Vom Student zum Professor

Florian Gallenberger: „Mach die Filme, die du aus tiefstem Herzen machen möchtest“

+
Der Regisseur Florian Gallenberger schlug mit seinem 30-Minüter „Quiero Ser“ gleich zweimal zu – 2001 in der Kategorie „Bester Kurzfilm“, im Jahr zuvor überzeugte Gallenberger die Jury beim Studenten-Oscar.

Legendär: Die Oscars stehen an – und auch in diesem Jahr dürfen wieder deutsche Talente auf die begehrten Preise hoffen. Für Florian Gallenberger war die goldene Statue damals ein Karrieresprungbrett

Mit „Quiero ser“, dem Abschlussfilm seines Studiums an der HFF, hat Regisseur Florian Gallenberger gleich zwei Oscars geholt: 2000 gewann er den Studentenoscar, ein Jahr später den Oscar für den besten Kurzfilm (Foto: dpa/Frank Leonhardt). In Hallo spricht er über den Filmpreis, seine jetzige Lehrtätigkeit an der HFF und aktuelle Projekte. von Sebastian Obermeir

Herr Gallenberger, wie hat der Oscar Ihr Leben beziehungsweise Ihre Arbeit verändert?
Durch den Oscar wurde ich über Nacht von einem Filmhochschulabsolventen zu einem gefragten Filmemacher. Ich hätte all die Filme, die ich danach gemacht habe und die natürlich ein wenig ungewöhnlich waren, weil sie oft in fremden Kulturen spielten, ohne den Oscar im Rücken nicht machen können. Auch hätten Schauspieler wie Steve Buscemi oder Emma Watson ohne den Oscar sicherlich die Rollen nicht in Betracht gezogen.

Inwiefern hat die Ausbildung an der Hochschule für Fernsehen und Film München Ihr Schaffen geprägt?
Ich hatte so gut wie keine Vorerfahrung, als ich mit dem Studium an der HFF begann und kann von daher sagen, dass die HFF für mich nicht nur ein Sprungbrett war, sondern dass ich mein ganzes Handwerk dort gelernt habe. Ohne die HFF hätte es meine Karriere überhaupt nicht gegeben.

Heute sind Sie dort Honorarprofessor. Was ist der wichtigste Tipp, den Sie Studenten mitgeben?
Verstelle dich nicht, um dem Markt oder irgendjemandem sonst zu gefallen, sondern mache die Filme, die du aus tiefstem Herzen heraus machen möchtest.

Welcher Film ist Ihr Oscar-Favorit?
Das ist in diesem Jahr schwierig, denn es gibt einige Filme, die mich total ergriffen haben. Da ist zum einen „Roma“. Ich habe natürlich wegen meines Oscar-Films „Quiero Ser“ eine enge Bindung an Mexiko und so hat mich der Film ganz tief angesprochen. Mir hat aber auch „Green Book“ sehr gefallen und dann drücke ich natürlich auch Florian Henckel von Donnersmarck die Daumen.

Inwiefern unterscheidet sich Ihr aktueller Film „Grüner wird’s nicht...“ von Ihren anderen und welche Aspekte haben sie gemein?
„Grüner wird’s nicht“ könnte man durchaus als Feel-Good-Movie bezeichnen. Ein Film, der einen glücklich und erfüllt zurücklässt, wohingegen die Zuschauer bei „Colonia Dignidad“ oder „John Rabe“ sicherlich einiges nach dem Film zu verdauen hatten. Denn die Sujets waren schon sehr bedrückend. Aber es war eine sehr schöne Erfahrung, einen leichteren und beglückenden Film zu machen. Das verbindende an den Filmen ist vielleicht die Hingabe, mit der sie gemacht sind. Die war bei allen Filmen gleich groß. Man lebt dann für eine gewisse Zeit nur noch für den Film und das ist auch das Wunderbare an dieser Arbeit.

Weitere Artikel zum Thema

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Manfred von Papen: Muss der Kult-Cartoonist Haidhausen verlassen?
Manfred von Papen: Muss der Kult-Cartoonist Haidhausen verlassen?
Sabine Schulz-Hammerl: „Ich kann versichern: Grün-, Weiß- und Braunglas werden getrennt“
Sabine Schulz-Hammerl: „Ich kann versichern: Grün-, Weiß- und Braunglas werden getrennt“
Mit neuer Veranstaltungsreihe: Sie kämpfen für mehr Frauen-Power
Mit neuer Veranstaltungsreihe: Sie kämpfen für mehr Frauen-Power

Kommentare