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„Gutes Volkstheater hat Qualität und Tiefe“ ‒ Schauspieler Hansi Kraus im Interview mit Hallo München

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Von: Marie-Julie Hlawica

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Zum Hallo-Interview in der Iberl Bühne kam der Schauspieler mit dem Rad.
Zum Hallo-Interview in der Iberl Bühne kam der Schauspieler mit dem Rad. © Marie-Julie Hlawica

Für seine Fans bleibt er der Lümmel von der ersten Bank. 60 Jahre später feiert Ex-Kinderstar Hansi Kraus nun in der Münchner Iberl Bühne mit dem Stück „Zuagricht, hergricht, higricht“ Premiere. Warum der Schauspieler ernste Rollen meidet, wo sich Sturheit lohnt und was den Vater und Opa stolz macht...

Ihre Fans kennen Sie als Hansi Kraus, im Pass steht Jan Krause.

Krause, so melde ich mich auch am Telefon. Genannt haben mich meine Eltern Jan Christoph Krause. Da ich in Polen geboren bin, wurde der Name hier eingedeutscht. Aus Jan wurde Hans. Auf Hansi reagiere ich bis heute.

Sprechen Sie noch Polnisch?

Nein, das habe ich als Bub abgelegt. Als ich in die Schule kam, habe ich schneller als meine Eltern Deutsch gelernt.

Ihr „Lausbub“-Gesicht hat sich seit Beginn Ihrer Karriere vor bald 60 Jahren kaum verändert, das hören Sie sicher oft. 

Ja, ich werde wegen meiner Rolle als Ludwig Thomas Lausbub noch oft angesprochen. Für viele Menschen bleibe ich der Lausbub. Ob in meiner Stammwirtschaft, der Mühle in Straßlach, oder auf der Straße in München.

Sie wurden mit Ihrer ersten Rolle zum berühmten Kinderstar…

Das war ein Stempel, den ich erstmal hatte. Aber ich wusste so sehr früh: Schauspielerei, das ist mein Beruf!

Sie spielen Volksheater, stehen auch vor der TV-Kamera. Was machen Sie lieber?

Ich liebe das Theaterspiel. Möglicherweise drehe ich aber bald wieder fürs Fernsehen. Das ist aber noch nicht in trockenen Tüchern. 

Sie haben TV-Rollen in der Löwengrube und im Schloss am Wörthersee gespielt. Wäre es auch Hamlet gewesen?

Nein – der Inhalt ist mir zu schwer.

Gibt es eine Traumrolle?

Ich spiele lieber Komödien als Tragödien, mag es, Menschen gut zu unterhalten. Mir war früh klar, dass ich gutes Volkstheater machen möchte, mit Qualität und Tiefgang. Deshalb bin ich dem verstorbenen Iberl Bühnen-Chef, Georg Maier, auf die Nerven gegangen. Er war stur, hatte auf meine Nachfragen nie was für mich. Eines Tages rief mich mein Schauspielkollege Markus Neumaier an, verriet, dass eine Besetzung ausfällt. Da bin ich eingesprungen und seitdem im Ensemble dabei.

Sie spielen gerne im Dialekt.

Ich mag die Mundart, das Bairische, Münchnerische. Georg hat sich in den Bühnentexten immer um die Originalität, alte Ausdrücke bemüht. Ich rede zum Beispiel im Stück von „mentischen“ Schmerzen. Es kommt aus dem Altdeutschen, bedeutet überaus, sehr groß. 

Es heißt, Applaus ist der wahre Lohn des Bühnenschauspielers.

(Lacht) Ich werde aber auch sehr gerne mit Cash bezahlt! 

Was zeichnet Sie aus?

Ich bin Sternzeichen Krebs. Nein, im Ernst: Ich war Optimist, die Zeiten jetzt sind dafür aber nicht geeignet. Das betrifft die Politik wie die Umwelt. Ich verstehe zum Beispiel nicht, warum man moderne Sachen nicht reparieren kann, etwa einen Handy-Akku austauschen. 

Handwerken ist Ihr Hobby, auch für die Iberl Bühne.

Ja, ich stehe gerne an der Werkbank. Hier habe ich eben erst die Bühnentür repariert – sie hat geklemmt! 

Sie sind aber auch gelernter Fotograf.

Ich habe an der Münchner Fachoberschule für Design Fotografieren gelernt – von der Blende zur Dunkelkammer, Abzüge machen. Ich besitze tausende Dias. Heute fotografiere ich lieber digital. Meine Kamera habe ich immer dabei. Ich wohne in der Stadt im Lehel, von dort aus ziehe ich los. Einige der besten Bilder kann man in der Iberl Bühne sehen, etwa vom Münchner Friedensengel.

Sind Sie in München nur mit dem Radl unterwegs?

Wir, meine Frau Barbara und ich, haben kein Auto. In der Stadt sucht man länger einen Parkplatz als die Fahrt dauert. Mit dem Radl bin ich schneller. Früher kam ich auf gut 30 000 Kilometer im Jahr.

Sie sind zweifacher Vater und Opa. Hat der Nachwuchs Ihr Schauspiel-Gen? 

Eine Tochter hat die Schauspielausbildung, arbeitet aber nicht in dem Beruf. Beide Töchter haben einmal gesagt, dass sie mit ihrer Erziehung sehr zufrieden sind, das macht mich stolz, ist ein schönes Kompliment. Opa-sein ist ein Privileg! Meine Enkelin hat eben Abi gemacht, der Enkel ist zehn – er ähnelt mir ein bisserl. Nicht nur im Aussehen. Er mag nicht nur meine alten Filme, sondern macht auch Faxen in der Schule.

Zur Person

Am 26. Juni 1952 in Gliwice, Polen, geboren, kommt Jan Christoph Krause 1958 mit seinen Eltern nach München. Bairisch ist für den frechen und klugen Jan Christoph, der hier eingeschult wird, sofort „sein“ Dialekt: Er lernt von Polnisch und Schlesisch um, fühlt sich in der Stadt und in der deutschen Sprache zu Hause. 1964 verfilmt Produzent Franz Seitz Ludwig Thomas „Lausbubengeschichten“, verpflichtet dafür so bekannte Gesichter wie Volksschauspieler Michl Lang, Beppo Brem oder Heidelinde Weis und entdeckt das junge Talent Jan Christoph, den er in der Hauptrolle als Ludwig besetzt – und ihm dafür den Künstlernamen Hansi Kraus gibt. Mit verwegenen Einfällen setzt sich der zwölfjährige Bengel gegen die unliebsame Welt der Erwachsenen in vielen Verfilmungen zur Wehr, wird über Bayerns Grenzen bekannt. Hansi Kraus ist bis heute als Lausbub beliebt, hat sich als Volksschauspieler und Hobby-Fotograf einen Namen gemacht und lebt heute im Lehel.  

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