Münchens frischgekürte OB-Kandidatin im Gespräch mit Hallo München

Katrin Habenschaden: „Ich bin ein anderer Typ als Katha Schulze“

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Ihre Pausen vom Rathaus verbringt Katrin Habenschaden gerne im Hofgarten.

Bekommt die Münchner Lokalpolitik ein neues Gesicht? Katrin Habenschaden will den amtierenden OB Dieter Reiter vom Rathaus-Thron stoßen. Im Hallo-Interview verrät sie, wie sie das anstellen möchte.

Sie ist blond, Münchnerin und geht als Grünen-Spitzenkandidatin in einen Wahlkampf – doch Katrin Habenschaden (41) ist noch nicht so bekannt wie ihre Parteikollegin im Landtag. Wie sie das ändern will, was Sie als Oberbürgermeisterin anpacken würde und wieso auch Autofahrer von der Verkehrswende profitieren, erklärt sie im Interview. von MAREN KOWITZ

Frau Habenschaden, wollen wir uns jetzt erst einmal einen Coffee to go im Pappbecher holen?
Ich würde mich lieber hinsetzen und den Kaffee im Café trinken. Tatsächlich mag ich nicht so gerne im Gehen trinken oder essen. Ich habe aber natürlich einen wiederverwendbaren Coffee-to-go-Becher für Zugfahrten und Ähnliches. Ich bin schon sehr müllbewusst.

Wo sind Sie noch „grün“?
Beim Baumschutz. Wir verlieren pro Jahr über 2000 Bäume in dieser Stadt. Das ist fatal fürs Stadtklima. Im Sommer 2018 war der Temperaturunterschied von der Innenstadt, wo es wenig Bäume gibt, zum Stadtrand bis zu fünf Grad. Wir gehen viel zu nachlässig mit Baumfällungen um. Häufig werden Bäume gefällt, weil es eine Baustelle einfacher und billiger macht.

Umweltbewusst zu leben ist oft teurer. Haben Sie Verständnis, dass sich das in München nicht jeder leisten kann?
Gerade im Klimaschutz werden wir es uns nicht mehr leisten können, so weiter zu machen wie bisher. Wir sind die letzte Generation, die aktiv gegen Klimaerwärmung gegensteuern kann. Und die hat gesundheitliche, aber auch wirtschaftliche Auswirkungen.

Sind Sie was Geld angeht, eine realistische oder idealistische Grüne?
Ich bin Betriebswirtin und Bankkauffrau. Ich habe mich als Haushaltspolitikerin der Fraktion schon immer damit beschäftigt, wie viele Mittel vorhanden sind und wofür wir sie einsetzen. Man sollte Geld bei unsinnigen Verkehrsinfrastrukturprojekten, wie der Untertunnelung des Mittleren Rings, sparen und es lieber in soziale Infrastruktur stecken oder in viele ÖPNV-Projekte.

Die CSU wirft den Grünen immer gerne vor, in ihren 23 Jahren in der Regierung keine U-Bahn gebaut zu haben...
Hätten wir den Einwohnerzuwachs prognostizieren können, wäre früher etwas passiert. Münchens Einwohnerzahl hat lange Zeit stagniert. Und unsere Haushaltslage war nicht immer so wie jetzt. Aber man hätte früher dran sein müssen. Leider waren die Grünen im rot-grünen Bündnis immer in der Minderheit.

„Ich möchte den Verkehrsraum gerechter neu aufteilen“

Was sind die wichtigen ÖPNV-Projekte, die Sie jetzt vorantreiben wollen?
Wir wollen kurzfristige Lösungen, wie mehr Busspuren, die Tram-Nordtangente und die Westtangente. Der Münchner Westen zum Beispiel ist schlecht erschlossen. Deswegen braucht es ja auch die Verlängerung der U-Bahn nach Pasing und langfristig nach Freiham. Das hilft auch bei der Akzeptanz durch die Anwohner, die sich am meisten vor dem Verkehr fürchten.

Die Anwohner fürchten auch die Nachverdichtung und dass auf der Nachbarwiese gebaut wird. Wohnungsnot gegen Grünflächenerhalt – wo positionieren Sie sich da?
Da gibt es keine Radikallösung. Wir schauen erst einmal dahin, wo bereits versiegelt ist. Die Stadtrat-Grünen haben eine große Studie in Auftrag gegeben, die gezeigt hat, dass viele Stellen der Stadt nur einstöckig oder mit großen Parkplätzen bebaut sind. Diese Flächen muss man besser nutzen und darüber Wohnungen bauen. Lieber erhalte ich eine Wiese und baue zwei Stockwerke höher.

Sie wurden beim Nockherberg als die bezeichnet, „die keiner kennt“. Sie kandidieren gegen einen amtierenden Oberbürgermeister und eine medial sehr präsente Kommunalreferentin. Sehen Sie das als Nachteil?
Ich habe als Fraktionsvorsitzende der Grünen die Möglichkeit, politisch stark aufzutreten. Und wir haben den Vorteil, in allen Bündnissen stark vertreten zu sein, zum Beispiel jetzt beim Radentscheid. Aber klar, an der Bekanntheit muss ich noch arbeiten.

Befürchten Sie, dass eine polarisierende Persönlichkeit wie Bayerns Grünen-Chefin Katharina Schulze Sie im Kommunalwahlkampf überschattet?
Gar nicht. Wir arbeiten schon seit vielen Jahren gut zusammen. Ich nehme das verstärkend mit und werde natürlich Veranstaltungen mit Katha Schulze machen. Dann können gerne die Unterschiede deutlich werden. Ich weiß, dass ich ein anderer Typ bin und das ist auch gut so.

Wofür stehen Sie?
Ich stehe für eine klare Verkehrswende in der Stadt. Ich möchte den Verkehrsraum gerechter neu aufteilen, so dass alle mehr Platz haben.

Außer die Autofahrer...
In unserer Logik, werden mehr Münchner radeln und den ÖPNV nutzen, wenn man die Bedingungen attraktiver gestaltet. So gibt es weniger Autofahrer. Das heißt, auch die haben letztendlich mehr Platz. Die Straßen würden wieder leerer werden.

Aber dafür müssten viele Parkplätze verschwinden.
Das klassische Auto im innerstädtischen Raum steht über 23 Stunden am Tag nur rum. Es gibt eine unglaublich hohe Zahl an Parkplätzen in der Stadt. Wir sind der Meinung, die müssen nicht oben an der Fläche stehen, gerade weil es in München nur so wenig Fläche gibt. Wir brauchen eine bessere Auslastung der Parkhäuser in der Innenstadt. Da ist noch großes Potenzial.

Zur Person

Katrin Habenschaden wurde im August 1977 geboren und ist in Nürnberg aufgewachsen. 2002 ist sie nach München gezogen, wohnt heute in Aubing mit ihrem Mann, ihrem 13-jährigen Sohn und ihrer zehnjährigen Tochter. 

„Mein Mann hat jetzt eine beruflich zurückgenommenere, familiärere Rolle. Er ist eine Riesenunterstützung und wäre das bestimmt auch in dem Fall, dass ich Oberbürgermeisterin werden würde.“ 

Seit 2014 sitzt sie für die Grünen im Stadtrat, im Mai 2018 wurde sie Fraktionsvorsitzende. Für dieses Amt hat sich die Diplom-Betriebswirtin und Bankkauffrau, die eigentlich in der Sparkasse im Tal arbeitet, für ein Jahr beurlauben lassen.

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