Musik-Star im Interview

„Man muss sich das Publikum erobern.“ - Peter Kraus im Gespräch mit Hallo München

Stippvisite in München: Zum Hallo-Interview kam Peter Kraus auf die Dachterrasse des Deutschen Museums.
+
Stippvisite in München: Zum Hallo-Interview kam Peter Kraus auf die Dachterrasse des Deutschen Museums.
  • Marie-Julie Hlawica
    VonMarie-Julie Hlawica
    schließen

Seine neue CD heißt „Idole“, dabei ist der weltbekannte Künstler für seine vielen Fans und Kollegen selbst eines. Was den Musiker bis heute begeistert, warum München für ihn voller schöner Erinnerungen ist und ob seine Tournee 2023 nach 66 Bühnenjahren seine letzte sein wird, verrät er im Hallo-Interview.

Herr Kraus, was erwartet Ihre Fans auf der Tournee? 
Es ist ein „Best of“ meiner Hits und Evergreens. Meine neue Platte „Idole“ ist leise. Ich wollte bewusst diesen Bar-Sound, richtige Swing-Musik. Das alles, meine Hits und diese leisen Töne kommen im Konzert gemeinsam auf die Bühne. Vielleicht ziehe ich dazu sogar einen weißen Smoking an.
Auf „Idole“ begleiten Sie bekannte deutsche Künstler. Holen Sie die auf die Bühne? 
Geplant ist es nicht, es sind ja alles Stars, die viel unterwegs sind. Es kann natürlich sein, dass Helge Schneider – wenn er in der Nähe ist – auf die Bühne kommt und Saxophon spielt. 
Haben Sie Ihre ganz persönlichen Idole je getroffen? 
Ich traf Sammy Davis Junior in Monte Carlo. Ich hatte dort ein Konzert von ihm besucht, die Karte kostete 1000 DM, ein weißes Dinnerjacket musste man auch tragen. Er kam in die Bar, in der ich saß. Ich wollte ihn ansprechen, aber ehe es dazu kam, sagte er zu mir: „Do you speak English, man?“ Als ich antwortete, „Yes i do“, sagte er auf Englisch: „Das ist toll, aber ich kann nicht mit dir sprechen, ich bin total zugedröhnt.“ Dann ist er am Tisch eingeschlafen. Das war mein Treffen mit meinem Idol. 
Wer hat Sie noch geprägt?
Ich bin ein Jazz-Fan, habe im Münchner Deutschen Museum fast alle gesehen: Lionel Hampton, Duke Ellington, Ella Fitzgerald, Louis Armstrong. Ich habe mich meine ganze Jugend, vor dem Rock’n’Roll, nur mit dieser Musik beschäftigt. Meine „Idole“-Tournee ist auch ein Dankeschön an diese Größen. 
Sie wurden mit Liedern von Paul Anka und Little Richard über Nacht berühmt.
Ohne die intensive Beschäftigung mit der Jazz-Musik hätte ich meine Über-Nacht-Karriere mit dem Rock’n’Roll nicht verkraftet. Sie müssen sich vorstellen: Ich bin einmal hier in München aufgetreten, war am nächsten Morgen ein Star und sofort auf Tournee mit Max Greger. Und dann noch mit einer Musik, die Jazzer hassten wie die Pest. Da musste ich mich durchsetzen, was draufhaben. Aber: Ich konnte was und hatte Ellbogen. Sonst wäre ich untergegangen.
Man nannte Sie den „deutschen Elvis“.  
Was ich trug, war auf meinem Mist gewachsen. Aber das Image des Rock’n’Rollers war damals nichts, was man unbedingt haben wollte. Die Eltern dieser Generation waren doch sehr dagegen.
Die Zeit von Sex, Drugs & Rock’n’Roll haben viele Ihrer Kollegen nicht überlebt.
Ich war nicht brav, aber ­diszipliniert. Erfolg geht nur mit Disziplin. Ich bin in einer Künstlerfamilie aufgewachsen, habe tanzen gelernt, gesteppt. Ich wollte das Business auskosten, bis 35. Dann wollte ich ein begnadeter Filmregisseur sein. Ich konnte damals nicht wissen, dass ich mit 83 auf der Bühne stehe und mich freue, dass ich heute den Rock’n’Roll singe, den ich damals gar nicht singen durfte, weil er zu wild war.
Freut Sie, dass Ihre Fans seit Jahrzehnten treu sind?
Ja sicher, das ist mein Publikum! Es sind aber heute auch viele junge Leute dabei, die einfach die 50er-Jahre mögen. Diese Zeit wiederholt sich, im Film, Design und der Musik.
Sie sind auch ein Showman.
Das war learning by doing. Ich bin getingelt, war in Bierzelten, da lernt man am meisten, da lernt man den Blick für die Zuschauer. Man spürt als Künstler, wo ­habe ich das Publikum gepackt, oder wo ist noch ein Teil, der sich nicht dafür interessiert. Bei Galas kommen die Leute nicht wegen dir. Im Publikum flirtet einer und dann kommt einer, der singt – da müssen Sie sich das Publikum erobern. Da hilft keine Choreografie. 
Welche Musik hört ein Peter Kraus privat?
Swing und Jazz! Ich bin in Wien mit Liedern von Georg Kreisler aufgewachsen. Die singe ich manchmal für mich.
Beginnt Ihr Tag mit Musik?
Nein, ich höre Musik nur bewusst, nie nebenbei, etwa wenn ich telefoniere. Ich kann mich nicht unterhalten, wenn Musik im Hintergrund läuft. Ich kann mich nur auf eine Sache konzentrieren, denke sonst automatisch „Was spielt der Bass?“ Erst gestern war ich mit meinem Sohn im Restaurant und bat, die Musik runterzudrehen.
Diese Tour ab Februar ist Ihre fünfte – nach der offiziellen Abschiedstournee. Wirklich Ihre letzte? 
Wahrscheinlich…Schon (lacht).

Zur Person

Im März 1939 als Sohn eines Sängers, Schauspielers, Produzenten und Regisseurs in München geboren und dort – sowie in Wien – groß geworden, lebt Peter Kraus heute mit seiner Frau Ingrid fernab der Großstadt am Luganer See und in der Steiermark. 1956 wurde Krausnecker – sein bürgerlicher Name – in München von einem Schallplattenproduzenten entdeckt und als deutscher Rock’n’Roll-Sänger aufgebaut. Mit der Single „Tutti Frutti“, als deutsches Cover des US-Originals von Little Richard, und mit Kraus’ Version „Diana“ von Paul Anka wurde der junge Musiker über Nacht als deutscher Interpret weltberühmt. Seither begeistert er seine Fans auf der Bühne. Für sein aktuelles Projekt „Idole“ hat sich der bekennende Jazz-Liebhaber Till Brönner, Annett Louisan, Helge Schneider und Götz Alsmann an die Seite geholt. Seine kommende Tournee spiegelt die Erfolge seiner Karriere wieder. 

Gewinnen Sie Karten für das Konzert von Peter Kraus in München.

Mit dem Hallo München-Newsletter täglich zum Feierabend über die wichtigsten Geschichten aus der Isar-Metropole informiert.

Meistgelesen

Der Krampus - Traditionell böse und des Heiligen knurriger Kumpel
INTERVIEWS
Der Krampus - Traditionell böse und des Heiligen knurriger Kumpel
Der Krampus - Traditionell böse und des Heiligen knurriger Kumpel
Expertin über Münchner Tatorte & deren Faszination
Interviews
Expertin über Münchner Tatorte & deren Faszination
Expertin über Münchner Tatorte & deren Faszination
Neue Moderatorin der „Sternstunden-Gala“: Sandra Rieß im Hallo-Interview
INTERVIEWS
Neue Moderatorin der „Sternstunden-Gala“: Sandra Rieß im Hallo-Interview
Neue Moderatorin der „Sternstunden-Gala“: Sandra Rieß im Hallo-Interview
Werner Schmidbauer über die Sehnsucht nach Süden: „Jeder trägt sie in sich“
INTERVIEWS
Werner Schmidbauer über die Sehnsucht nach Süden: „Jeder trägt sie in sich“
Werner Schmidbauer über die Sehnsucht nach Süden: „Jeder trägt sie in sich“

Kommentare