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Gezielte Angriffe: Münchens-IT-Referentin Laura Dornheim über Hacker, die Energie-Krise und die München-App

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Von: Andreas Schwarzbauer, Marco Litzlbauer

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Will bei der Digitalisierung alle Münchner mitnehmen: IT-Referentin Laura Dornheim.
Will bei der Digitalisierung alle Münchner mitnehmen: IT-Referentin Laura Dornheim. © Romy Ebert-Adeikis

Münchens IT-Referentin muss viel anpacken. Im Interview redet sie über Versäumnisse bei der Digitalisierung und ihre Pläne mit der München-App.

München Seit Anfang September ist Laura Dornheim die neue IT-Referentin der Stadt. Ihre Wahl war turbulent. Die CSU warf ihr vor, nicht für das Amt geeignet zu sein, Auch ihr Vorhaben, vieles aus dem Homeoffice in Berlin zu erledigen, wurde ihr angekreidet. Heute sagt sie: „Anwesenheit als Qualitätsmerkmal zu nennen, ist vorgestrig“ – und hat eine Wohnung in der Maxvorstadt gefunden. Gearbeitet wird dennoch viel mobil. „Und wenn ich im Büro bin, läuft mindestens die Hälfte der Dinge über Videokonferenzen – selbst drei von vier Referatsrunden mit dem OB.“

Zu Hallo ist sie aber persönlich gekommen. Im Interview spricht sie über verpennte Digitalisierung auf Bundesebene, ambitionierte neue München-Apps und Hacker-Angriffe auf die Stadt.

Die IT-Referentin von A bis Z im Porträt.

Frau Dornheim, wie war ihr Start als IT-Referentin?

Schon am Tag nach der Wahl hatte ich ein erstes Treffen mit den Führungskräften und wurde sehr herzlich willkommen geheißen. Ich hatte das Gefühl, dass mir alle ihre Erfahrung zur Verfügung stellen wollen, damit ich einen guten Einstieg habe. Wer von Behörden-Muff spricht, kennt die IT-Abteilung nicht. Das Team arbeitet echt großartig. Inhaltlich gibt es aber eben auch eine riesige Bandbreite an Themen – vom WLAN in der Kita über die Abschaffung der Stempelkarte bis zum Energiesparen im Rechenzentrum.

Münchens IT-Referentin im Interview: Bei Digitalisierung zwei Jahrzehnte hintendran

Wie gut steht die Münchner IT aktuell da?

Im bundesweiten Vergleich echt gut. Beispiel: Schon in den ersten drei Wochen der Pandemie-Beschränkungen hat München Tausende Laptops an städtische Mitarbeiter verschickt, damit diese im Homeoffice arbeiten können. Da haben andere Städte gerade mal einen Laptop je Team zur Verfügung gestellt. 

Im bundesweiten Vergleich gut – da folgt meist der Nachsatz: im europäischen Vergleich nicht so gut...

Deutschland hat die Digitalisierung an vielen Stellen verschlafen. Stichwort Glasfaserleitungen. Wenn man zwei Jahrzehnte hintendran ist, hat man das nicht in zwei bis drei Jahren aufgeholt. Zumal die anderen Nationen sich auch weiterentwickeln.

Zwei Jahrzehnte hört sich drastisch an...

Das ist freilich sehr pauschal ausgedrückt. Wir haben natürlich super innovative Unternehmen in Deutschland. Aber was die Rahmenbedingungen angeht, gibt es noch viel zu tun.

Welches ist in München derzeit die größte Baustelle?

Die Bildungs-IT – ein sehr komplexes Thema. Wir versorgen über 800 Bildungseinrichtungen mit ganz unterschiedlichen Anforderungen. Außerdem sind mit uns, dem Referat für Bildung und Sport sowie der städtischen Service GmbH drei Stellen dafür zuständig. Diese Dreieckskonstellation ist manchmal schwierig. Deshalb ist es gut, dass die GmbH, die derzeit den Stadtwerken zugeordnet ist, ab 1. Januar ans IT-Referat angegliedert wird.

Münchens IT-Referentin im Interview: Hacker werden immer professioneller

Welche Auswirkungen hat die Energiekrise aktuell?

Die Büros werden auch bei uns kälter und das Rechenzentrum um ein Grad wärmer. Zudem laufen normalerweise zwei Rechenzentren parallel. Im Notfall könnten wir eines abschalten und das Notwendigste trotzdem aufrechterhalten – wenn auch langsamer. Ein anderer großer Hebel, um Energie zu sparen, ist das Homeoffice. Da brauchen wir aber keine Zielquote, es nutzen schon jetzt 80 bis 90 Prozent unserer Mitarbeiter.

Es gab jüngst einen erfolgreichen Hacker-Angriff auf den Landkreis München. Wie ist die Stadt gewappnet? 

Auch wenn wir hier keine Zahlen nennen: Wir sehen seit dem Beginn des Angriffskriegs in der Ukraine einen deutlichen Anstieg von solchen Hacker-Angriffen auf München, bei denen vermutet wird, dass staatliche oder staatsnahe Organisationen dahinterstecken. Aber das ist nichts, was mir schlaflose Nächte bereitet. Keiner der Angriffe war erfolgreich. Obwohl man schon sagen muss, dass es auf der Gegenseite eine wahnsinnige Professionalisierung in diesem Bereich gibt.

Fragen Münchner Unternehmen bei Ihnen an, um sich Unterstützung in Sachen IT-Sicherheit zu holen?

Wir stehen natürlich mit den Stadtwerken in engem Austausch, Für die Unterstützung anderer Unternehmen hätten wir aktuell keine Kapazität. In Berlin gibt es eine Service-Hotline für Unternehmen, in Bayern gibt es die 089/12 12 44 00 für Privatmenschen. Vielleicht können wir da noch eine Lücke schließen. Konkreter ist schon, dass wir gemeinnützige Vereine unterstützen wollen. Wir werden daher eine städtische Plattform beantragen, auf der Firmen diese Initiativen mit ihrer Digital-Expertise unterstützen können. Das könnte dann 2023 oder 2024 so weit sein.

Münchens IT-Referentin im Interview: München-App schon im Januar im App Store

Ein großes Anliegen ist Ihnen die Digitalisierung der Bürgerbüros...

Wir haben schon 21 Bürgerterminals aufgestellt – zum Beispiel im KVR oder der Ausländerbehörde. Diese können nichts, das ich nicht auch zu Hause am Rechner machen könnte, aber an den Terminals unterstützen Mitarbeiter die Kunden bei der Nutzung. So sollen Hemmschwellen abgebaut werden. Die Überschrift meiner Amtszeit soll digitale Teilhabe sein – ich will alle mitnehmen.

Konkret wird auch die München-App...

Ab Januar kann man sie herunterladen. Im Sommer, mit dem Start der Freibad-Saison, ist dann eine große Werbekampagne geplant. Anfangs wird der Fokus auf Eintrittskarten liegen. Nutzer können damit Tickets für den Tierpark oder die städtischen Bäder kaufen. Wir wollen aber nicht nur das Analoge eins zu eins ins Digitale übertragen. Eine Idee des Planungsteams ist, dass die App am Jahresende den Tarif abrechnet, der am günstigsten ist. Wenn Sie beispielsweise viermal im Zoo waren, wird der Preis einer Jahreskarte abgerechnet, bei zwei Besuchen zwei Einzelkarten. Fix ist das aber noch nicht, es müssen noch viele Gespräche geführt werden.

Bleibt es bei dem Ziel, dass es in München künftig nur noch eine App für alles geben soll? 

Es soll keinen Wildwuchs geben. Aber die München-App soll auch nicht überfrachtet werden. Vielleicht ist es sinnvoll, dass die MVG, die derzeit nicht integriert ist, auch künftig ein eigenes An gebot bleibt. Aber die App funktioniert mit dem M-Login der Stadtwerke. Ein Login für alle München-Apps – damit wäre ja auch schon viel gewonnen.

Wie ist der Stand der Dinge beim interaktiven WC-Finder?

In Kooperation von it@M mit der UnternehmerTUM wurde mit INCLUS eine App entwickelt, die Menschen mit Mobilitätseinschränkungen erlaubt, im Münchner Stadtgebiet eine geeignete Toilette zu finden. Die App befindet sich gerade in einer Friends-and-Family-Testphase und wird aller Voraussicht noch in diesem Jahr produktiv nutzbar sein. Eine Weiterentwicklung hin zu einer App für barrierefreie Mobilität in München ist für die weiteren Ausbaustufen geplant.

Welche Projekte sind noch für 2023 geplant?

Wir arbeiten an einem München-Portal der Zukunft, mit dem wir Anwendungen voll digitalisieren wollen. Derzeit setzen wir das zum Beantragen von Parklizenzen um. Nach aktueller Planung wird der Teil-GoLive mit dem Bewohnerparkausweis und den dazugehörigen Lebenslagen – Neuantrag, Kfz-Wechsel, Verlust, automatische Verlängerung – im März oder April 2023 stattfinden. Der genaue Zeitplan wird bis Ende des Jahres stehen. Prinzipiell wollen wir alles, was rechtlich möglich ist, digital umsetzen.

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