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Geschäftsführerin des Münchner Mietervereins über Preisexplosionen und Ängste

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Von: Ursula Löschau

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Angela Lutz-Plank, Geschäftsführerin Mieterverein München, im Gespräch mit Hallo.
Angela Lutz-Plank, Geschäftsführerin Mieterverein München, im Gespräch mit Hallo. © Ursula Löschau

Kaum jemand kennt die Ängste und Probleme der Münchner Mieter so gut wie sie: Angela Lutz-Plank hat mit Hallo über die Mieten, den Ukraine-Krieg und Politik gesprochen.

München - Angela Lutz-Plank weiß, was die Mieter in München bewegt. Seit 20 Jahren arbeitet die 58-jährige Juristin für den Mieterverein in ihrer Heimatstadt. Vor einem Jahr übernahm sie nach elf Jahren als stellvertretende Geschäftsführerin die Leitung. Jetzt wappnet sie sich zusammen mit einem knapp 50-köpfigen Team aus Juristen und Verwaltungsmitarbeitern für ein Jahr, das Münchner Mieter mehr denn je vor Herausforderungen stellt.

„Wir rechnen mit einem Riesenansturm, wenn jetzt nach und nach die Nebenkostenabrechnungen kommen“, sagt die Geschäftsführerin. Schon 2022 hätten die Anfragen deutlich zugenommen, der Mieterverein gewann 500 Mitglieder dazu. Im Hallo-Interview spricht sie über Energiekosten, Mietenstopp und humanitäre Aufgaben.

Angela Lutz-Plank (58), Geschäftsführerin Mieterverein München, von A bis Z

Ausspekuliert: Wir haben Kooperationen mit mehreren Initiativen. Zum Beispiel sind wir im Dezember zum Thema Kündigungsmoratorium mit „Ausspekuliert“ in der FDP-Zentrale eingezogen.

Bilanz: Wir haben 2022 etwa 500 Mitglieder dazugewonnen und es ist wesentlich mehr Beratungsbedarf da. Früher kamen die Leute mit einem Problem, jetzt mit drei oder vier auf einmal. 

Corona: Durch das Kündigungsmoratorium konnten viele Härtefälle vermieden werden. Vermieter durften damals wegen Mietrückständen zwei Jahre lang nicht kündigen. So etwas würden wir uns jetzt bezüglich der Energiekrise auch wünschen.

Diskretion ist selbstverständlich. Wir sind alle Volljuristen und unterliegen der anwaltlichen Verschwiegenheitspflicht.

Energiekosten: Das ist eine massive zusätzliche Belastung für alle Mieter. Die Nebenkosten explodieren so, dass viele Angst haben, sie nicht bezahlen zu können. Wir rechnen mit einem Riesenansturm der Mitglieder.

FDP: Das ist die Partei, die Gesetzesinitiativen im Interesse von Mietern blockiert, unter anderem die Wiedereinführung des Vorkaufsrechts. 

Genossenschaften bieten sozialverträgliche Mieten und Schutz vor Kündigungen. Ein Ausbau des genossenschaftlichen Wohnungsbaus wäre gut. Das gilt für kommunale wie private Initiativen.

Hoffnung: Dass sich die Politik endlich der Probleme in angespannten Wohnungsmärkten annimmt und Lösungen präsentiert, die wirklich zu einer Entspannung führen.

Immobilienmarkt: Wenn keine Gesetzesänderungen kommen, dann werden vor allem in Großstädten wie München, Berlin oder Köln die Mieten weiter steigen. 

Juristen: Mit mir sind 24 Volljuristen im Mieterverein hauptberuflich tätig. Dazu kommen 24 Mitarbeiter in Verwaltung und Sekretariat.

Kinder: Das Hauptproblem der Familien, die zu uns kommen, ist, dass sie in zu kleinen Wohnungen leben, weil sie keine größeren finden. Gleichzeitig leben viele Ältere in für sie zu großen Wohnungen.

Leerstandsmelder: Der Leerstand geht zurück. 2021 konnten in München 450 zweckentfremdete Wohnungen zurückgeführt werden, davon 246 leerstehende und 132 als Feriendomizil vermietete.

Mietenstopp: Wir fordern sechs Jahre Mietenstopp in angespannten Wohnungsmärkten. Das Ziel ist, den Markt zu beruhigen und die Gewinnmaximierung von großen Unternehmen und Spekulanten in die Schranken zu weisen.

Nebenkostenabrechnung: Die wird diesmal von allen mit Angst erwartet. Zu den häufigsten Fehlerquellen zählt, dass Kosten abgerechnet werden, die der Vermieter laut Vertrag nicht abrechnen dürfte.

Online beraten wir nun auch, ebenso per E-Mail, Telefon und persönlich. Das wird sehr gut angenommen. Durch diesen Service ist die Nachfrage stark gestiegen und die Fragen sind mehr geworden.

Preisdeckel Gas: Da muss man nachbessern. Es gibt zwar eine Entlastung, aber die Mieter werden diese zum Teil erst 2024 merken, wenn sie ihre Abrechnung für 2023 erhalten.

Quadratmeterpreis: Der aktuelle Mietpreisschnitt in München beträgt 18,14 Euro. Die Spitzen liegen bei 28 bis 30 Euro in der Maxvorstadt, im Glockenbachviertel oder im Lehel. 

Rechtsberatung: Die häufigsten Fragen drehen sich nach wie vor um Betriebskosten, Mieterhöhungen, Kautionsrückzahlungen und zunehmend Eigenbedarfskündigungen. Es gibt aber auch Probleme wie Marihuana-Rauch vom Nachbarbalkon.

Sanierung ist ein Riesenthema. Aber Mieter können da leider sehr wenig selbst entscheiden. Nachgefragt wird aktuell zum Beispiel viel wegen Balkonsolaranlagen. 

Traumjob: Das ist mein Job für mich, weil er so vielseitig ist. Ich kann unterstützen, was ich im sozialen Bereich wichtig finde, mache Rechtsberatung, habe mit Personal und Presse zu tun.

Ukraine: Der Mieterverein setzt sich dafür ein, dass eine Untervermietung aus humanitären Gründen als berechtigtes Interesse anerkannt wird. Das gilt nicht nur für Geflüchtete aus der Ukraine.

Vereinsmitglieder bekommen bei uns ein umfassendes Beratungsangebot. Nichtmitglieder dürfen wir von Gesetzes wegen nicht beraten. Derzeit hat der Mieterverein München über 60 000 Erstmitglieder.

WGs gibt es nicht nur für Studenten, auch für Senioren und andere. Das sollte noch viel mehr gemacht und gefördert werden, gerade im Bereich von Alters-WGs wie dem Projekt „Wohnen für Hilfe“.

XL/XS: Beim Neubau entstehen meist Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen, viel zu wenig große, familienfreundliche Mieträume. Und wenn sie groß sind, dann meist Luxuswohnraum.

Yuppie: Wenn es so weitergeht, können sich bald nur noch Reiche München leisten. Wir spüren das Problem jetzt schon am Fachkräftemangel.

Zwischennutzungen sind prinzipiell sehr zu befürworten. Aber man sollte dies auch den kleinen Künstlern und Vertretern der Subkultur ermöglichen, wie jungen Bands und unbekannten Galeristen.

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