Dieter Bohlen im Gespräch mit Hallo München

Dieter Bohlen: „Wie ein Bekloppter haue ich ins Handy“

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„Wenn du früher eine Nummer 1 hattest, hast du eine Million Platten verkauft. Das werden die jungen Komponisten und Künstler leider nicht mehr erleben.“

Auch ein Pop-Titan muss im 21. Jahrhundert digitale Saltos schlagen – zum Beispiel auf Sozialen Netzwerken wie Instagram. Wie ihm das gelingt und wie er sein Comeback feiert, erklärt er im Interview.

Vor kurzem hat er Instagram für sich entdeckt. Und wie so vieles, das der Pop-Titan anfasst, wird es zu Gold: Über eine Million Menschen folgen ihm auf dem Sozialen Netzwerk mittlerweile. Der Modern-Talking-Star liebt es, seine Fans direkt zu unterhalten – denn seinen Kritikern kann er es sowieso nicht recht machen. Will er auch nicht. von Sebastian Obermeir

Herr Bohlen, klappt der Salto schon? Auf Ihrer Instagram-Seite hat man Sie zuletzt üben sehen.
Noch nicht. Ich hab mich da ja gleich, ich will nicht sagen verletzt, aber diese Sprünge: höchst gefährlich! Du ballerst mit dem Kopf auf, du knickst um. Mir schrieben auch gleich Tausende in den Kommentaren, dass man aufpassen muss.

Sie lesen und beantworten alle Kommentare selbst?
Im Flieger, im Taxi, überall nutze ich die Zeit für den Account. Meine Frau Carina meint, ich wäre bekloppt, wenn ich den Text so rein hämmere. Ich hatte auch schon Fehler drinnen, seid statt seit und alles so peinliche Sachen. Die Leute fragen mich auch immer, warum ich „nict“ statt „nicht“ schreibe.

Und?
Ich tippe mit zwei Fingern, da haue ich bei manchen Buchstaben daneben. Mein Handy schlägt „nict“ schon als richtig vor. Es ist aber Besserung angesagt: Ich kriege ein größeres Handy.

Auf der Deutschland-Tour im Gepäck: Musik, Sprüche und Humor

Die sozialen Medien sind auch mitverantwortlich für Ihr Bühnen-Comeback (Hallo verlost Tickets). Die ersten Deutschland-Konzerte seit 16 Jahren stehen an.
Ich gab Konzerte in Moskau, in Südamerika, in Lettland, überall. Meine Follower haben dann gesagt: „Warum spielst du nie in Deutschland? Spiel doch mal für uns.“

Worauf dürfen sich die Fans denn freuen?
Ich sage meinen Kandidaten immer: Ihr müsst alles in die Waagschale schmeißen. Da gehören bei mir Sprüche, Quatsch machen wie auf Instagram mit Dieters Tagesschau und natürlich Lieder dazu.

Von Modern Talking bis zu DSDS?
Alle Titel werden in einem neuen Gewand gespielt (Hallo verlost Tickets). Dieter Bohlens Neunte kommt auch: „You’re my heart, you’re my Soul“. Ich möchte jeden Song besser und geiler machen und auch so Entwicklungen zeigen. 1985 wurde „Cheri Cheri Lady“ als Trash bezeichnet. 35 Jahre später kommt Capital Bra, singt die gleiche Nummer und geht auf 1. Die Kinder feiern das, aus jedem Cabrio hörst du es!

Was müsste passieren, dass Sie Thomas Anders für die Konzerte ins Boot holen?
Das wird niemals passieren. Ich respektiere Thomas total mit dem, was er macht. Musikalisch war es eine tolle Symbiose. Er kam ins Studio, hat toll gesungen, war manchmal nach zehn Minuten raus und ich konnte mich an meine Arbeit machen. Und er war wichtig dafür. Aber wir haben uns privat einfach nicht verstanden.

Wie ist Ihre Beziehung zu München?
Einer unserer ersten Auftritte mit Modern Talking war in München. Im Publikum Thomas Gottschalk mit Thea. Die standen da und haben uns angehimmelt. Ich glaube: Sie mehr als er.

„Damals war der Stellenwert von Musik viel größer“

Wie hat sich die Musik-Industrie seit den ersten Auftritten verändert?
Wenn du eine Nummer 1 hattest, hast du eine Million Platten verkauft. Das werden die jungen Komponisten und Künstler leider nicht mehr erleben. Damals war der Stellenwert von Musik viel größer.

An Ihren Liedern haben Kritiker trotz des Erfolgs oft kein gutes Haar gelassen.
Einer der Gründe meines Erfolges ist, glaube ich, dass 50 Prozent gegen mich und 50 Prozent für mich waren. Wenn ich an meine Wände gucke und da hängen über 1000 Goldene Schallplatten, ich bin der einzige in Deutschland, der 22 Nummer-Einsen hatte, dann reicht mir das. Ich werde es niemals schaffen, dass alle sagen: Du bist geil.

Zur Person

Pop-Titan, der Gott im Casting Himmel, Casting-King, DSDS-Chef – Dieter Bohlen trägt viele Beinamen. Eingebracht haben sie ihm seine 120 Millionen verkauften Tonträger – allein „You’re My Heart, You’re My Soul“ verkaufte sich sechs Millionen Mal –, die Lieder, die er für Größen wie Andrea Berg oder Beatrice Egli geschrieben hat, zwölf Jahre als Juror bei „Das Supertalent“ und glatte 16 Jahre bei „Deutschland sucht den Superstar“. 

Auf Blitzlichtgewitter und Promi-Lifestyle hat Bohlen aber trotz allen Erfolgs keine Lust: „Wenn ich die Wahl habe, auf einem Roten Teppich das Gewebe abzuschuppern, oder bei meiner Familie zu sein – dann gibt mir das viel mehr, meinen Kindern Gute Nacht sagen zu können. An erster Stelle kommt die Familie, dann lange nichts“, erklärt er im Interview. 

Seit 2006 ist er mit Carina Walz liiert, mit der er eine Tochter und einen Sohn hat. Die Familie lebt in einem kleinen Dorf südlich von Hamburg: Tötensen.

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