A bis Z mit Quirin Stamminger - Der Held vom Eisbach

Quirin Stamminger: „Ohne Welle wäre ich glaube ich nicht mehr hier in München“

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Die perfekte Welle: Quirin Stamminger - Der Held vom Eisbach im Hallo-Interview.

Seit 1992 ist er an der Welle: Quirin Stamminger spricht mit Hallo über den Surf-Tatort, sein erstes Board und die Gefahr beim Surfen.

Weltberühmt ist die Eisbach-Welle an der Prinzregentenstraße sowieso schon. Nun dient sie bundesweit als Tatort-Kulisse, wenn am Sonntag, 26. Mai, um 20.15 Uhr in der ARD der München-Tatort „Die ewige Welle“ ausgestrahlt wird. Fragt man den alten Surf-Hasen Quirin Stamminger, was er davon hält, antwortet der Bogenhauser lässig: „Ich glaube da haben die Eisbachwelle und ich etwas gemeinsam – der Welle wie auch mir ist das ziemlich wurscht.“ Seit 1992 surft er am Eisbach, mittlerweile allerdings nur noch um halb fünf Uhr morgens. „Da ist es nicht ganz so voll.“ Wieso es trotzdem der schönste Ort zum Surfen ist, wie er den Kampf um die Welle erlebt habt und wo er schon mal jugendlichen Talenten das Leben gerettet hat, verrät er im A bis Z. von Marie-Julie Hlawica

Surfer Quirin Stamminger (40) von A bis Z

Anfänger haben es auf der Eisbachwelle nicht leicht: unter der Oberfläche lauern Steine, Hölzer, Kanten. Besonders bei niedrigem Wasserstand ist es gefährlich, weil man schneller aufschlägt.

Brett: Mein erstes habe ich mit meinem älteren Bruder aus der Rückwand eines alten Schranks gebaut. Das Brett wurde gut lackiert – war nach seinem ersten Einsatz trotzdem sofort zerstört.

Cool finden die meisten die Großstadtsurfer. Sie denken an Sonne, Spaß, Entspannung. Dabei ist es auch hartes Training, häufige Verletzungen, langes Anstehen –und das bei Eiseskälte. Ehrlich: Genuss-Surfen ist es auf der Eisbachwelle nicht für jeden.

"Wir wollen kein falsches Image verbreiten."

Dreharbeiten gibt es immer wieder. Auch ob der Tatort dort drehen kann, wurden in den Reihen der Eisbachsurfer diskutiert. Wir wollen kein falsches Image verbreiten.

Erfahrung muss man mitbringen, wenn man zum ersten Mal auf diese Welle will. Sie ist mit ihrer natürlichen Strömung eine echte Herausforderung und unvergleichbar.

Früher gab es mehrere Wellen in München, super bei Hochwasser im Juni. Die Wellen an der Wittelsbacher-, Reichenbach-, oder Großhesseloherbrücke gibt es nach der Renaturierung der Isar nicht mehr.

Großstadtsurfer unter sich – das ist vorbei. Heute ist das keine kleine Gemeinschaft mehr, wo jeder jeden kennt, heute kommt die ganze Welt. Wenn ich als Münchner surfen will, gehe ich morgens um halb fünf. Da ist es nicht ganz so voll.

Hawaii: Man muss nicht so weit fahren, wenn man hier mitten in der Stadt die perfekte Welle hat. Eine Welle mitten in einer Großstadt – das gibt es sonst nirgends.

Ich-ling – das trifft auch auf viele Surfer zu: Einzelkämpfer. Wer zu lange auf der Welle steht, wird mit Rufen oder Klopfen rausgeholt. Zehn Sekunden ist ok, 30 Sekunden sehr lang.

Jugendliche Talente gibt es, man sieht ihnen an, ob sie was können – etwa wie sie mit ihrem Board aus der Welle springen. Sonst spreche ich sie an oder schicke sie auch weg.

"In Thalkirchen gibt es noch eine gute Anfängerwelle."

Kampf um die Welle hat lange gedauert. Vor dem Tausch des Grundstücks vom Freistaat zur Kommune 2010 in der Regierungszeit von Oberbürgermeister Christian Ude wäre die Welle beinahe platt gemacht worden – aus Haftungsgründen.

Leicht: An der Floßlände in Thalkirchen gibt es noch eine gute Anfängerwelle.

Mangelware ist das Wasser. Bei der großen Trockenheit 2018 konnte man nur noch selten auf dem Eisbach surfen. Da ist die Kunstwelle für Hallbergmoos ein Geschenk!

Notausgänge im Eisbach sind wichtig. Man muss sich schon vorher ansehen, wo komme ich raus, denn das Wasser hier hat eine Kraft, das drückt dich runter.

Ohne Welle wäre ich glaube ich nicht mehr hier in München. Meine Frau surft ja auch und wenn unsere Kinder einmal aufs Board wollen, lernen sie es sicher auch hier.

Polizei hatte uns vor der „Legalisierung“ der Welle verfolgt. Das Surfen auf dem Eisbach war ja bis 2010 verboten. Wenn die Streifenwagen kamen, haben wir die Bretter versteckt.

Quirin heiße ich, weil es den Ort St. Quirin am Tegernsee gibt. Der Ort hat meinen Eltern so gut gefallen und ich habe den Namen bekommen.

Retter war ich einige Male an der Isar. Von der Reichenbachbrücke sind früher viele Leute mit einem Sprung in die Isar, kamen danach aber nicht mehr ans Ufer. Wir Surfer hatten Markierungen, wussten, wo wir abspringen konnten – ohne falsch aufzuschlagen.

Ein Brett kostet schon mal 700 Euro

Sexsymbol – das ist nicht der richtige Begriff. So sieht sich keiner der Surfer. Die heutigen Profis arbeiten eher wie militante Hochleistungssportler, etwa Kelly Slater. Da rührt kaum einer mehr ein Bier an.

Technik im Aufbau hat heute auch die Boards erreicht. Sie haben Carbonkomponenten, kosten 700 Euro. Aber der Eisbach mit seinen Steinen schrottet auch ein teures Brett.

Ueberlaufen ist die Welle heute immer. Nachts, tags, an 365 Tagen im Jahr. Einige meiner Bekannten haben deshalb mit dem Surfen aufgehört. Der Bauzaun zur Zeit verhindert, dass zu viele von der Brücke schauen.

Verletzungen hatte ich viele: Beinbrüche vor allem. Auch kein Helm schützt vor Verletzungen im Gesicht durch die Finnen am Brett oder die Steine im Wasser.

Wer sollte surfen? Jeder der die sportliche Herausforderung mag, gerne Salz- oder Süßwasser schluckt, und sich von der Wasserkraft prügeln lässt.

Xtreme gibt es überall, auch in der Surferszene. Andy Irons, Weltmeister-Legende aus Hawaii, starb mit 32 am Herzinfarkt wegen Drogenmissbrauch.

Youtube: Da gibt es viele Filme von Surfern auf der Eisbachwelle zu sehen. Früher haben die Surfer genau kontrolliert, ob und wofür fotografiert oder gefilmt wurde. Die Flut an Smartphones und Digicams bringt eine Flut an Bildmaterial.

Zufall hat mich zum Surfen gebracht – mein Bruder und ich waren Ende der 80er-Jahre im Frankreich-Urlaub von Surfern im Meer fasziniert und haben es auch ausprobiert. Wir hatten die Isar und den Eisbach, um zu üben bis es wieder ans Meer zum Surfen ging.

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