Im Dazwischen

Die Literaturnewcomerin Ronya Othmann über ihren neuen Roman

Ronya Othmann ist in Deutschland geboren, kennt die syrischen Dörfer, über die sie schreibt, selbst gut.
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Ronya Othmann ist in Deutschland geboren, kennt die syrischen Dörfer, über die sie schreibt, selbst gut.

Ronya Othmann ist in München geboren und studiert Literarisches Schreiben in Leipzig. In ihrem Debütroman „Die Sommer“ widmet sie sich einer weiteren Heimat: einem kleinen Dorf in Nordsyrien. Hallo hat mit der Autorin über den Roman gesprochen. 

Frau Othmann, die Sommerferien verbringt die Protagonistin Leyla im Heimatdorf ihres jesidischen Vaters, den Rest des Jahres blickt sie aus Deutschland dorthin. Warum war es für Sie wichtig, diese Geschichte zu erzählen?
2014, 2015 war klar, dass dieses Dorf in Nordsyrien so nicht mehr existieren wird. Weil Jesiden wegen des Bürgerkriegs und der Islamisten das Land verlassen mussten. Und da ich diese Dörfer selbst kenne, habe ich angefangen, sie in literarischer Form festzuhalten.
Es ist also ein politisches, aber auch ein persönliches Buch?
Wenn meine Großeltern nicht aus so einem Dorf wären, hätte ich das natürlich nicht erzählen können. Die politischen Umstände bedingen zwar die Leben der Menschen im Roman, aber es geht auch um ganz private Dinge. Zum Beispiel wie es im Dorf gerochen hat oder wie man bestimmte Gerichte zubereitet.
Es geht auch um das Dazwischensein zwischen zwei Welten.
Aber ich wollte nicht erzählen, wie zerrissen Leyla ist, sondern was die Erfahrungen ihres Vaters oder ihrer Großmutter aus ihr machen. Wie formt das die Art, wie Leyla auf die Welt blickt.
Eine Welt, die viele in Deutschland nicht kennen. Vielleicht sogar, weil sie lieber wegschauen. Was würden Sie denen entgegnen?
Der Genozid an den Jesiden war der erste Genozid im 21. Jahrhundert. Die Weltgemeinschaft ist gescheitert, ihn zu verhindern. Es ist passiert, was hätte nicht passieren dürfen. Die Täter kommen aus allen Ländern. Auch aus Deutschland. Jennifer W. ist gerade in München angeklagt. Überlebende sind in Deutschland. Das ist nicht weit weg, sondern das ist ganz nah. Das würde ich ihnen entgegnen. Dass es uns alle etwas angeht.
Was man 2015 spüren konnte. Wie hat München die Situation seither gemeistert?
Diese Bilder am Hauptbahnhof, als die Geflüchteten angekommen sind, das hatte etwas Hoffnungsvolles. Von der Empathie mit den Menschen, die ihr Zuhause verloren haben, ist zwar bestimmt noch etwas da, aber generell fehlt sie mir manchmal in Deutschland.
Wie war es für Sie, Ihr Debüt im Corona-Jahr zu veröffentlichen?
Ich hatte Glück und konnte noch ein paar Lesungen machen. Außerdem ist das Gute am Buch ja, dass es die Leute es meistens daheim lesen – was derzeit häufig ist. Aber natürlich mache ich mir auch Gedanken, wie das alles weitergeht.
Jetzt arbeiten Sie an einem Gedichtband, richtig?
Ja. Ich schreibe Lyrik und Prosa. Jetzt, wo der Roman fertig ist, habe ich Lust auf Gedichte. Viel mehr kann ich nicht aber noch nicht dazu sagen.

Im Corona Lockdown veranstaltet Ronya Othman Online Lesungen gemeinsam mit Cemile Sahin. Tickets für die Lesung am Donnerstag, 14. Januar um 20 Uhr gibt es für fünf Euro hier.

Hallo München verlost zwei Ausgaben des Debütromans „Die Sommer“ von Rony Orthman, sowie fünf Livestream Tickets für Online-Lesung. Machen Sie mit beim Gewinnspiel!

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