1. hallo-muenchen-de
  2. Interviews

Der Krampus - Traditionell böse und des Heiligen knurriger Kumpel

Erstellt:

Von: Katrin Hildebrand

Kommentare

Tom Bierbaumer ist der Chef-Krampus. Hier steht er in voller Verkleidung.
Tom Bierbaumer ist der Chef-Krampus. Hier steht er in voller Verkleidung. © Sparifankerl Pass

Ganz München kennt den Nikolaus, doch sein Begleiter - der Krampus - ist weitgehend unbekannt. Der Münchner-Krampus-Obmann erzählt etwas über sein Treiben und die Tradition...

Dass am 6. Dezember der Nikolaus kommt, ist Tradition. Einen Tag zuvor ist Krampustag. Den kennen die wenigsten. Gefeiert wird er nicht – schließlich führt das knurrige Wesen, außerhalb Bayerns als Knecht Ruprecht bekannt, im Vergleich zu seinem weisen und heiligen Herrn ein Schattendasein. Nicht so für die Münchner Gruppe „Sparifankerl Pass“.

Diese feiert heuer ihren 20. Geburtstag und setzt sich in der Landeshauptstadt für den Erhalt eines alten alpenländischen Brauchs ein: des Krampuslaufs. Normalerweise findet er im Dezember statt und führt durch die Altstadt. 2020 fiel das Treiben pandemiebedingt aus. Heuer sollte er stattfinden. Doch schon lange, bevor die Inzidenzen rapide stiegen, sagte „Sparifankerl Pass“ den Lauf vorsichtshalber ab. Bei Hallo gibt es die Gaudi nun im Interview.

Wir sprachen mit dem Münchner Krampus-Obmann Tom Bierbaumer über die Rauhnächte von 25. Dezember bis 6. Januar, in denen die Pforte zur Unterwelt angeblich offensteht. Außerdem erzählt er von joggenden Krampi – diese nennen sich selbst im Plural übrigens „Krampusse“ – und den Perchten, sagenhaften Gestalten, welche die bösen Geister des Winters austreiben.

Chef-Krampus Tom Bierbaumer (53) von A bis Z

Tom Bierbaumer ist es wichtig, dass die Eltern den Kindern sagen, dass unter der Verkleidung auch nur ein Mensch ist.
Tom Bierbaumer ist es wichtig, dass die Eltern den Kindern sagen, dass unter der Verkleidung auch nur ein Mensch ist. © Sparifankerl Pass

Ahnen: Frau Percht ist die Mutter aller Krampi und Perchten. Keiner hat sie je gesehen, keiner weiß, wie sie aussieht. Sie geistert vor allem in den Rauhnächten herum.

Bayern: Am 5. Dezember ist Krampustag. Der ist in Österreich recht bekannt. In Bayern wird die Krampuslauf-Tradition vor allem rund um Berchtesgaden und in anderen Alpenregionen sehr gepflegt. Als wir 2001 in München damit anfingen, hat man uns zunächst für verrückt erklärt.

Chaos: Unser Krampuslauf ist kein Chaos. Es gibt strenge Regeln. Gruppen, die sich nicht daran halten, fahren wieder nach Hause. Außerdem schauen wir uns die Teilnehmer im Vorfeld genau an, arbeiten eng mit der Münchner Polizei zusammen und haben Security-Kräfte dabei. In ländlichen Gegenden geht’s da freilich etwas wilder zu.  

Dörfer: Da kennen sich die Leute, das darf man nicht vergessen. Wer zum Krampuslauf geht, zieht sich mehrere Schichten Kleidung an, damit die Rutenschläge nicht weh tun. Wer’s nicht mag, bleibt daheim.  

Einsatz: Normalerweise sind wir bei großen Läufen in Österreich dabei – und natürlich in München.

Frauen: Früher durften nur Junggesellen mitlaufen, Frauen nicht. Damals ging es auf dem Land, wo ich auch aufgewachsen bin, brutal zu. Meine Schwester traut sich an dem Tag heute noch nicht aus dem Haus. Generell aber hat sich einiges geändert: Frauen laufen mittlerweile gerne als Hexen mit, denn die Menschen stellen sich Frau Percht als eine solche vor.

Gewalt: Ich wuchs im Allgäu auf. Da sind die Klausen (dortige Krampusvariante, Anm. d. Red.) unterwegs – die haben früher so sehr mit ihren Ruten zugeschlagen, dass man Striemen davon bekam. Mittlerweile hat sich das beruhigt.

Heimat: Brauchtum ist ein Stück Heimat. In einer Zeit, wo alle nur am Computer oder Smartphone hängen, kann es uns erden. 

Intelligent ist der Krampus auf jeden Fall. Schließlich begleitet er den weisen Nikolaus. Der Krampus weiß also genau, wem er zuhören muss. Er weiß zudem alles über den Nikolaus und über die Kinder. Er ist ein intelligentes Teufelswesen.

Jahreszeit: Eigentlich sind Krampi nur am 5. und 6. Dezember unterwegs. Aber da die Kostüme so teuer sind, gibt es die Läufe weitaus länger.

Kinder: Ein Krampus würde niemals Kinder schlagen. Vielmehr macht er mit ihnen Spaß. Es ist gut, wenn die Eltern den Kindern erklären, dass unter den Kostümen ganz normale Menschen stecken. Niemals sollte man ihnen aber damit drohen, dass der Krampus sie mitnimmt, falls sie nicht brav sind. 

Legende: Krampus und Knecht Ruprecht sind dasselbe. Der Krampus soll die bösen Wintergeister austreiben. Dafür hat er die gruselige Maske. 

Masken sollten aus leichtem Zirbenholz sein. Das ist gut zu schnitzen. Die Hörner müssen von echten heimischen Ziegen oder Steinböcken stammen. Und nein: Die Tiere werden nicht extra für die Kostüme getötet

Nikolaus: Beim Krampuslauf geht er voran. Doch nicht alle Gruppen haben auch einen Nikolaus. 

Obolus: Das Ganze ist ein teures Hobby. Das bestickte Gewand des Nikolauses und die Mitra sind sehr wertvoll. Die Nikolausausstattung von unserer Gruppe kostete 7000 Euro. Der Krampus muss etwa 3000 bis 4000 Euro investieren. Die Hörner sind das Wertvollste am ganzen Kostüm.

Pass: Eine Pass besteht aus fünf bis sechs Krampi, einem Engerl, einem Woidmandl (ein Fruchtbarkeitsgeist; Anm. d. Red.) und dem Nikolaus.  

Qual: Ein Krampus muss sich ganz schön anstrengen. Er läuft im schweren Kostüm, schreit und ist immer in Aktion. Nach zwei Krampusläufen ist man heiser. Die Krampi im österreichischen Gasteiner Tal trainieren richtig für die Läufe, indem sie regelmäßig joggen.

Rein in die Stube: Das wahre Krampusdasein – die Champions League – sind die Hausbesuche. In Österreich gibt es noch diesen Urbrauch: Da laufen die Krampusgruppen von Hof zu Hof. Das gibt es allerdings fast nur noch im Gasteiner Tal.

Sprache: Bei Hausbesuchen spricht hauptsächlich der Nikolaus. Der Krampus tritt sehr bestimmend auf. Er knurrt und scheppert, rasselt mit Ketten und gibt alle möglichen Laute von sich

Teufel: Unsere Münchner Gruppe heißt „Sparifankerl Pass“. Sparifankerl ist ein bairisches Wort für Teufel. Es ist allerdings ein lustiger Teufel, ähnlich wie der „Boandlkramer“ ein lustiger Tod ist, der mit seinen Opfern sogar Karten spielt. 

Unfälle: Beim Lauf sieht man unter der Maske sehr schlecht. Oft stolpert man dann irgendwo drüber. Einer unserer Krampi hat mal den Bordstein übersehen und sich dabei die Bänder gerissen. Er musste ins Krankenhaus.

Verlauf: Es gibt beim Münchner Krampuslauf eine feste Reihenfolge. Ich vergebe die Startnummern und überlege, welche Gruppen gut zusammenpassen. Natürlich wollen alle immer vorne laufen. Dort platziere ich aber die, die oft dabei sind. 

Weihnachten: An Heiligabend ist Ruhe. Ab dem 25. Dezember starten mit den Rauhnächten die Perchtenläufe. Die Perchten treiben rund um den Jahreswechsel die bösen Geister aus. 

X-Mal wurde ich gefragt, ob es unter dem Krampusgewand warm ist. Ja, ist es.

Y-Chromosom: Unter den Burschen gibt es sicher auf den Dörfern einzelne schwarze Schafe. Aber ich würde sagen, viele Fußballspiele sind gefährlicher als ein Krampuslauf. 

Zefix: Ein Krampus darf nicht fluchen, schon gar nicht gegenüber den Leuten. Er darf sich allenfalls ganz leise in seinen Bart hineinärgern.  

Auch interessant

Kommentare