„München läuft die Zeit davon“

Münchner Klimarat: Generationenprojekt zwischen Fridays for Future & Politik

Sylvia Hladky war Direktorin des Verkehrszentrums des Deutschen Museums und ist jetzt Mitglied im Münchner Klimarat.
+
Sylvia Hladky war Direktorin des Verkehrszentrums des Deutschen Museums und ist jetzt Mitglied im Münchner Klimarat.
  • Theresa Reich
    VonTheresa Reich
    schließen

Im Münchner Klimarat kämpfen sie für das Klima und wollen der Politik helfen. Sylvia Hladky und Klara Bosch haben Hallo von ihren Aufgaben und Visionen berichtet:

Klara Bosch (im Interview abgekürzt mit „B“) und Sylvia Hladky (abgekürzt mit „H“) – zwei Frauen aus zwei Generationen. Beide wollen die Erderwärmung aufhalten und sind dem Münchner Klimarat beigetreten, einem Gremium mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und der Zivilgesellschaft. Das Komitee prüft Beschlüsse aus dem Rathaus. Es beurteilt, ob die Maßnahmen ausreichen, um das Münchner Ziel „Klimaneutralität bis 2035“ zu erreichen.

*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Die erste Feuertaufe: Der Rat nahm Stellung zum Grundsatzbeschluss zwei, der 250 konkrete Schutzmaßnahmen für das Klima auflistet. Das Gremium kann damit zwar den Diskurs voranbringen, aber politische Entscheidungsgewalt hat es nicht.

Bosch, Schülerin des Klenze-Gymnasiums und Mitglied von Fridays for Future, und Hladky, Physikerin und ehemalige Leiterin des Verkehrszentrums des Deutschen Museums, erzählen im Hallo-­Interview, was sie von der Politik fordern und welche Aufgaben sie als Vertreterinnen der Münchner haben.

Klara Bosch ist Mitglied bei Fridays for Future und im Münchner Klimarat.

Klara Bosch (17) und Sylvia Hladky (72), Mitglieder des Klimarats, von A bis Z

Ausbau von Windenergie ist wichtig für den Klimaschutz. Wir versuchen uns bei Markus Söder Gehör zu verschaffen und ihn zu überzeugen, dass die 10-H-Abstandregel weg muss, damit mehr Windräder gebaut werden. (Bosch)

Beschlüsse: Der Klimarat nimmt zu allen grundlegenden Beschlüssen des Stadtrats Stellung. Dabei nehmen wir alle Bereiche unter die Lupe, in denen CO2-Emissionen freigesetzt werden. (Hladky)

CO2-neutral: Der Klimarat hilft, dass München bis 2035 sein Klimaziel erreicht und CO2-neutral wird. Wir gestalten die Transformation aktiv mit. (B)

Deutsches Museum: Als ehemalige Leiterin des Verkehrszentrums des Deutschen Museums weiß ich, wie sich die Mobilität in den letzten 100 Jahren entwickelt hat. Daraus lassen sich viele Stellschrauben ableiten, die jetzt zu drehen sind. (H)

Expertise bringen alle 25 Mitglieder aus unterschiedlichen Fachgebieten mit. Wir bilden Schwarmwissen aus Bereichen der Mobilität, Energie, Wirtschaft, Lebensstile, Klimaanpassung und Klimamanagement. (B)

Forderungen: Die Stadt soll alle geplanten Maßnahmen auf Klimawirksamkeit und künftigen Auswirkungen kontrollieren. Mit jährlichen Messungen kann die Effektivität der Maßnahmen überprüft werden. (H)

Geschäftsordnung für einen festgeschriebenen Ablauf haben wir noch keine. Um diese zu beschließen, müssen alle Mitglieder anwesend sein. Corona-bedingt haben wir uns bisher nur online gesehen. (H)

Hauptaufgabe des Klimarats ist es, alle Maßnahmen der Stadt immer wieder auf ihre Klimawirksamkeit zu prüfen und zu beraten. Wir fordern mehr, als jetzt politisch machbar ist. Kompromisse zwischen den politischen Parteien schwächen oft die Beschlüsse ab. (H)

Impuls: Es ist spannend, mit Politikern zu sprechen und inhaltlich fitter zu werden. (B)

Jeder Industriezweig kann was fürs Klima tun, indem mehr nachhaltige Rohstoffe verwendet werden und Kreislaufwirtschaft gefördert wird. (B)

Konsum: Die Politik muss den Rahmen dafür schaffen, dass sich eine Kultur des nachhaltigen Konsums etabliert. Ein erster Anfang: Sharing-Angebote und Repair-Cafés. (B)

Legitimation: Die Mitglieder aus der Bürgerschaft sind alle gewählt von Münchner Nichtregierungsorganisationen. Im Juli 2021 hat München beschlossen, den Klimarat einzurichten. (H)

München läuft die Zeit davon. Wir haben weltweit nur noch ein bestimmtes CO2-Budget, das wir verbrauchen dürfen, um das 1,5 Grad Ziel zu erreichen. Pro Kopf sind das nur noch 50 Tonnen. Bei einer Freisetzung von durchschnittlich zehn Tonnen pro Jahr und Person ist das in etwa fünf Jahren aufgebraucht. (H)

Notwendig: München muss die CO2-Emmissionen senken. Dafür müssen wir unsere Energieversorgung klimaneutral gestalten. Nicht nur der Strom, auch der Verkehr spielt eine wichtige Rolle. (B)

Oekologischer Fußabdruck: Der Münchner verbraucht im deutschlandweiten Vergleich mehr CO2 als der Durchschnittsbürger: über zehn Tonnen pro Jahr. Grund ist der Wohlstand. Die Stadt kommt in ihren Berechnungen nur auf die Hälfte. Die Kommunikation ist hier ein großes Problem. München ermittelt nur die Emmissionen, die auf dem Stadtgebiet verursacht werden, lässt Bereiche wie Ernährung, Lebensstil oder den Flughafen weg. (H)

Physikstudium: Naturwissenschaften helfen mir, physikalische Gesetze zu verstehen, mathematisch zu berechnen. Die eben genannten Zahlen helfen, Abläufe und Konsequenzen nachzuvollziehen. (H)

Quellen: Jeder kann sich über den Klimawandel informieren. Die Forschungen des Weltklimarats sind eine gute Quelle und lassen keinen Raum für Spekulationen. (H) 

Rebellion: Die Proteste der jungen Generation sind nachvollziehbar. Jetzt sollten wir, die ältere Generation, uns einschränken. Wir müssen den Jungen die Chance geben, die Welt zu entdecken. (H)

Superhelden fürs Klima sind wir keine. Aber es ist toll, Teil einer großen Bewegung zu sein, der Politik Handlungsempfehlung zu geben. (B)

Testphase: Wir haben uns in einer kurzen Zeit intensiv kennengelernt. Zum ersten Mal zusammengekommen sind wir vor Weihnachten, für den Grundsatzbeschluss zwei des Stadtrats. (B)

Umdenken: 80 Prozent aller Kilometer legen wir mit dem Auto zurück. In den letzten 70 Jahren hat die Politik das Auto gefördert. Alles wurde autogerecht gestaltet. Jetzt muss die Politik die Entwicklung wieder rückgängig machen. (H)

Verkehr ist einer der Bereiche, wo bisher am wenigsten passiert ist, die Emissionen konstant hoch bleiben. Schnelle Veränderungen sind wichtig. Wie der Tram- und Radwegausbau. Die MVG muss schneller, günstiger, Parken teurer werden. Eine City-Maut für Autos muss her. (H)

Wärme: In München haben wir einen „Schatz im Untergrund“. Stichwort „Geothermie“. Wir sollten die heiße Erde nutzen, um klimaneutral Energie zu erzeugen. (B)

Xtrem: Wenn wir fürs Klima schwänzen, üben wir zwar zivilen Ungehorsam aus. Aber extreme Aktivitäten wie an den Boden kleben, lehnen wir ab, weil sie skeptische Menschen abschrecken und kontraproduktiv sind. (B)

Yoga mit Meditation hilft, die Dinge klarer zu sehen und sie in einen größeren Rahmen zu setzen. (H)

Zukunft: Der Klimarat ist für drei Jahre gewählt. In der nächsten Zeit werden wir die Wirksamkeit der städtischen Maßnahmen prüfen. Wir wollen über Erfolge oder Misserfolge informiert werden und den Prozess begleiten. (H)

Quelle: www.hallo-muenchen.de

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Sebastian Bezzel: Was er vom Eberhofer noch alles lernen kann
INTERVIEWS
Sebastian Bezzel: Was er vom Eberhofer noch alles lernen kann
Sebastian Bezzel: Was er vom Eberhofer noch alles lernen kann
Reinhold Messner: „Für mich gilt – kein künstlicher Sauerstoff. “
INTERVIEWS
Reinhold Messner: „Für mich gilt – kein künstlicher Sauerstoff. “
Reinhold Messner: „Für mich gilt – kein künstlicher Sauerstoff. “
Vivian Paul: Der Zirkus – Ihr Bruder, Zuhause und Erbstück
INTERVIEWS
Vivian Paul: Der Zirkus – Ihr Bruder, Zuhause und Erbstück
Vivian Paul: Der Zirkus – Ihr Bruder, Zuhause und Erbstück
Bei ihm bleibt nichts auf der Strecke: Der neue Leiter der Bundespolizeiinspektion München im Interview
INTERVIEWS
Bei ihm bleibt nichts auf der Strecke: Der neue Leiter der Bundespolizeiinspektion München im Interview
Bei ihm bleibt nichts auf der Strecke: Der neue Leiter der Bundespolizeiinspektion München im Interview

Kommentare