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Fliegende Steine, böse Wölfe und Papa mittendrin - Florian David Fitz im Gespräch

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Von: Sebastian Obermeir

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Im Film „Oskars Kleid“ will Florian David Fitz auch den harten Polizeialltag zeigen.
Im Film „Oskars Kleid“ will Florian David Fitz auch den harten Polizeialltag zeigen. © Erfttal Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG

Im Film „Oskars Kleid“ spielt Florian David Fitz einen Polizisten, dessen Verständnis von Geschlechterrollen auf eine harte Probe gestellt wird – Sohn Oskar trägt lieber Röcke als Jeans. Hallo hat mit dem Schauspieler über Väter-Rollen, Konflikte & Erziehung gesprochen.

Herr Fitz, wann wollten Sie zuletzt einen Stuhl durchs Fenster werfen?

Heute war ich kurz davor (lacht). Nein, ich muss zugeben, mir platzt der Kragen eher als früher, aber bestimmt nicht so krass.

Wie eben beim Polizist Ben.

Für den Film war es wichtig, eine Figur zu haben, die völlig unbeleckt ist – und da trägt plötzlich das Kind ein Kleid und zieht es nicht mehr aus. Zudem kommt der Typ aus einem männlicheren Umfeld. Das durch ein Kind in Frage zu stellen, fand ich spannend.

Während des Films musste ich oft denken: Könnte ich so cool reagieren, wie ich hoffe, dass ich es tun würde? 

Ich denke Sie und ich auch kommen eher aus einem Umfeld, die sich damit schon etwas auseinandergesetzt haben. Das wäre nicht so viel Konflikt- und Komödienmaterial. Dennoch denke ich, dass es einen essenziell in die Bredouille bringen kann. Wir haben mit vielen Leuten gesprochen, die in solchen Situationen sind. Das ist nicht so easy: Man möchte das Beste für sein Kind tun – aber was das Beste ist, ist nicht so leicht rauszufinden.

Macht das einen guten Vater aus? Genau das herauszufinden – und die Wünsche des Kinds mit seinen eigenen bestmöglich abzugleichen?

Ich glaube, dass man einen relativ guten Instinkt für das hat, was das Kind braucht. Manchmal macht man trotzdem das, was für einen einfacher ist und sagt: Ach komm, du darfst die Süßigkeit essen. Ich würde mich da ein bisschen entspannen – man muss nicht perfekt sein. Natürlich macht man auch Fehler. Aber genau da liegt die Verantwortung von uns als Eltern: Eben nicht unbedingt nur das zu machen, was das Kind will. Da werden dann die Eltern zu bösen Wölfen und die Großeltern machen, was sie wollen. Obwohl sie selber sehr streng zu ihren Kindern waren damals.

Warum war es Ihnen wichtig, das Thema Transsexualität in die Öffentlichkeit zu tragen?

 Es ist, denke ich, umgekehrt. Das Thema ist gerade virulent. Lustigerweise ist die Idee zum Film schon fünf oder sechs Jahre alt – ich dachte, es ist ein interessanter Konflikt, mit dem man Leute bewegen kann. Und jetzt ist das Thema so präsent wie noch nie. 

Fürchten Sie, dass der Film gerade an Weihnachten auch zu Konflikten führen könnte?

Erstmal glaube ich nicht, dass es einen Film braucht, damit Familien an Weihnachten in einen Konflikt geraten (lacht). Dann sollten sie sich besser über dieses Thema als über den Truthahn streiten. Ich finde es ja total gut, wenn ein Film dazu führt, dass verschiedene Haltungen aufeinandertreffen. Aber der Film sagt ohnehin nicht, was eindeutig richtig und was eindeutig falsch ist. 

Sie haben zuletzt vermehrt Väter gespielt. Zufall oder bedingt sich das aus der persönlichen Situation?

Es ergibt sich einfach auch aus dem Alter. Es wäre doch komisch, wenn ich ­Coming-Of-Age-Geschichten drehen würde.

Wie war es für Sie, mit Kindern zu drehen?

Man sagt: Kinder oder Tiere sind der Fluch beim Drehen. Man kann nur kurz drehen, dann muss man viel mit Doubles spielen oder es ist gar kein Gegenüber da. Aber ich hatte jetzt immer ganz viel Glück und habe mit tollen Kindern gespielt, von daher bin ich versöhnt.

Und mit Babys? Die liebt man ja automatisch, oder?

Oh ja, das ist biologisch einprogrammiert.

Hat der Film Ihre Sicht auf den Polizeiberuf verändert?

Eher wollte ich sie verändern. Von der Polizei ist so viel erzählt worden. Aber wenig, wie schwierig der Beruf oft ist. 

Ein Plädoyer für den Polizeiberuf?

Der Beruf wird oft so glamourös dargestellt. Da möchte ich also einen Lanze brechen. Wenn man einen Polizisten trifft, merkt man an der Art, wie sie mit einem sprechen, mit welchen Leuten sie jahrelang gesprochen haben. Sie reden oft, als ob man leicht schwerhörig wäre. Aber ich denke mir: Wenn du den ganzen Tag Leute hast, die dir das Leben zur Hölle machen, ist das verständlich. Und wenn man mal sieht, dass die Computer auf der Wache älter sind als das Jahrtausend... Dann merkt man, hey, vielleicht muss man den Mädels und Jungs mal dankbar sein, dass sie sich im Namen der Meinungsfreiheit von links und rechts mit Wackersteinen bewerfen lassen. 

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Zur Person

Kaum ein deutscher Blockbuster der vergangenen Jahre kam ohne ihn aus: Der 1974 in München geborene Schauspieler Florian David Fitz wirkte etwa in „Willkommen bei den Hartmanns“, „Der Vorname“, „Das perfekte Geheimnis“, „Eingeschlossene Gesellschaft“ und „Der Nachname“ mit. Begonnen hat seine Fernseh-Karriere 1999 mit „Der Bulle von Tölz“ – wo die ihm verwandte Lisa Fitz seine Mutter spielte. Für seinen neuesten Film „Oskars Kleid“ hat er auch das Drehbuch geschrieben. Fitz lebt im Münchner Westen. 

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