A bis Z mit Skateboarderin Lea Schairer

Lea Schairer: „Vom Skateboarden alleine kann ich nicht leben."

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Skateboarderin Lea Schairer könnte die erste deutsche Olympiateilnehmerin im Skateboarden werden.

Springt sie zu Olympia? Skateboarderin Lea Schairer ist im Perspektivkader für die Spiele 2020 in Tokio. Hallo hat mit ihr über ihre Anfänge, verschiedene Disziplinen und Zuschauer gesprochen

Bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 wird erstmals Skateboard zu sehen sein. Auch eine ehemalige Münchnerin könnte dann um Medaillen kämpfen. Die 30-jährige Lea Schairer ist für den deutschen Olympia-Kader nominiert worden. Schairer ist in Heidelberg aufgewachsen und nach dem Abitur nach München gezogen, um dort Sport zu studieren. Neun Jahre lang lebte sie in Oberföhring, der Isarvorstadt und der Maxvorstadt. In dieser Zeit lernte sie auch die Skater-Szene in München kennen. „Die Bedingungen sind nicht ideal, weil Skaten auf der Straße oft verboten ist. Außerdem fehlt bei vielen das Verständnis. Sie schimpfen, warum man nicht in den Skatepark geht.“ Im Hallo-Interview verrät Schairer, was sie am Skaten reizt, wie sie ihre Chancen auf Olympia einschätzt und unter welchen Umständen sie auf eine Teilnahme verzichten würde. A. Schwarzbauer

Skateboarderin Lea Schairer (30) von A bis Z

Anfänge: Zum Skateboarden bin ich gekommen, weil meine Brüder gefahren sind. Mit elf Jahren habe ich zu Weihnachten mein erstes Board bekommen.

Bewertung: Bei Wettkämpfen vergibt eine Jury (Judges) Punkte. Sie hängen davon ab, wie viele Tricks ein Teilnehmer gemacht, wie schwer sie waren, wie viel Diversität in seinem Run war und wie flüssig die Ausführung war. Aber eine Bewertung liegt immer im Auge des Betrachters. Für mich gibt es nicht wirklich ein Besser oder Schlechter.

Chancen: Die Teilnahme an den olympischen Spielen ist vor allem für die Frauen der Sportart eine große Chance, eine Plattform zu bekommen. Ich verstehe zwar viele Bedenken, aber jeder hat selbst in der Hand, wie weit er gehen will.

Disziplinen: Bei den Olympischen Spielen wird es mit Park und Street zwei Disziplinen geben. Bei Street gibt es Bänke, Geländer und Treppenstufen, an denen man Tricks macht. Bei Park gibt es sogenannte Bowls, im Boden eingelassene Becken, in denen man Sprünge macht. Sie unterscheiden sich stark untereinander. Ich mache nur Street.

Erfolge: Ich bin letztes Jahr deutsche Meisterin geworden und bei europäischen Wettbewerben regelmäßig zwischen Platz 5 und 7 gelandet.

Förderung: Skateboarden wird jetzt in Deutschland stärker gefördert, weil es olympisch wird. Aber es ist immer noch sehr begrenzt. Das Schwierigste ist aber, dass häufig das Verständnis nicht da ist. Viele Leute fragen, warum wir auf der Straße fahren müssen und nicht in die Skateparks gehen.

Gemeinschaft: Mir gefällt am Skaten, dass man Teil einer Gemeinschaft ist und sie mitgestalten kann.

Hals- und Beinbruch: Brüche kommen beim Skateboarden vor. Ich selbst hatte glücklicherweise noch nie einen. Meine schlimmste Verletzung war ein Kreuzbandriss. Kleinere Schrammen sind an der Tagesordnung. Häufig knick man auch um.

Indoor: In München gibt es gar nichts. Als ich hier gelebt habe, bin ich im Winter in eine kleine Halle nach Freising oder nach Innsbruck gefahren. Dort gibt es ein großes Trendsportzentrum. Ansonsten blieben nur Fußgängerunterführungen.

Job: Vom Skateboarden alleine kann ich nicht leben. Deshalb arbeite ich selbstständig im Marketingbereich.

Kleidung: Ich fahre in ganz normalen Klamotten, in Jeans, T-Shirt und Skaterschuhen. In den 90er-Jahren und Anfang der 2000er war Skaten stark vom Hip-Hop geprägt und alle waren in Baggies unterwegs. Mitte der 2000er, in der Punk-Zeit, waren enge Hosen in. Mittlerweile gibt es alles.

Lebensgefühl: Skaten ist anstrengend und eine körperliche Betätigung. Aber es ist nicht nur ein Sport. Für mich bedeutet es auch Freiheit, weil man es machen kann, wann, wo und wie man will.

Medaillen: Um Medaillen werden bei den Olympischen Spielen wahrscheinlich die USA, Brasilien und Japan kämpfen.

Nein würde ich sagen, wenn ich wegen der Olympia-Teilnahme zu viele Tricks machen müsste, mit denen ich mich nicht wohlfühle. Ich will nicht, dass mir Tricks von anderen vorgeschrieben werden.

„Skaten ist nicht gefährlicher als Skifahren“

Ollie: Ganz am Anfang lernt man als Skateboarder einen einfachen Sprung, den Ollie. Er ist die Basis. Ohne ihn geht gar nichts.

Preisgelder gibt es immer häufiger. Aber sie reichen nicht zum Leben. Bei den deutschen Meisterschaften habe ich beispielsweise für den ersten Platz 1000 Euro erhalten.

Qualifikation: Sich für die olympischen Spiele in Tokio zu qualifizieren, ist sehr schwierig. Es gibt nur 20 Plätze, die nach der Weltrangliste vergeben werden. Und die Konkurrenz ist extrem hart.

Rollen: Zwischen Skateboards gibt es Unterschiede. In der Disziplin Park sind sie tendenziell breiter, damit der Fahrer besser die Kontrolle darüber behält. Außerdem haben sie größere Rollen, damit man schneller ist und den Schwung beim Sprung besser nutzen kann.

Skateparks gibt es in München mittlerweile viele. Mir gefallen besonders die Anlagen an der Theresienwiese und der Postwiese in Haidhausen. Sie sind abwechslungsreich und gut bebaut.

Tricks: Einen Lieblingstrick habe ich nicht, aber es gibt Tricks, die ich besser kann, als andere. Dazu gehört der Nollie Heelflip, bei dem das Board eine Rotation um die Längsachse macht.

Unterstützer: Von Nike bekomme ich ein bisschen Geld und mein Material wird mir gesponsert.

Verein: Die meisten Skater sind in keinem Verein. Aber ich bin inzwischen Mitglied bei Skateboarding München e.V. Das ist auch Voraussetzung, um in den Olympia-Kader zu kommen.

Wetter: Ich gehe zwei- bis dreimal in der Woche Skateboard fahren. Wie oft genau ist auch abhängig vom Wetter – und wie viel Lust ich habe.

X-treme: Skaten ist nicht gefährlicher als Skifahren.

Y-Chromosom: Skateboard fahren vor allem Männer. Früher gab es für mich als Frau manchmal einen komischen Blick oder selten einen blöden Spruch, aber solange man engagiert skatet, ist eigentlich alles in Ordnung. Mittlerweile gibt es auch immer mehr Frauen.

Zuschauer: Es gibt Contests, bei denen bis zu 1500 Zuschauer kommen. Aber mir ist es egal, ob es 100 oder 1000 Leute sind. Wenn ich weiß, dass ich unter Beobachtung stehe, spielt die Menge keine Rolle.

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