Christian Tramitz im Gespräch mit Hallo München

„Als Vater denkt man: Jetzt lern doch mal!“ - Christian Tramitz im Interview mit Hallo München

Christian Tramitz, bekannt aus Hubert und Staller, im großen Hallo-Interview.
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Christian Tramitz, bekannt aus Hubert und Staller, im großen Hallo-Interview.
  • Sabina Kläsener
    VonSabina Kläsener
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Als „Hubert und Staller“ begann es 2011 – mittlerweile als „Hubert ohne Staller“ feiert nun die TV-Serie Jubiläum. Dass es mal zehn Staffeln geben würde, hätte nicht jeder gedacht. Warum das Konzept bei den Zuschauern so gut ankommt und wie es für ihn war, mit dem eigenen Sohn zu drehen, verrät der 66-Jährige hier.

Herr Tramitz, zehn Jahre, zehn Staffeln „Hubert und...“ sowie „...ohne Staller“: Hätten Sie am Anfang gedacht, dass es so lange geht?

Nein, auch die anfängliche Reaktion der Fernseh-Redaktion war eher zurückhaltend: Das ist schon lustig, was ihr macht, aber vielleicht zu lustig für eine Krimiserie. Wir sind gleichzeitig gestartet mit sieben oder acht anderen Formaten.

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Auch noch Konkurrenz.

Es war eine Krimioffensive. Jetzt ist es so, dass wir immer noch neue Folgen produzieren. Da sind die Zuschauer weiter als die Programmverantwortlichen damals glauben wollten. Man unterschätzt die Leute oft. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass da sehr differenziert wird. Und die Leute sehen sehr wohl Dialogfeinheiten, das sieht man an den Zuschriften, die wir bekommen. Bestimmte Sprüche werden herausgehoben, der schwarze Humor goutiert.

Beim Jubiläum lässt es sich nicht umgehen, über den Ausstieg von „Staller“ zu sprechen. Fühlt es sich wie eine Serie in zwei Kapiteln an?

Da beißt die Maus keinen Faden ab. Das war für mich schlimm, es war für alle schlimm, auch für den Helmfried übrigens. Er wollte es durchziehen, was Neues machen. Unser Glück war, es intern lösen zu können und Michi Brandner in dieser neuen Funktion zu etablieren. Hätte man die Rolle von Helmfried einfach neu besetzt, wären zu viele Vergleiche angestellt worden. So hatten wir eine Möglichkeit gefunden, die auch die Zuschauer akzeptiert haben. Natürlich gibt es aber auch Leute, die sagen, es ist nicht mehr das Gleiche.

Man kann es nicht konservieren.

Genau. Das ist ja eigentlich wie ein Karussell, weil durchgetauscht wird. Dadurch kommt eine neue Frische rein. Dafür, dass der Helmfried bestimmt einen riesen Anteil am Erfolg hatte, haben wir es ganz gut hingekriegt.

Es gibt das Konzept des „neuen Alten“, dass man als Zuschauer weiß, was einen erwartet, dennoch werden neue Geschichten erzählt. Wie schafft man diesen Spagat?

Der größte Fehler ist, sich zu sagen, das hat immer funktioniert, das machen wir nochmal. Wir haben auch damit aufgehört, dass der Helmfried zu nah am Zaun parkt. Irgendwann merkt man, die Nummer ist jetzt durch. Eine neue Chefin zu bekommen war unser Glück, weil dadurch ein anderer Impuls, eine andere Nervigkeit reinkommt. Es lebt von sehr markanten Typen. Wir haben gute Autoren und haben die Freiheit, Sachen noch zu verändern.

Es ist nicht starr.

Das ist bei uns ein Riesenvorteil. Das kann auch zum Desaster werden. Wenn jeder meint, dass er mitreden kann. Aber wir haben eine Form gefunden, mit einem vernünftigen Zusammenspiel zwischen Original Script und eigenem Dialog-Refreshing.

Ihre Kollegin Susu Padotzke hat gesagt, dass ein Drehtag manchmal wie der Besuch bei der Verwandtschaft sei, nicht immer ganz einfach. Wer wären Sie in diesem Bild?

Der böse Onkel (lacht).

Also auch am Set ein Grantler?

Nein, so bin ich eigentlich nicht. Es ist schon extrem, was der Hubert macht, ein absolut misantropischer Mensch. Was Susu Padotzke angeht, die ist in ihrer Rolle als Pathologin natürlich sehr an den Fachjargon gebunden. Sie ist die Leidtragende, wenn wir unsere Texte ändern. Sie nimmt es mittlerweile mit sehr viel Humor.

Eine Episode spielen Sie mit Ihrem Sohn Tamo (16). Wie war das?

Der war erstaunlich gut. Der ist, wie ich, nicht der Fleißigste, was das Texte Lernen anbelangt. Und als Vater denkt man dann: Jetzt lern doch mal, ich höre dich ab.

„Blamiere mich nicht.“

Ja, genau. Ich habe ihn dann auch in Ruhe gelassen, nicht mit ihm durchgepaukt oder durchgespielt. Das ist doof, denn es kann sein, dass es der Regisseur ganz anders haben will. Ich muss sagen, ich war wahnsinnig stolz auf ihn, denn er hat es sehr souverän gemacht.

Kam der Impuls von ihm, mitzumachen?

Nein, ich habe ihn gezwungen (lacht). Nein, ich las das Buch und hab mir gedacht, der passt genau, dann nehmen wir ihn doch gleich. Ich finde, auch mit Abstand, er ist nicht ganz unbegabt.

Würden Sie das unterstützen, wenn er weiter in die Richtung gehen möchte?

Was heißt unterstützen? Letztendlich ist er auf sich selber gestellt. Es ist jetzt nicht so, dass er unbedingt Schauspieler werden will. Ich glaube im Moment ist Börsenmakler oder so ganz vorne.

Also ist er noch nicht festgelegt.

Es hat ihm Spaß gemacht, aber es ist jetzt nicht...

...dass der „Familien-Fluch“ zuschlägt.

Nein. Ich wollte das ja auch nie machen und bin eher reingerutscht. 

Sie treffen sich noch mit Bully und Rick. Spinnen Sie auch rum, ob man nochmal was machen kann?

Ich würde gerne mit Bully und Rick einen Film machen. Über ein gescheitertes Comedy Quartett, sowas wie „Die Sunny Boys“, die alle kein Geld mehr haben und weil sie pleite sind, nochmal die alten Sketche spielen müssen. Da hat man die zwei Ebenen, wenn sie auf der Bühne immer witzig sein müssen. Und dann privat, wo man sagt, mach jetzt bitte nicht mehr den Griechen, Rick, ich fang an zu kotzen. Das fände ich einen super interessanten Film.

Sind die anderen noch nicht bereit dafür?

Noch nicht. Aber man kann sich zumindest drüber unterhalten. Wir sind mittlerweile auch auf einer Ebene, das ist immer wirklich sehr lustig, wenn wir uns treffen. Natürlich hat das auch was von Klassentreffen mit Anekdoten. Das sind halt Freunde.

Sie sind eher Landmensch. Was lockt Sie mal in die Stadt?

Gutes Essen. Aber das ist mit irrsinnig viel Aufwand verbunden. Autofahren kann ich nicht, dann kann ich kein Glas Wein trinken. Also muss man mit dem Taxi fahren, hin und zurück. Da sind schon mal 200 Euro im Eimer. Ich überlege mir das sehr lange und gut. Kultur, Theater locken mich eher nicht so, stehe ich auch offen zu. Kabarett schaue ich mir gerne an.

Zur Person

Als Schauspieler, Komiker, Synchron- und Hörbuchsprecher hat Christian Tramitz unzählige Rollen verkörpert und vielen seine Stimme verliehen. Am 13. Juli 1955 in München geboren, entstammt er mütterlicherseits der bekannten Schauspielerfamilie Hörbiger. Seit den 80er-Jahren synchronisiert er, unter anderem in „Eine schrecklich nette Familie“, „Findet Nemo“ und „Cars“.

Bei Radio Gong nahm die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Michael Bully Herbig ihren Anfang. Gemeinsam mit Rick Kavanian schufen sie mit der „Bullyparade“ und Filmen wie „Schuh des Manitu“ ein quasi eigenes Genre. Von Letzterem gibt es nun ein Musical, das im Deutschen Theater gezeigt wird. „Ich bin der Einzige, der es noch nicht gesehen hat“, gesteht Tramitz im Interview. Denn Musicals gehören nicht zu seinen Favoriten. Tramitz ist in zweiter Ehe verheiratet, Vater von vier Kindern und lebt am Starnberger See.

Die Kult-Serie mit Christian Tramitz: Gewinnen Sie DVDs von „Hubert ohne Staller“.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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