krise als Segen für die Umwelt zu bezeichnen, ist daher gewagt. Ich kann nur hoffen, dass Politik und Industrie nicht nur an Restauration denken, und nur dahin zurück wollen, wo wir vor der Corona-Krise waren.
Es soll sich etwas ändern.
Das Artensterben beschleunigt sich, die Regenwaldvernichtung und Überfischung der Meere auch, die Luft in den Innenstädten ist miserabel, das Trinkwasser wird zunehmend mit Pestiziden vergiftet. Ich glaube, wir wissen alle, dass dringend gegengesteuert werden muss.
Wie beurteilen Sie die Münchner Klimapolitik?
Manches geht in die richtige Richtung, München ist auf keinem schlechten Weg. Die Radwege, dass Teile der Isar-Auen renaturiert werden, dass die 3. Startbahn am Flughafen abgesagt wurde, das finde ich positiv. Dennoch bleibt viel zu tun. Ich verstehe zum Beispiel bis heute nicht, warum nicht alles innerhalb des Altstadtrings autofrei ist wie in Kopenhagen oder Amsterdam. Dann hätten wir eine der schönsten Innenstädte Europas.
Für Ihre Reise- und Tierschutz-Dokumentationen sind Sie um die ganze Welt gereist. Was war das Schockierendste, das Sie dabei gesehen haben?
Das war ein kahlrasiertes Orang-Utan-Weibchen in einem indonesischen Holzfäller-Puff, das an einem Eisenbett angekettet war. Man konnte es für umgerechnet 50 Cent buchen. Dann waren da die Haie, denen an Bord von Fischkuttern die Flossen abgeschnitten wurden. Danach wurden die lebensunfähigen Tiere ins Meer zurückgeworfen, wo sie kläglich verenden. Das waren mit die härtesten Dinge, die wir gesehen haben.
In der Tat schockierend.
Es gibt so viel Unverständliches, Grausames. Wir haben Sachen gesehen, die möchte man einfach nicht sehen. Aber sie müssen trotzdem gezeigt werden. Deshalb machen wir diese Filme.
Zum Abschluss etwas Positiveres, das indirekt mit dem Klima zu tun hat: Wie erleichtert sind Sie als US-Bürger, dass Joe Biden jetzt Präsident ist?
Dafür gibt es keine Worte. Ich habe mich für meinen amerikanischen Pass nie so geschämt wie in den letzten vier Jahren. Ich kann nur hoffen, dass Joe Biden den Trümmerhaufen, den er geerbt hat, irgendwie in den Griff kriegt. Ich drücke die Daumen, dass er schnell rückgängig machen kann, was Trump verbrochen hat.
In „Retter der Meere“ schlüpft Hannes Jaenicke neben Daniel Roesner in die Rolle eines Meeresbiologen.

Zur Person

Er war in dutzenden Fernsehfilmen und -serien zu sehen, seit 40 Jahren ist er Vegetarier, ans Set bringt er seine eigenen Kaffeetasse, hat Bücher zum Umweltschutz geschrieben und unzählige Reise- und Tierschutzdokumentationen gedreht: Hannes Jaenicke gehört nicht nur zur Top-Riege von Deutschlands Schauspielern, sondern ist auch Umweltschützer durch und durch. Im Öko-Thriller „Retter der Meere – Tödliche Strandung“, der am Samstag, 6. Februar, im Ersten ausgestrahlt wird, vereint er nun die beiden Leidenschaften: Als Meeresbiologe kämpft er in Mauritius für den Umweltschutz.

Die nächsten Dokus aus dem wahren Leben sind allerdings auch bereits in den Startlöchern: „‚Im Einsatz für den Wolf‘ ist gerade im Schnitt und wird am 25. Mai ausgestrahlt“, verrät Jaenicke im Interview. „Dann bereiten wir ‚Im Einsatz für die Sau‘ vor. Das ist uns, gerade nach den Tönnies-Skandalen, ein großes Anliegen.“

Aufgewachsen ist Hannes Jaenicke in den USA. Heute lebt der 60-Jährige am Ammersee.

Gewinnspiel

Nicht nur vor oder hinter der Kamera ist ­Hannes Jaenicke der Meeresschutz ein besonderes Anliegen: Im Buch „Aufschrei der Meere“ legt er dar, wie wir die Ozeane schützen müssen. Wir verlosen Exemplare!

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