„Der schönste Beruf in der ganzen Stadt“

Messe-München: Der scheidende Chef über die Finanzen, Corona-Folgen und Hürden für seine Nachfolger

Übergibt 
nach 20 Jahren 
in der Geschäftsführung an seine Nachfolger: Klaus Dittrich (67).
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Übergibt nach 20 Jahren in der Geschäftsführung an seine Nachfolger: Klaus Dittrich (67).

Nach 20 Jahren Arbeit an der Messe München ist für Klaus Dittrich Schluss. Bald tritt er in den Ruhestand, doch davor hat er bei Hallo seine Zeit Revue passieren lassen.

Klaus Dittrich ist seit 20 Jahren in der Geschäftsführung der Messe München tätig, die letzten 12 Jahre als Vorsitzender. Jetzt übergibt er das Ruder an seine beiden Kollegen Dr. Reinhard Pfeiffer und Stefan Rummel, die das Unternehmen künftig als Doppelspitze leiten. Klaus Dittrich tritt zum 1. Juli in den Ruhestand.

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Welche Ziele er für die Münchner Messe erreicht hat, welche besonderen Herausforderungen es gab und warum für ihn gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ist, in die neue Lebensphase zu starten, verrät er im Interview mit HALLO München.

Herr Dittrich, auf was sind Sie besonders stolz, wenn Sie auf die letzten 20 Jahre zurückschauen?
Es waren extrem spannende Jahre, in denen die Messe München jedes Jahr überdurchschnittlich gewachsen ist. Wir konnten unseren Mitarbeiterstamm von 600 auf 850 vergrößern, weil die Messen so gut liefen. Und wir haben neue Veranstaltungen nach München geholt, wie beispielsweise die OUTDOOR und zuletzt die IAA MOBILITY. Außerdem ist es gelungen, durch den Bau der letzten, bereits in den 90er Jahren geplanten großen Hallen das Messegelände zu komplettieren. Die Investition in das gesamte Messegelände betrug insgesamt 1,5 Mrd. Euro, eine Investition, die wir weitestgehend alleine gestemmt haben. Wir haben allerdings von 1998 bis 2010 Zuschüsse von unseren Gesellschaftern bekommen. Danach sind wir ohne die Gelder zurechtgekommen und konnten sogar 520 Mio. Euro für ein Gesellschafter-Darlehen zurückzahlen. Ja, wenn ich zurückschaue, bin ich sehr zufrieden. 
Was war Ihre größte Herausforderung? 
Zum einen, wie eben beschrieben, die Wirtschaftlichkeit des Unternehmen nach den umfangreichen Investitionen wieder auszubauen. Der größte Einschnitt kam vor zwei Jahren mit Corona und dem damit verbundenen Stillstand. Zu erkennen, dass ab sofort keinerlei Umsatz mehr gemacht werden kann, war schwer zu akzeptieren. In den zwei Jahren haben wir 400 Mio. Euro Umsatz verloren. Es musste gespart werden. Am schwersten war die Aufgabe, das Personal um 25 Prozent zu reduzieren. Zum Glück ist es gemeinsam mit dem Betriebsrat gelungen, sozial verträglich abzubauen und den 200 Mitarbeitern, die es getroffen hat, mit guten Angeboten einen neuen Start zu ermöglichen. Die Herausforderungen für meine Nachfolger werden Energiepreise, Fachkräftemangel, die Folgen des Krieges und die damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung sein.
Wie sehen Sie die Zukunft der Münchner Messe?
Trotz aller Schwierigkeiten haben wir durch Corona viel dazu gelernt. Das hat Einfluss auf die Messen der Zukunft. Durch die notwendig gewordene Digitalisierung haben wir es geschafft, nah bei unseren Kunden zu sein, auch wenn gerade keine Messe ist. Wir sind jetzt besser vernetzt und begleiten sie digital weltweit das ganze Jahr über. Die Messe selbst wird dann das Highlight des Jahres sein, wo man sich begegnet. Auch das haben wir durch Corona gelernt: Die digitale Kommunikation ersetzt den persönlichen Kontakt nicht. Ich bin froh, dass wir gut aus der Pandemie herausgekommen sind und sogar in der Messe-Weltrangliste eine Stufe nach oben auf Platz vier gerückt sind. Alles läuft wieder. Das ist der ideale Zeitpunkt, aufzuhören.
Was haben Sie persönlich in der Zukunft vor?
Zunächst mache ich nach 42 Jahren Vollgas im Beruf ein paar Monate Pause. Aber wirklich zur Ruhe setzen will ich mich nicht. Ich bin fit und habe nach wie vor Lust, etwas zu gestalten. Die Berufserfahrung, die ich gesammelt habe, möchte ich gerne anderen zur Verfügung stellen, als Berater oder Aufsichtsrat. Auch ein Ehrenamt würde mir gefallen, durch das ich der Gesellschaft etwas zurückgeben kann. 
Das Ende Ihres Berufslebens - Wie ist Ihr Résumé?
Ich glaube, ich hatte den schönsten Beruf, den man in München haben kann. Er ist aufregend und bereichernd. Ich bin viel herumgekommen und durfte als „Botschafter für München“ durch die ganze Welt reisen. Manche Orte möchte ich jetzt noch einmal privat erkunden. Ich freue mich auf alles was noch kommt!

Gabriele Uelses

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