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„Reiß mal deine Seele auf und lass uns reingucken“ - Genija Rykova im Gespräch

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Von: Sebastian Obermeir

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In „Servus Baby“ spielt Genija Rykova die Gynäkologin Mel.
In „Servus Baby“ spielt Genija Rykova die Gynäkologin Mel. © dpa/Uwe Anspach

Als bayerische Antwort auf „Sex and the City“ wurde „Servus Baby“ gefeiert. Warum die Serie jetzt erwachsen wurde, sie Debatten zur Emanzipation anstoßen kann und was sich in der Theater- und Filmbranche noch ändern muss, verrät Hauptdarstellerin Genija Rykova.

Frau Rykova, auf Ihrem Instagram-Account zeigen Sie manchmal falschgeschriebene Versionen Ihres Namens, die Ihnen im Alltag oft unterkommen. Traurig oder lustig?

Eher lustig. Ich könnte täglich eine neue Version meines Namens posten. Ich höre ja mittlerweile auf alles. Meine Kollegen an der Schaubühne machen sich auch immer einen Spaß daraus, meinen Namen umzugestalten. Einer hat mich zuletzt Genija Rollkoffer genannt, Caster stellen mich schon auch mal als ­Genija Rucola vor. Am Flughafen in Montpellier wurde ich als Ever Ninja (Anm. der Red.: Genija Rykovas Geburtsname lautet Evgenija Rykova) ausgerufen. Das klingt gefährlich, oder?

Oh ja! Lassen Sie uns über „Servus Baby“ sprechen. Kann eine Serie mit vier weiblichen Hauptdarstellerinnen zur Emanzipation beitragen?

In gewisser Weise schon. Wobei die vier weiblichen Hauptdarstellerinnen ja überhaupt erst durch das Zusammenspiel mit ihren männlichen Kollegen ihre Geschichten erzählen können. Ich als Zuschauerin sehe doch gerne Menschen auf der Leinwand oder Bühne, die Probleme verhandeln, die ich vielleicht selbst auch habe. Dann fühle ich mich nicht alleine, bin angeregt, zu reflektieren und finde so vielleicht den Mut, im wahren Leben Dinge zu ändern.

In der dritten Staffel sind das Familienkonzepte, Kinderwünsche oder Karriere­sprünge.

Ein schönes Kompliment war, dass die Serie inhaltlich, genau wie ihre Figuren, erwachsener geworden ist und sich somit ein breiteres, nicht nur tendenziell eher junges Publikum, abgeholt fühlt.

Sind Sie vier eigentlich auch Freundinnen im wahren Leben?

Bei der Premiere Ende Oktober bei den Hofer Filmtagen, als wir uns endlich wieder gesehen haben, fragte ich mich: Warum sind wir eigentlich nicht wirklich beste Freundinnen? Aber wir leben nun mal in unterschiedlichen Städten, da bleibt wenig Zeit. 

Die Stimmung am Set ist aber bestimmt super.

Allerdings. Bei „Servus Baby“ habe ich schonmal meine drehfreien Tage am Set verbracht, einfach, weil ich gerne in dieser familiären Atmosphäre bin.

Hat sich das entwickeln müssen?

Wir sind ein eingespieltes Team. Ein Aspekt, der schon seit dem ersten Casting 2014 passte, ist, dass wir in einem angstfreien Raum arbeiten dürfen. Ich wünsche mir, dass wir da in der Gesellschaft möglichst schnell ankommen. Zwar kann ich nur für meine Branche sprechen, aber das muss Normalität werden. Dass man bei Proben aggressiv angeschrien oder subtil fertig gemacht wird, sollte schon längst der Vergangenheit angehören. Angst bringe ich als Schauspielerin schon selbst ausreichend mit, weil es nunmal zum Job gehört, sich auszuliefern: Alle Augen starren einen an, die Kamera ist auf dich gerichtet – und dann heißt es: Jetzt reiß mal deine Seele auf und lass uns reingucken.

Mussten Sie oft negative Erfahrung am Set machen?

Willkür und Diktatur der Laune habe ich eher am Theater erlebt. Beim Film ist es eher so, dass man leider immer noch schnell in sexistisch geprägte Schubladen gesteckt wird.

Sie arbeiten auch als Jazz-Sängerin. Was ist schlimmer: den Text zu vergessen oder einen falschen Ton zu singen?

Falscher Ton, auf jeden Fall. Beim Text, außer es ist etwas wie Kleist oder Schiller, kann man sich vielleicht noch retten, so dass es das Publikum nicht merkt. Ich werde oft gefragt, wie sich Schauspielerinnen so viel Text merken können und ehrlicherweise frage ich mich das oft auch. Es ist Wahnsinn, was der Körper alles abspeichern kann. Ich hatte so große Angst davor, auf der Bühne meinen Text zu vergessen, dass diese Angst tatsächlich zu kompletten Black-Outs geführt hat und trotzdem hat mein Körper weitergespielt und mein Kopf den richtigen Text ausgespuckt. Als ich dann aber doch meinen ersten Hänger hatte und die Souffleuse einschalten musste, habe ich gemerkt: Ach, man stirbt ja gar nicht dran. 

Sich selbst eine Ohrfeige geben, wie es Mel in „Servus Baby“ einmal macht, mussten Sie also noch nie?

Unabhängig von der Rolle habe ich das noch nie gemacht. Warum auch? 

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Zur Person

Geboren wurde Genija ­Rykova 1986 im sibirischen Irkutsk. Schon als Kind kam sie aber nach München – wo ihr Vater als Bühnentechniker an den Kammerspielen arbeitete.

Damit war ihre Faszination fürs Theater geweckt: Sie studierte an der August Everding Akademie, danach folgen Engagements an den Kammerspielen und am Residenztheater. Ebenso ist Rykova aus zahlreichen Filmproduktionen wie „Der Schlussmacher“ oder „Servus Baby“ bekannt und als Jazz-Sängerin deutschlandweit unterwegs. Heute lebt Rykova in Berlin.

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