Interview mit Michael Rupp

Bei ihm bleibt nichts auf der Strecke: Der neue Leiter der Bundespolizeiinspektion München im Interview

Michael Rupp ist der neue Leiter der Bundespolizeiinspektion München.
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Michael Rupp ist der neue Leiter der Bundespolizeiinspektion München.
  • Daniela Borsutzky
    VonDaniela Borsutzky
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Michael Rupp ist neuer Leiter der Bundespolizeiinspektion in München. Im Interview mit Hallo München redet er über Corona Disziplin, seine Familie und Bahnhöfe.

Mit etwa 440 Streckenkilometern und mehr als 210 Bahnhöfen hat München das größte S-Bahn-Netz Deutschlands. Für die Sicherheit am Gleis ist auch die Bundespolizei zuständig. Die Münchner Inspektion am Hauptbahnhof hat seit Kurzem einen neuen Leiter: Polizeidirektor Michael Rupp, der hier schon seine Ausbildung gemacht hat.

Der 50-Jährige ist für rund 300 Mitarbeiter verantwortlich, die vor allem dafür sorgen, dass man in München und den Landkreisen sicher reisen kann. Zuletzt arbeitete Rupp fünf Jahre in Potsdam, sein Dienst bei der Bundespolizei führte ihn in der Vergangenheit unter anderem nach Lübeck, Wiesbaden und Berlin. Der gebürtige Oberbayer lebt mit seiner Frau und den drei Töchtern im südlichen Oberallgäu und hat eine Zweitwohnung in Neuhausen. Warum Rupp froh ist, jetzt wieder in München zu arbeiten und wie es um die Bahnhöfe in der Landeshauptstadt steht, lesen Sie hier.

Der neue Leiter der Bundespolizeiinspektion München Michael Rupp im Interview von A bis Z

Auto: Die Zugverbindung von meiner Heimat nach München ist kompliziert, daher fahre ich mit dem Auto zur Arbeit und habe mir eine Zweitwohnung in Neuhausen genommen. In der Stadt nehme ich das Radl.

Blau-weißer Partybus: Ein wichtges Einsatzmittel, das sehr zur Auflockerung der Stimmung bei den Wiesnbesuchern beiträgt. Ich sitze da aber nicht drin, das macht immer dieselbe Besatzung, die das DJ-Pult auch bedienen kann (lacht). 

Corona: Wird uns noch lange beschäftigen, daher ist es wichtig, dass wir uns alle an die Regeln halten. Die Münchner sind da sehr diszipliniert. 

Drogenszene: Die gibt es hier nicht so wie in Berlin oder Hamburg. Nach der WM 2006 wurde die Videoüberwachung am Bahnhof ausgebaut, seitdem ist der Drogenverkauf schwieriger geworden.

Europameisterschaft: Stimmung kam nicht wirklich auf, dafür war es auch sehr friedlich. Für die EM kamen Unterstützungskräfte aus dem ganzen Bundesgebiet nach München. Fußball-Fan bin ich, vom Opa hab ich zur Geburt eine FC-Bayern-Mitgliedschaft bekommen. Vor Ort schaue ich aber lieber Eishockey.

Flughafen: Zum Inspektionsnachbarn haben wir ein gutes Verhältnis, wir unterstützen uns gegenseitig mit Personal und Diensthunden. 

Gleis 26: Unsere operative Dienststelle am Hauptbahnhof wird in Kürze abgerissen, dann geht es in ein Interimsgebäude an die Bayerstraße. Die Verwaltung und der Ermittlungsdienst sitzen in der Denisstraße. Wie wir im Neubau alle zusammenfinden werden, dazu führen wir gerade spannende Gespräche mit Architekten. 

Hauptbahnhof: Von der Gleiszahl ist er der zweitgrößte Bahnhof Europas. Momentan eine einzige Baustelle, jeden Tag ändert sich etwas.

Instagram: Bahnanlagen sind unglaublich gefährlich. Sich dort aufzuhalten, um ein Foto zu machen, ist leichtsinnig und endet oft tödlich. 

Jugendkriminalität: Ich habe den Eindruck, dass sich die Gewaltbereitschaft und Respektlosigkeit bei Jugendlichen über die Jahrzehnte verändert hat. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich es mich in meinen jungen Jahren getraut hätte, gegenüber der Polizei frech zu werden. 

Katakomben: Ich habe die gleichnamige Serie zwar nicht gesehen, aber dass unter dem Hauptbahnhof der Kriegt tobt, ist Fiktion.

Lebhafte Töchter: Ich habe das Glück, drei gesunde Töchter zu haben, die ganz schön wild unterwegs sind, mich beschäftigen und fordern. Die Familie ist sozusagen mein zweiter Einsatzort. 

Münchner Anfänge: Von 1998 bis 2000 war ich während meiner Ausbildung hier und hätte damals nie gedacht, die Inspektion einmal leiten zu dürfen. Von den Großstädten mag ich München am liebsten. In Berlin hab ich mich privat nicht so wohl gefühlt. 

Nationalitäten nennen wir in unseren Presseberichten, wir wollen transparent sein. Wir haben andere Straftatbestände als die Landespolizei. Ein Deutscher kann hier keine illegale Einreise begehen.

Ostbahnhof: Seit es den Kunstpark nicht mehr gibt, ist es wesentlich ruhiger geworden. Aber auch dort haben wir, wie im Zentrum, eine problematische Szene, die sich hält. 

Pasinger Bahnhof: Er ist der drittgrößte Bahnhof Bayerns, was die Zahl der Reisenden betrifft. In Zukunft müssen wir mehr polizeiliche Präsenz zeigen. Die Kriminalität nimmt dort zu, verlagert sich in die Viertel, es kommt zu Ausweichbewegungen. 

Rangierbahnhof: Dort sind wir auch mal mit dem Hubschrauber unterwegs. Aber nicht, um nachts Graffiti-Sprayer zu fangen. In solchen Fällen geht es um Menschenleben, wir müssen ausschließen, dass jemand im Gleis unterwegs ist. Sei es, weil jemand mit Zügen illegal einreist, was inzwischen deutlich weniger geworden ist, oder Güterwägen aufbricht. 

Skifahren: Ich war mal ein ganz guter Langläufer. Mit der Familie bin ich viel in den Bergen unterwegs, fahre gerne Mountainbike oder Motorrad. Und ich habe eine Leidenschaft für alte Vespas. 

Terrorabwehr: Diesbezüglich stimmen wir uns mit anderen Behörden ab und sind gut vorbereitet. In Würzburg hat man gesehen, wie schnell es gehen kann, das muss gar nicht die große Bombe sein.

Unterwegs war ich in meinem Leben schon viel, meine Töchter sind alle in verschiedenen Städten geboren. Unsere Behörde ist ein moderner Arbeitgeber, Familie hat einen großen Stellenwert.

Video (der Bodycam mit dem Knie-Einsatz eines Bundespolizisten): Das ist ein laufendes Verfahren bei der Staatsanwaltschaft, zu dem wir uns nicht äußern. 

Wiesn muss schon sein. Ich hoffe, dass sie 2022 wieder stattfindet. Auch wenn die Belastung für die Bundespolizei sehr hoch ist, aber das ist nun mal unser Job. 

Xylophon: Als Kind hab ich ein bisschen Flöte und Gitarre gespielt. Beim Bundespolizeiorchester mache ich nicht mit, ich hab da nicht so das Talent (lacht). 

Yuppie: Ich war schon zielstrebig, habe aber mit Anfang 20 nicht meine Karriere bis zum Ruhestand durchgeplant. Es hat sich eben so ergeben, das Leben schmiedet schon seinen Weg.

Ziele: Die nächsten Jahre werde ich sicherlich in München bleiben, um mehr bei meiner Familie zu sein. Meine Kinder möchte ich aufwachsen sehen. Ich strebe nicht danach, Polizei-Präsident zu werden. 

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