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Oktoberfest, Dult & Christkindlmarkt: Bauhof-Chef Günther Kaiser hat alles im Blick

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Von: Marie-Julie Hlawica

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Der Leiter des städtischen Bauhofs, Günther Kaiser, ist für den Auf- und Abbau der Wiesn, Dult und des Christkindlmarkts am Marienplatz verantwortlich.
Der Leiter des städtischen Bauhofs, Günther Kaiser, ist für den Auf- und Abbau der Wiesn, Dult und des Christkindlmarkts am Marienplatz verantwortlich. © Marie-Julie Hlawica

Günther Kaiser ist verantwortlich für den Auf- und Abbau der Wiesn und des Christkindlmarkts am Marienplatz. In Interview redet er über seine Anfänge und die verschiedenen Feste.

Ob die Standl auf der Dult, die Zelte und Buden auf der Wiesn oder der Christkindlmarkt am Marienplatz, der jetzt am Montag, 21. November, eröffnet wird: der städtische Bauhof organisiert, dass all diese Gewerke plan- und ordnungsgemäß aufgebaut und wieder abgebaut werden. Auch wenn er nicht in München wohnt, kennt der langjährige Bauhofleiter Günther Kaiser jeden Quadratzentimeter der Areale, sieht mit Augenmaß, wann wo etwas falsch steht.

Wie es kommt, dass der gelernte Schreinermeister zudem auf dem vergangenen Oktoberfest bereits zum dritten Mal die Schützenkette beim Marktleute-Schießen verliehen bekam, worin die besonderen Herausforderungen der Bestückung der einzelnen städtischen Areale liegen und warum er auf diesen Baustellen seit Jahren gerne Verantwortung trägt, hat er im Hallo München-Interview verraten.

Günther Kaiser (58), Leiter des städtischen Bauhofs, von A bis Z

Abbau ist mir lieber als Aufbau, egal ob Dult, Oktoberfest oder beim Münchner Christkindlmarkt. Denn beim Abbau kann nichts mehr schiefgehen, da ist alles entspannt.

Beruf: Mein erlernter Beruf ist Schreiner. Nach der Lehre habe die Meisterschule besucht. Seit 1986 bin ich bei der Stadt im Bauhof angestellt, seit 1994 dessen Leiter. Dort bin ich verantwortlich für Auf- und Abbau von Dult, Wiesn und Christkindlmarkt.

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Christkindl: Da glaube ich nicht mehr daran (lacht). Aber meine vier Enkel – drei Mädel, ein Bub, im Alter von zwei bis zehn Jahren –, die schon.

Dult: Dort gibt’s seit einigen Jahren immer wieder neue Beschicker. Für mich heißt das, ihnen neu erklären müssen, wie alles läuft und beim Aufbau vor Ort und ansprechbar zu sein.

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Einhaltung der Abstände der Bauten, der Brandschutz, die Fluchtwege: Die sicherzustellen, ist mein Alltag. Zum Glück haben wir uns in all den Jahren noch nicht vermessen.  

Funktionieren muss bei uns alles reibungslos. Wir haben feste Terminvorgaben, müssen mit allen Gewerken zur Eröffnung der Märkte fertig sein. Da wird bis zur letzten Minute gearbeitet, auch mal ab sechs Uhr in der Früh.

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Gewehre habe ich keine. Ich war als junger Bursche beim Wehrdienst, kurz im Schützenverein. Ich schieße nur auf der Wiesn.

Hundert Standl, hat der Münchner Christkindlmarkt. 60 städtische und rund 40 Stück privater Betreiber. Für alle bin ich Ansprechpartner, aber auch für die Oktoberfest- und Dult-Beschicker. Über 800 Leute kennen deshalb meine Diensttelefonnummer. 

Insgesamt haben wir über 10 000 Quadratmeter Lagerfläche auf dem Bauhof-Depot im Westend. Wie wir die dort gelagerten Bauzäune, Buden, Beschilderungen oder mobile Toiletten aufbauen, geschieht nach den Plänen des Referats für Arbeit und Wirtschaft.

Jubiläum: Mein 25-Jähriges habe ich als Angestellter der Stadt beim Referat für Arbeit & Wirtschaft schon gefeiert. 

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Krampuslauf in der Innenstadt findet heuer am 11. Dezember statt. Dass dort die Fluchtwege ausreichend breit sind, wenn erschrockene Bürger vor den wilden Burschen davonlaufen wollen, ist bei der Aufstellung der Buden entlang der Kaufingerstraße auch die Aufgabe des Bauhofs. 

Leiter im Bauhof zu sein heißt für mich, dort, in der Ganghoferstraße 47, mindestens einmal täglich vorbeizuschauen. Dabei bin ich rund acht Monate im Jahr, etwa von März bis Ende Dezember, auf den Baustellen Theresienwiese, Maria-Hilf- und Marienplatz. Dort ist unser Büro ein Zwölf-Quadratmeter-Container am Rindermarkt.

München ist für mich die Stadt, in der ich gerne arbeite. Ich pendle jeden Tag mit dem Auto von Erding. 

Nervenstärke beweise ich in schwierigen Aufbausituationen. Ich schreie nicht, das bringt mir und anderen nix. Aber natürlich muss ich sicherstellen, dass etwa Rettungswege eingehalten werden, also müssen manche dann rückbauen.

Oktoberfest: Da hat der Bauhof ein festes Gebäude auf dem Areal, auf dem sich auch die Sanitätsstation oder die Polizei befinden. Dort sind wir ab Ende Juni, Juli bis zum Abbau der Wiesn zu finden.

Personalmangel trifft uns leider wie das gesamte Handwerk. Wir waren zehn Mitarbeiter, sind aktuell fünf, davon derzeit drei beim Aufbau vor Ort am Christkindlmarkt beschäftigt. Da sind wir im Moment unterbesetzt.

Quotenfrau gibt es bei uns keine. Wir sind bisher alles Männer, hätten uns aber über Bewerbungen von Kolleginnen gefreut.

Rente? Da mache ich mir noch keine Gedanken, ich bin 58 und jeden Tag gern am Bauhof. Jeden Tag erlebe ich etwas Neues. 

Schützenkönig der Wiesn­aussteller und Marktkaufleute bin ich heuer zum dritten Mal geworden. Die Schützenkette ergänze ich mit einer Plakette mit meinem Namen und der Jahreszahl drauf und gebe sie nächstes Jahr an den neuen Schützenkönig.

Technik zählt bei uns nicht so, eher das Handwerk. Man muss anpacken können.

Unvergessen sind für mich in meinen Anfangsjahren beim Bauhof die ersten Begegnungen mit dem Ex-Wirtesprecher Anton Roiderer.

Verantwortung trage ich gerne. Das liegt sicher auch an der Erziehung. Meine Eltern hatten einen Bauernhof, da habe ich früh mit angepackt und gelernt, selbständig zu sein. 

Weihnachtsdeko am Christkindlmarkt ist heuer schöner als früher, etwa die neuen Sterne auf den Straßenlampen. Mit LED-Birnen wird Energie gespart, die Beschallung ist über die Jahre verbessert worden.

X-mal messe ich nach, wenn ich denke, ein vorgeschriebener Abstand passt nicht. Das sehe ich mit einem Blick, da habe ich Berufserfahrung.

Y Ob Bairisch oder Bayrisch: Ich spreche gerne Dialekt. Manche Beschicker verstehen mich allerdings nicht, da bemühe ich mich natürlich, Hochdeutsch zu reden.

Zwei Tage dauert im nächsten Jahr das Oktoberfest länger, das steht schon fest. Für viele eine reine Freude. Für uns vom Bauhof heißt das, es wird sportlicher im Übergang zum Aufbau der Dult. 

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