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Rainer Heckler ist neuer Leiter der Diensthundestaffel in München – im Team mit Detective Lennox

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Von: Benedikt Strobach

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Rainer Heckler, der neue Chef der Polizeihundestaffel, geht regelmäßig mit seinem Partner Lennox in den Einsatz.
Rainer Heckler, der neue Chef der Polizeihundestaffel, geht regelmäßig mit seinem Partner Lennox in den Einsatz. © Benedikt Strobach

Rainer Heckler ist der neue Chef der Münchner Polizeihundestaffel. Mit Hallo redet er über seinen tierischen Partner Lennox und das Leben eines Polizeihundes.

MÜNCHEN Es dauert etwa drei Sekunden, bis Rüde Lennox den versteckten Stift hinter einem Busch findet. Lennox ist Polizeihund bei der Diensthundestaffel in Allach – und Partner des neuen Leiters Rainer Heckler. Der 51-Jährige hat seit Anfang September das Sagen in Bayerns größter Hundestaffel. Die Polizei-Spürnasen leisten vor allem bei der Verbrecher-, Waffen- oder Substanzensuche einen wichtigen Dienst. Wie er seinen Hund auf Einsätze vorbereitet, welche Voraussetzungen die Tiere für den Dienst erfüllen müssen und warum der vierbeinige Partner in der Regel ein Freund fürs Leben bleibt, verrät Heckler von A bis Z.

Rainer Heckler (51), Leiter der Polizei-Diensthundestaffel, von A bis Z

Angerlohe: Unser Gelände an der Angerlohstraße misst etwa 3000 Quadratmeter. Es ist sehr idyllisch hier. Manche rechnen nicht damit, dass hier eine Dienststelle ist.

Berufung: Ich bin seit 1988 bei der Polizei, seit 2005 bei der Diensthundestaffel. Damals bin ich wegen meines privaten Schäferhundes zur Staffel gegangen.

Charme: Natürlich sind Hunde süß und gerade Kinder wollen sie streicheln. Aber es gilt wie bei allen Tieren: erst fragen! Einen Polizeihund im Einsatz darf man nicht streicheln. Ein Kind wollte einmal auf meinen Hund in einer Menschenmenge zurennen. Ich konnte ihn damals gerade noch wegziehen.

Dackel gibt es bei uns keine. In der Hundestaffel sind etwa 90 Prozent Belgische Schäferhunde. Sonst haben wir auch Deutsche Schäferhunde und zwei Bayerische Gebirgsschweißhunde. Wobei, ein Kollege hat privat einen Dackel.

Einsatzzeiten können unterschiedlich sein. Unser Schwerpunkt liegt unter anderem auf der Rauschgiftsuche. Ein Auto zu prüfen kann in zehn Minuten, ein Einfamilienhaus in einer Stunde vorbei sein. Mit Chicco, meinem ersten Partner, habe ich mit Kollegen eine Kfz-Werkstatt einen Tag lang nach Waffen abgesucht.

Familienhund: Im privaten Bereich muss man mit Polizeihunden etwas vorsichtig sein. Ihre Energie ist auch hier vorhanden. Lennox ist zwar sehr entspannt, aber auch ihm kann es bei Feiern zu viel werden. Er zieht sich dann aber zurück.

Gesäß: Dieses ist – anders als in Comics bekannt – nicht der Ort, wo Hunde am liebsten beißen. Sie reagieren auf Bewegung und schnappen sich das Körperteil, das sie am ehesten kriegen können, etwa Arm oder Bein. Als Ausbilder wird man ab und an versehentlich auch selbst gebissen.

Hundekotbeutel sind eines der wichtigsten Einsatzmittel, die wir dabei haben müssen. Warum das so ist, muss ich wohl nicht weiter ausführen.

Irritierend: Auch Polizeihunde haben Angst in gewissen Situationen. Anfangs sind die Tiere beim Ton von Schusswaffen oder bei Menschenmengen wie bei Fußballspielen nervös. Wir versuchen, sie an das Umfeld zu gewöhnen, etwa durch den Einsatz von Schreckschusspistolen.

Jagd: Es ist situationsbedingt, wie lange Hunde suchen können. Auf einem staubigen, heißen Dachboden brauchen sie nach 15 Minuten eine Pause. Bei Regen im Wald können sie 30 bis 45 Minuten suchen.

Kommandos: Wir kommunizieren mit unseren Hunden über Befehle und Zeichen. Tatsächlich fällt es ihnen leichter, Gesten zu verstehen als Worte. Meist verwenden wir eine Kombination aus beidem.

Lebenszeit: Hund und Polizist bilden auf Lebenszeit ein Team. Lennox und ich arbeiten seit zehn Jahren zusammen. Leider ist „Lebenszeit“ oft auf das Tier bezogen. Mein erster Partner war acht Jahre lang der Deutsche Schäferhund Chicco.

München und der Landkreis sind unser Einsatzgebiet. Wir sind für das gesamte Münchner Polizeipräsidium zuständig. Ausnahmen sind Leichenspür- und Personensuchhunde, die auch überregional eingesetzt werden.

Namen geben wir den Hunden nicht selbst. Wir kaufen sie von Züchtern in „Namensblöcken“, die durch die Nummer des Wurfs der Mutter festgelegt werden. Lennox war in einem D-Wurf. Er heißt eigentlich „Detective Lennox vom Forster Hexenkessel“.

Orden bekommen unsere Hunde keine. Für erfolgreiche Einsätze gibt es aber vom Präsidium auch mal einen „Leckerli“-Beutel.

Pension: In der Regel ist ein Polizeihund mit zehn bis zwölf Jahren zu alt für den Einsatz. Dann geht er in Pension, fast immer bei seinem Partner. Er erhält sogar Rente: 75 Euro, etwa für Verpflegung. Auch die tierärztliche Versorgung wird bei pensionierten Diensthunden gezahlt. Lennox wird nach seiner aktiven Zeit bei mir bleiben. 

Quantität: Unsere Hundedienststaffel ist die größte in Bayern. Insgesamt haben wir 48 Mitarbeiter und 52 Hunde.

Rituale: Wir bereiten Hunde auf verschiedene Einsätze anders vor. Wenn Lennox etwas suchen soll, lege ich ihm ein spezielles Geschirr an. Das stellt ihn auf den Einsatz ein, weil er etwas damit verbindet. Dann sage ich ihm „Platz“ und anschließend „verloren“. Dann fängt er an zu suchen.

Spürnase: Der Geruchssinn eines Hundes ist für ihn wichtiger als alles andere. Damit kann er versteckte Personen in Lagerhallen, Rauschmittel, Sprengstoff und digitale Speichergeräte finden. Die Hunde haben den weitaus besten Riecher.

Training: Die Ausbildung zum Polizeihund dauert zwei Jahre. Sie findet hier und in der Zentralen Diensthundeschule der Bayerischen Polizei in Herzogau statt.

Ungeeignet: Polizeihunde müssen viele Eigenschaften erfüllen: Sie müssen verspielt, selbstbewusst, kämpferisch und schnell sein. Bei meinem Hund vor Chicco hat man nach einem Dreivierteljahr bemerkt, dass er einige Voraussetzungen nicht erfüllt. In solchen Fällen geben wir sie an die Züchter zurück. Das kommt bei etwa zehn Prozent der Ankäufe vor.

Verspielt: Unsere Hunde strotzen nur so vor Energie, brauchen Beschäftigung. Sie sind auch im höheren Alter noch sehr verspielt. Das ist für ihren „Job“ ein wichtiges Kriterium.

Weibchen gibt es bei uns weniger als Rüden. Das ist aber keine Präferenz. Wir kaufen die Hunde nach Leistungsfähigkeit. Die Männchen kommen besser mit den Hündinnen als untereinander klar.

Xtremsituation: Einen meiner spannendsten Einsätze hatte ich mit Chicco. Weil er Sprengstoff-Suchhund war, musste er einen verdächtigen Koffer am Marienplatz inspizieren. Da schlägt einem als Partner schon das Herz schneller.

Yam Yam: Nach erfolgreichen Einsätzen kriegt Lennox ein „Leckerli“. Er liebt getrocknete Leber. Ich selbst erlaube mir danach Tintenfisch. Was Lennox aber am meisten mag, ist sein Kauspielzeug.

Zucht: Wir kaufen unsere Hunde bei Züchtern in Deutschland und Österreich. Teils kommen sie aus Tierheimen. Neue Kollegen erhalten ihre Hunde im Alter von einem Jahr. Erfahrene Polizisten nehmen auch Welpen.

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