Ihr Herz für Senioren

Als langjährige ASZ-Mitarbeiterin wurde Ute Krause-Fussek zur lokalen Legende

Ute Krause-Fussek ist seit vielen Jahren Mitarbeiterin des ASZ in Obergiesing.
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Ute Krause-Fussek ist seit vielen Jahren Mitarbeiterin des ASZ in Obergiesing.
  • VonKatrin Hildebrand
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Sie war die gute Seele in Obergiesing für Senioren und ist nun ganz frisch in Rente. Ute Krause-Fussek erzählt von ihrer Arbeit im ASZ und ihren Zukunftsplänen.

30 Alten- und Servicezentren (ASZ) gibt es in München. In der Einrichtung in Obergiesing war Ute Krause-Fussek stolze 23 Jahre beschäftigt. Ihre Laufbahn in der Seniorenarbeit begann jedoch schon viel früher. Bereits in den 80er-Jahren machte sie als Sozialpädagogik-Studentin ihr Jahrespraktikum im ASZ Laim. „Es ist mittlerweile nicht mehr selbstverständlich, dass ein Mensch so lange an einem Arbeitsplatz beziehungsweise im selben Arbeitsbereich bleibt“, sagt sie heute, mit 66.

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Als sich ankündigte, dass sie das ASZ in diesem Jahr verlassen und in Rente gehen würde, landete die Neuigkeit sogar vor dem Bezirksausschuss Obergiesing-Fasangarten: Dessen Seniorenbeauftragte Brigitte Reinwald beklagte das Tätigkeitsende einer lokalen Legende, die für alle ein offenes Ohr hatte – und einen in München sehr bekannten Nachnamen. In Hallo spricht Krause-Fussek über ihre Berufung, die soziale Arbeit mit Senioren und warum das Alter immer noch für viele ein Tabuthema ist.

Ute Krause-Fussek (66), Sozialpädagogin in der Seniorenarbeit, von A bis Z

ASZ: Das Angebot ist riesig, von Kaffeetrinken über Beratung, intensive Betreuung zuhause bis zum Mittagstisch für Bedürftige. Auch die Altersgruppe ist vielfältig – ab 50 Jahren aufwärts. Mit dieser Spannweite sind wir im Prinzip ein Mehrgenerationenhaus.

Berühmtheit im Viertel: Ich war in Obergiesing lange im Dienst. Man kennt mich aber auch wegen meines Mannes Klaus Fussek, der jahrelang als Kritiker des Pflegesystems in den Medien präsent war.

Corona war für uns ein Rieseneinschnitt. Wir haben natürlich Besucher an Covid verloren. Einige andere sind uns, ich sag mal, verlorengegangen. Die haben sich nicht mehr aus dem Haus getraut. Anfangs haben wir viel mit den Leuten telefoniert und waren telefonisch auch immer erreichbar. Denn Isolation ist eine ganz schlechte Sache.

Depression: Schwierigkeiten im Alltag, der Verlust von Partnern und Freunden machen ältere Menschen psychisch leichter labil, manche werden depressiv. Wir versuchen, das in unserer Arbeit aufzufangen.

Eitelkeit: Jeder darf zu uns so kommen, wie er will. Viele machen sich aber zu bestimmten Anlässen schick.

Frauen: Demografisch gesehen sind mehr Frauen im ASZ zu Gast, vielleicht zu 80 Prozent. Sie sind im Alter stärker von Armut betroffen als Männer. Auch in der Belegschaft von ASZs finden sich mehr weibliche Fachkräfte, das gilt für die ganze soziale Arbeit. Im ASZ Obergiesing gibt es gerade mal einen Mann.

Giesing: Ich kenne vor allem Obergiesing. Träger des ASZs dort ist die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Sie hat sich das Viertel bewusst ausgesucht, denn es gilt ja als altes Arbeiterviertel, ebenso wie die anderen AWO-Standorte Laim, Milbertshofen, Moosach und Sendling.

Hunde spielen eine Rolle in der Seniorenarbeit. Viele haben Hunde oder hatten welche. Eine unserer ehrenamtlichen Einkaufshelferinnen nahm ihren Hund immer mit, wenn sie die Senioren besuchte – das hat die Menschen sehr gefreut. 

Interessen: Ein ASZ bedient viele verschiedene Themen, Gesundheit, Reise, Recht. Auch muss man immer schauen, was aktuell ist und ob die alten Themen noch zeitgemäß sind.

Jugend: Gibt es im ASZ, etwa die vielen Praktikanten von der Fachoberschule. Auch machen einige junge Leute ehrenamtliche Seniorenbegleitung.

Kinder: Als es noch Weihnachtsfeiern gab, vor Corona, machten Kindergärten Aufführungen bei uns. Sie sangen Weihnachtslieder – zu den Feiern kamen bis zu 100 Gäste.

Liebevoller Umgang: Den sollte es auch im Team geben. Bei uns haben sich alle immer gegenseitig gestützt, Sozialarbeiter, Reinigungskraft, Hausassistenz – alle. 

Minderung des Gedächtnisses ist ein großes Thema. Doch unsere Gäste kommen alle noch alleine klar. Falls wir bei einem Hausbesuch merken, dass ein Mensch an Demenz leidet, versuchen wir ihn in unseren Mittagstisch zu integrieren oder in einen unserer Kurse. In schlimmeren Fällen schalten wir Spezialdienste ein. 

Nazis: Beim Hausbesuch bei einem Herrn sah ich mal einschlägige Embleme an der Wand. Wenn so ein Mensch Hilfe braucht, dann darf ich ihn zunächst nicht anders behandeln als andere, dann tue ich meine Aufgabe – mehr aber auch nicht. Im ASZ selbst werden Menschen, die NS-Propaganda verbreiten, des Hauses verwiesen.

Outing kommt unter den Gästen im ASZ selten vor. Aber wir haben natürlich homosexuelle Besucher.

Präventive Hausbesuche: Damit versuchen wir an Menschen heranzukommen, bevor sie tatsächlich Hilfe benötigen. Wir werben im Programmheft damit, zudem wissen Ärzte vom Angebot und informieren ihre Patienten darüber. Wenn jemand Bedarf hat, machen wir einen Termin aus und erklären ihm unsere Hilfsmöglichkeiten. Aber Vorsicht: Das ASZ kommt nie unangemeldet nach Hause. Wer das tut, ist ein Trickbetrüger.  

Quell des Glücks ist meine Familie: mein Mann und unsere zwei Söhne. 

Rente: Mal sehen. Ich helfe jetzt wieder bei der Tafel mit. Auch sortieren mein Mann und ich sein einzigartiges Archiv mit Papieren über Pflegemissstände. Eine Stiftung will es Ende Mai übernehmen. 

Sex im Alter war eigentlich in der Seniorenarbeit kein großes Thema. Aber sicher: Es ist natürlich ein großes Tabu.

Tod: Wenn einer meiner Klienten verstirbt, zünde ich eine Kerze für ihn an. Natürlich sind die Menschen, die ich kennenlernte, als ich mit der Arbeit im ASZ anfing, heute alle tot. Bei manchen haben wir im Team auch gesagt: Jetzt durfte sie oder er endlich sterben.

Urlaub: Mein Mann ist kein Urlaubsfanatiker, Urlaub war stets schwierig bei uns. Wir haben kein Auto und wollen aus ökologischen Gründen nicht fliegen. Aber Wandern in Südtirol – das tun wir sehr gerne.

Vorsorge: Jeder ältere Mensch sollte das Gespräch mit Kindern, anderen Angehörigen oder Freunden suchen und sich um eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung kümmern.  

Wünsche habe ich vor allem an meine Kollegen: Sie sollen niemals ihre Empathie verlieren, im Interesse der Menschen, die zu ihnen kommen. Und sie sollen zuhören.

X-Mas: Weihnachten hat für mich eine große Bedeutung. Das war schon früher so, als meine Eltern noch lebten. Die ganze Familie mit Kindern, Geschwistern, Nichten und Neffen trifft sich wieder.

Yoga ist nicht so meins wegen meiner Knieprobleme. Jetzt könnte ich allerdings wieder einsteigen, ich habe ja wieder viel Zeit.

Zusammenhalt ist wichtig – in der Familie, im Team, in der Nachbarschaft. Gemeinsam geht es einfach besser.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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