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„Es ist unsere Aufgabe, den Zauber in uns zu finden“ ‒ Die Schauspielerin Brigitte Hobmeier im Interview

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Von: Sebastian Obermeir

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Weihnachtliche Stimmung verbreitet Brigitte Hobmeier jetzt bei einer Lesung gemeinsam mit den „nouWell cousines“
Weihnachtliche Stimmung verbreitet Brigitte Hobmeier jetzt bei einer Lesung gemeinsam mit den „nouWell cousines“ © Lucia Hunziker

„Eine schöne Bescherung“ heißt die Lesung, bei der Brigitte Hobmeier mit den „nouWell cousines“ Weihnachtsstimmung aufkommen lassen wird. Hallo hat mit der Schauspielerin über ihr persönliches Fest, Überraschungsgeschenke und die Wirkung der Bühne gesprochen.

Frau Hobmeier, welche Weihnachtstexte und -lieder dürfen bei Ihnen zuhause nicht fehlen?

Ehrlich gesagt singen wir kaum. Als Kind hab ich Blockflöte gelernt und ich hab meine Familie so was von gequält. Es gibt da diese Geschichte, dass ich meinen Onkel gezwungen habe, auch Blockflöte zu spielen und er das Fis nicht hinbekommen hat. Ich hab laut geschrien: Fis! Fiiiiis! Das ist jetzt unser Running-Gag, ob ich ein Blockflöten-Lied mit Fis spiele. Wir gehen also eher Schlittenfahren, machen eine Schneeball-Schlacht, trinken Glühwein im Garten. Ganz anders also als die Wells, die vor lauter Musikmachen wahrscheinlich kaum zum Geschenke auspacken kommen.

Schenken Sie lieber als dass sie beschenkt werden?

Ich freue mich natürlich, wenn ich was Schönes bekomme. Aber ich schenke sehr gern. Ich mache mir Gedanken, mit was ich meinen Lieben eine besondere Freude machen kann. Was war während des Jahres, wo hat mal wer was erwähnt, da versuche ich aufzuhorchen. Und wenn ich nichts weiß, dann frage ich lieber nach, bevor ich irgendeinen Schmarrn kaufe, der mir und den Beschenkten keine Freude macht.

Scheint als haben Sie für heuer schon alles beisammen.

Was immer auf den letzten Drücker ist, sind diese Fotokalender. Da lerne ich keinen Millimeter dazu. Aber ich habe schon ein tolles Geschenk gefunden, da bin ich schon aufgeregt, dass ich das herschenken darf. Ich freue mich schon auf den Blick beim Auspacken.

Jetzt wäre ich schon gespannt, die Leser sicher auch.

Nein, nein! Die Überraschung, wissen Sie!

Wie stehen Sie zur eingeschränkten Weihnachtsbeleuchtung in der Münchner Innenstadt? Geht der Zauber verloren?

Ich hoffe, dass die Beleuchtung innerlich angeschaltet wird. Es ist unsere Aufgabe, den Zauber in uns und im Miteinander zu finden. Statt zu sagen: Da ist keine Beleuchtung und deswegen hab ich kein Weihnachtsgefühl, sondern bin grantig. Wenn es darauf ankommt, dann Halleluja!

Lassen Sie uns über Ihre anderen Projekte sprechen: Die Kammerspiele haben Sie 2016 verlassen, waren aber noch als Gast zu sehen. Nicht aber seit Barbara Mundel Intendantin ist. Gibt es hierfür bestimmte Gründe?

Bestimmt mehrere. Der Hauptgrund lautet Corona. Es gab die Anfrage von Frau Mundel, „Susn“ von Herbert Achternbusch noch weiterlaufen zu lassen. Doch die Pandemie folgte und die Lockdowns und irgendwann kam ein Anruf, dass die alten Stücke eingestampft werden. 

Schade.

Ich war lange traurig, weil es keine letzte Vorstellung für mich gab, um sich zu verabschieden. Weil ein Abschluss wichtig ist, fürs Herz und die Seele. Aber ich kann den Pragmatismus auch verstehen, wenn so viele neue Stücke anstehen. Die Zeit ist härter geworden. Dass man da keine Gäste mehr holt, wo es spielwütige Ensemblemitglieder gibt, ist verständlich.

Wie reagieren Ensembles denn generell auf Gäste von außen?

Während meiner 15 Jahre im Ensemble bin ich Gästen immer mit Freude begegnet. So ist es mir auch immer widerfahren.

Wir haben über die Kammerspiele gesprochen, gespielt haben sie aber auch etwa im Volkstheater oder dem Residenztheater. Unterscheiden sich die Bühnen stark?

Allerdings. Es wäre furchtbar, wenn es nicht so wäre, das wäre ja eine Blackbox, wo keine Vergangenheit und keine Zukunft möglich sind. Nehmen wir die Allerheiligen-Hofkirche zum Beispiel, wo die Lesung stattfindet. In der Fußgängerzone, auf der Straße, würden wir ganz andere Reaktionen hervorrufen. Etwas Derbes konterkariert zum Beispiel das Sakrale der Kirche total. Den Raum nicht miteinzubeziehen wäre ein großes Manko, egal wo und wie man sich bewegt.

Wird es noch eine Lesung oder können Sie den Text schon auswendig?

Es ist schon eine Lesung, kein Theaterstück. Ich bereite mich aber intensiv vor. Ich frage mich, was bewirkt der Text bei mir, wie will ich ihn präsentieren? Will ich ihn an mich reißen oder im Raum stehen lassen? Gebe ich ihm verschiedenen Stimmen. Und dann kommt da noch die Musik: Wie sehr verweben wir es? Diesen Fragenkatalog stelle ich mir.

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Zur Person

Schauspiel studierte die 1976 geborene Brigitte Hobmeier in Essen. Doch nach Gastspielen in Düsseldorf packte sie die Sehnsucht nach der Heimat: Von 2002 bis 2005 spielte sie am Münchner Volkstheater, danach war sie bis 2016 im Ensemble der Kammerspiele. Inzwischen ist die freie Schauspielerin vermehrt in zahlreichen Fernseh- und Kinoproduktionen zu sehen – etwa im Kinofilm „Weißbier im Blut“ oder der Serie „Oktoberfest 1900“. Hobmeier lebt mir ihrer Familie in München.

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