Ein Leben unter Wasser

40 Jahre in der Tiefe: Münchner Taucher Achim Schlöffel über Tote in der Isar und Nazi Funde 

Extrem-Taucher Achim Schlöffel erzählt im Hallo-Interview von seinen abenteuerlichen Tauchgängen.
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Extrem-Taucher Achim Schlöffel erzählt im Hallo-Interview von seinen abenteuerlichen Tauchgängen.
  • Daniela Borsutzky
    VonDaniela Borsutzky
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Achim Schlöffel aus München ist seit 40 Jahren begeisterter Taucher und hat sein Hobby zum Beruf gemacht. In Hallo erzählt er von seinen aufregenden Tauchgängen und über sein Buch „Der Tod taucht mit“.

Als Siebenjähriger wurde Achim Schlöffel im Kreta-Urlaub von einem Ex-Marine versehentlich von dessen Motorboot angefahren – als Entschuldigung musste der Grieche dem jungen Münchner das Tauchen beibringen. Die Faszination hat Schlöffel seitdem nicht losgelassen, er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und heute mehr als 10 000 Tauchgänge hinter sich.

2008 gründete er seinen eigenen Verband „InnerSpace Explorers“ und sagt heute mit Stolz: „Ich habe noch keinen von mir ausgebildeten Taucher verloren.“ Als erster Mensch hat er 2012 allein den Ärmelkanal – eine der meist befahrenden Schifffahrtsstraße der Welt – durchtaucht. „Ich wollte nur mir selbst etwas beweisen. Und es war ein bisschen der Abschluss meiner exzessiven Jahre“, so der 49-Jährige.

Mit seiner Frau, den achtjährigen Zwillingen und drei Schlangen lebt Schlöffel in Waldperlach, in Holzkirchen restauriert er außerdem Boote. Jetzt ist sein Buch „Der Tod taucht mit“ (Edel Books) erschienen, in dem er von seinen Abenteuern erzählt – einen persönlichen Einblick gibt er außerdem in Hallo von A bis Z. Ein weiteres Buch ist übrigens schon in Arbeit.

Über 10.000 Tauchgänge hat der Münchner Achim Schlöffel hinter sich.

Extrem-Taucher Achim Schlöffel (49) über seine Abenteuer von A bis Z

Ärmelkanal: Ihn zu durchtauchen war ein Kindheitstraum. Sieben Stunden hat es gedauert plus drei Stunden Dekompression. Aber ich habe das nicht gemacht um einen Rekord aufzustellen, sondern nur für mich. Von Vergleichen halte ich nichts. 

Beton: Mit Mitte 20 habe ich einen Stein aus einem Betonkessel befreit, der sich verkeilt hatte. Nur mit rudimentärer Ausrüstung und ohne Sicherungsleine tauchte ich durch die zähe Masse, die auszuhärten drohte – dumm. Wenn man jung ist, hat man das Gefühl, unsterblich zu sein.

China Öl unter der Nase, half nicht viel bei dem Gestank der toten Kuh, die sich in einem Wasserwerk verfangen hatte. Ich musste mit einer Druckluftsäge ran.  

Detektor: Ein Abzeichen erzählt mehr als eine Goldmünze. Wer auf Reichtum hofft, sollte lieber Lotto spielen als auf Schatzsuche zu gehen.

Emma: Als Kind bekam ich ein Ei einer Tigerpython geschenkt und habe es in einer Zigarrenkiste ausgebrütet. Meine geliebte Emma wurde fast 30 Jahre alt.

Finsternis ist mit so vielen Ängsten behaftet, dabei tut sie doch per se gar nichts. Man muss zwischen rationalen und irrationalen Ängsten unterscheiden. 

Grenzen sind dazu da, um ausgelotet und überschritten zu werden. Meine Söhne machen das jeden Tag (lacht). 

Achim Schlöffel in einer Unterwasser-Höhle.

Haie sind mit die schönsten Tiere die ich kenne und komplett missverstanden. Wütend macht es mich, wenn manche Kulturkreise meinen, den Tieren die Flossen abschneiden zu müssen, damit sie ihre Potenz erhöhen.

Isar: Als Taucher ist sie total uninteressant, viel zu flach und schnell. Rein musste ich leider öfter, um Menschen zu bergen. Tragische Schicksale, auf die ich pietätshalber nicht weiter eingehen möchte.

James Bond: Ich wurde ein paar Jahre lang von Yachtbesitzern und Superreichen engagiert, um die Sicherheitssysteme ihrer schwimmenden Paläste zu testen. Ich kam fast immer unbemerkt rein – gescheitert und verhaftet worden bin ich aber auch. Die Geschichten gibt es in meinem nächsten Buch.

Kälte ist mein größter Feind und es wird immer schlimmer. Ich habe schon zu viel gefroren in meinem Leben. Auch wegen schlechter Ausrüstung in den Anfängen. 

Lebensmittelallergien habe ich viele. Ich ernähre mich hauptsächlich von Nudeln mit Butter. Fisch, Feierabendbier, Schokoeis – leider alles Tabu. Beim Reisen ist das manchmal echt nervig.

Muscheln oder Korallen mitnehmen – früher war das ganz normal. Leider gibt es diese Unsitte heutzutage immer noch viel zu oft. 

Nazi-Funde: Die braune Vergangenheit ist unter Wasser noch sehr präsent. 

Ökosystem: Sehr erschreckend, wie sich manche Tauchplätze über 40 Jahre verändert haben. Unter Wasser bekommen wir den Spiegel vorgehalten. 

Durch viele Wracks ist Achim Schlöffel (49) schon getaucht.

Panik ist eine Instinktreaktion, die unter Wasser tödlich enden kann. Wir sind keine Fische. Man bekommt sie in den Griff, indem man sich mit Angst auseinandersetzt.

Qelltöpfe: Es gibt heute nur noch wenige Orte, wo bisher kein Mensch war. Höhlentauchen ist eine Möglichkeit – und mit die größte Herausforderung des Unterwassersports.

Rauchen und tauchen passt nicht zusammen. Ein befreundeter Arzt hat es in meinem Kurs nach 20 Jahren dem Sport zuliebe endlich aufgegeben. Ich sehe mir jeden Teilnehmer erst mal persönlich an – und lehne auch immer wieder welche ab.

Schnorcheln: Ein toller Einstieg in die Unterwasserwelt. Kann – im Gegensatz zum Tauchen – auch wirklich fast jeder.

Tiefe: Meine Söhne tauchen beide schon mit Gerät – sind aber noch nicht auf fünf Meter runter gekommen. Was Tiefe angeht, bin ich da sehr restriktiv. 

Unbeliebt macht man sich, wenn man die Wahrheit sagt. Das habe ich oft.

Vater: Meine Söhne sind das größte Glück meines Lebens. Dass die Familie mir alles bedeutet, war früher nicht so. Ich bin drei mal geschieden, mit mir ist es nicht einfach.

Walchensee: Ich rege mich immer wieder auf, wenn ich in der Presse lese, dass die dortige Steilwand wieder Tote gefordert hat. Die Umgebung ist nicht schuld, die Ausrüstung auch nicht. Der Taucher ist selbst verantwortlich. 

X-mal bin ich schon abgetaucht und habe trotzdem jedes mal ein Hochgefühl. 

Yoga: Eine vernünftige Atemtechnik ist wichtig. Meine Frau dachte, sie schafft es nur 30 Sekunden lang die Luft anzuhalten. Nach einem Seminar schafft sie inzwischen mehr als drei Minuten. Sowas beruhigt. Vom Apnoetauchen halte ich persönlich aber nichts, das ist mir zu vergleichend und zu wenig Natur.

Zeitreisen: Wracks sind meine wahre Leidenschaft. Sie sind Zeitkapseln. Der Moment, in dem das Schiff untergegangen ist, wurde eingefroren. Man erlebt extrem emotionale Momente. 

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