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European Championships 2022 in München: Ruderer Oliver Zeidler über Olympia, Heimvorteil und seinen berühmten Opa

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Von: Benedikt Strobach

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Oliver Zeidler ist Welt- und Europameister im Rudern.
Oliver Zeidler ist Welt- und Europameister im Rudern. © Benedikt Strobach

Der Münchner Oliver Zeidler ist Welt- und Europameister im Rudern und will bei den anstehenden European Championships auch gewinnen. Hallo hat mit ihm gesprochen.

Der Sommer in München wird sportlich: Mit den European Championships werden ganze neun Europameisterschaften zeitgleich in der bayerischen Landeshauptstadt ausgetragen. Von 11. bis 21. August kämpfen Europas beste Athleten in den Sportarten Beachvolleyball, Kanu-Rennsport, Klettern, Leichtathletik, Radsport, Rudern, Tischtennis, Triathlon und Turnen um die begehrten Goldmedaillen.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Dabei ist auch der Münchner Oliver Zeidler. Mit Hallo hat der Welt- und Europameister im Rudern über seine Chancen, einen ungewollten Spitznamen und ein besonderes Jubiläum gesprochen.

Oliver Zeidler (25), Welt- und Europameister im Rudern, von A bis Z

Anfänge: Die meisten fangen mit dem professionellen Rudern mit 14 oder 15 an. Ich bin mit 20 Jahren dazu gestoßen. Durch meine Erfolge habe ich mir schnell den Respekt der Konkurrenz gesichert.

Boxen ist ein Sport, den ich freizeitlich eventuell einmal ausprobieren möchte. Sonst gehe ich auch gerne Joggen.

Corona hat auch bei uns für mehrere Wettbewerbs­absagen gesorgt. Besonders unglücklich war es aber in Tokio. Im Olympischen Dorf waren wir abgeschottet, nicht einmal zum Essen konnte man zusammenkommen. Da standen Plexiglas-Wände zwischen den Tischen und man musste sich regelrecht anschreien zum Unterhalten.

Dämlich finde ich die Pläne des Ruderverbands, den Sport zu zentralisieren. Das heißt, dass alle Sportler an einer Sportstätte trainieren würden. Im Prinzip entscheidet die Postleitzahl, wer im Nationalteam rudert. Unterstützung etwa bei der Wohnungssuche erhalten wir nämlich nicht. Das ist Müll und nichts für mich.

European Championships: Das Ziel ist klar: Ich trete an, um zu gewinnen. Ich finde es spitze, dass ein solcher Fokus auf neun Rand-Sportarten gelegt wird. Das hilft, neue Fans zu gewinnen. Ich will so viel wie möglich an Wettkämpfen und vom gesamten Festival um die Spiele mitnehmen.

Familie: Ich komme aus einer Ruderer-Familie. Opa, Vater, Schwester, Onkel und Tante sind auch im Sport aktiv. Am Esstisch können wir das Thema aber beiseitelegen.

Großvater: Mein Opa Hans-Johann Färber hat 1972 auf der Regattaanlage in Oberschleißheim die olympische Goldmedaille im „Vierer“ geholt. Das macht die Tatsache für mich besonders, dort 50 Jahre später um die EM-Medaille zu kämpfen und motiviert mich noch mehr.

Handwerklich bin ich leider weniger begabt. Ich bin eher nicht der „Bastler“ (lacht).

Internationale Vorbereitung: Um bestens in die Europameisterschaft im August und die Weltmeisterschaft im September zu starten, nehme ich am Weltcup in Belgrad, Poznan und Luzern teil. Die Rennen finden Ende Mai, Mitte Juni und Anfang Juli statt.

Jugend: Bevor ich mit dem Rudern angefangen habe, war ich als Schwimmer aktiv. Zweimal wurde ich Deutscher Meister. Als sich meine Trainingsgruppe dann 2016 aufgelöst hat, habe ich mich nach etwas Neuem umgeschaut.

Kajakfahren durfte ich kürzlich gegen Weltmeister Max Lemke bei einem 500-Meter-Rennen auf dem Olympiasee. Er saß im Gegenzug in einem Einer-Ruderboot. Ich habe knapp gewonnen und es war eine witzige Erfahrung. Ich hatte nur Angst, in den See zu fallen, der ist voller Entenkacke (lacht). Wir wurden aber beide nicht nass.

Linkin Park höre ich gerne zum Training. Die Musik treibt mich an. Generell höre ich gerne Rock.

München ist meine zweite Heimat. Ich bin gerne im Sommer im Englischen Garten. Geboren bin ich in Dachau, jetzt lebe ich in Schwaig im Landkreis Erding.

Nachhaltigkeit: Es ist stark, dass für die Championships keine neuen Stadien gebaut werden mussten, sondern alles bereits vorhanden ist. Ein gutes Zeichen gegen den Gigantismus mancher Sport-Wettbewerbe.

Olympia in Tokio war ein Rückschlag für mich. Ich war in der Form meines Lebens, hatte zuvor alles gewonnen. Im Halbfinale auszuscheiden, hat sehr wehgetan. Ich habe dann eine längere Pause gemacht.

Paddel ist der falsche Ausdruck. Wir verwenden Ruder, sogenannte Skulls oder Riemen. Sie werden am Boot befestigt. Paddel werden gehalten.

Qualifikation: Ich will an den Olym­pischen Spielen 2024 in Paris teilnehmen. Eine Möglichkeit, mich dafür zu qualifizieren, ist ein Sieg bei der Ruder-WM 2023. Das ist mein Ziel.

Regattaanlage: Für mich ist die Ruder-EM vom 12. bis 14. August ein Heimspiel. Seit ich ein Kind bin, besuche ich diese Anlage. Sie ist für mich eine der besten, die es gibt. 

Strecke: Ein Rennen geht über 2000 Meter. Rudern ist simpel: Wer zuerst ankommt, gewinnt. Meine beste Leistung bisher waren 6:39 Minuten. Pro Zug schaffe ich etwa elf Meter.

Tattoo: Als Andenken an meine ersten Olympischen Spiele habe ich mir danach die fünf Ringe auf den Nacken tätowieren lassen.

Unterstützung: Ich freue mich, wenn Fans, Freunde und Familie die Regattaanlage zu den Wettkämpfen besuchen. Das spornt natürlich noch mehr an. Bei Olympia war das leider nicht möglich und hat sehr gefehlt. Ich denke, dass wir volles Haus haben werden.

Vater: Mein Vater ist auch mein Trainer. Natürlich gibt es auch mal Streit, wenn ich nach einer Einheit mit Puls 180 aus dem Wasser komme und erstmal Kritik hören darf. Aber das gehört dazu. Ich bin froh, dass er mich unterstützt.

Weltmeisterschaft: Im Rudern findet jedes Jahr eine WM statt. Heuer steigt diese in Racice in Tschechien im September. Hier möchte ich nach 2019 meine nächste Gold-Medaille holen. Auch Europameister bin ich schon zweimal geworden. Die internationalen Titel will ich beide heuer verteidigen. Deutscher Meister bin ich Ende April zum zweiten Mal geworden.

X-mal bin ich anfangs aus dem Ruderboot gefallen (lacht). Nein, tatsächlich war es nur zweimal, danach hatte ich den Bogen raus.

Yin-Yang: Ich arbeite 24 Stunden pro Woche als Steuerberater. Die Arbeit gefällt mir sehr gut, ich kann gut mit Zahlen umgehen. Es gibt mir auch einen Ausgleich zum Sportler-Alltag und hilft mir, abzuschalten.

Zlatan des Ruderns wurde ich einmal in einem Interview genannt. Der Name kommt von dem Fußballspieler Zlatan Ibrahimovic, der in seiner Karriere unglaubliche Leistungen vollbracht hat. Den Vergleich finde ich zwar witzig. Der Spitzname gefällt mir aber nicht. Ich bin lieber einfach der „Olli“. So nennen mich auch meine Freunde. Die haben das Gott sei Dank nicht aufgegriffen.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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