Erkan und Stefan: „Die Leute lachen uns schon wieder aus“

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Krimi-Star Andreas Föhr: Wo seine Leichen liegen

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A bis Z mit Forstrevierleiter Michael Matuschek

Michael Matuschek: „Ein Insektensterben als solches gibt’s im Wald nicht“

Michael Matuschek zeigt ein Stück Fichtenrinde, das von Borkenkäfern durchfurcht ist.
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Michael Matuschek zeigt ein Stück Fichtenrinde, das von Borkenkäfern durchfurcht ist.
Michael Matuschek ist immer mit seinem bayerischen Gebirgs-Schweißhund Jule unterwegs. Sie ist übrigens ein ausgebildeter Spürhund für den asiatischen Laubholzbockkäfer.
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Michael Matuschek ist immer mit seinem bayerischen Gebirgs-Schweißhund Jule unterwegs. Sie ist übrigens ein ausgebildeter Spürhund für den asiatischen Laubholzbockkäfer.
Hier zeigt Michael Matuschek eine vom Eschentriebsterben betroffene Baumgruppe im Perlacher Forst.
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Hier zeigt Michael Matuschek eine vom Eschentriebsterben betroffene Baumgruppe im Perlacher Forst.
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Rückegassen ermöglichen den Ernte- und Rückemaschinen eine möglichst schnelle und bodenschonende Fahrt in den und aus dem Wald.
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Rückegassen ermöglichen den Ernte- und Rückemaschinen eine möglichst schnelle und bodenschonende Fahrt in den und aus dem Wald.
In dieser Neuanpflanzung im Perlacher Forst wachsen bis zu 20 verschiedene Baumarten heran. Die zarten Setzlinge müssen durch Zäune vor Wildverbiss geschützt werden.
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In dieser Neuanpflanzung im Perlacher Forst wachsen bis zu 20 verschiedene Baumarten heran. Die zarten Setzlinge müssen durch Zäune vor Wildverbiss geschützt werden.
Mehr als fünf Fälle von Brandstiftung haben dem Perlacher Forst im vergangenen Jahr zugesetzt.
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Mehr als fünf Fälle von Brandstiftung haben dem Perlacher Forst im vergangenen Jahr zugesetzt.
Matuscheks Kollege Lorenz Hochhauser demonstriert, wie leicht ein vom Eschentriebsterben befallener Ast bricht.
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Matuscheks Kollege Lorenz Hochhauser demonstriert, wie leicht ein vom Eschentriebsterben befallener Ast bricht.

Der Wettlauf um die Rettung der Wälder hat längst begonnen. Hallo hat Forstrevierleiter Michael Matuschek bei einem Rundgang durch den Perlacher Forst begleitet

In Münchens Wäldern wird massiv gefällt – besonders jetzt vor dem 1. März, wenn offiziell die Vogel-Brutzeit beginnt. Der Aufschrei in der Münchner Bevölkerung ist groß. Doch das Auslichten der Wälder sei für deren Erhalt existenziell, andere aktuellen Baumfällungen dienten der Wegesicherung, erklärt Michael Matuschek, als Revierleiter im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zuständig für rund 5500 Hektar Wald im Stadtgebiet und Landkreis. Denn viele Bäume seien krank und vom Umfallen bedroht. „Der Klimawandel hat massivste Auswirkungen auf unsere Wald-Ökosysteme“, so der 40-Jährige. „In München werden die Auswirkungen durch das Stadtklima verstärkt.“ Ein Beispiel ist die rasante Verbreitung des Borkenkäfers in den Fichtenbeständen seit dem Hitzesommer 2015. „Wir rennen dem Schaden nur hinterher, andere Aufgaben kommen zu kurz“, bedauert Matuschek. Im Interview erklärt der Förster, welche Gefahren dem Wald noch drohen. Ursula Löschau

Forstrevierleiter Michael Matuschek (40) von A bis Z

Allacher Forst: Ein ökologisch sehr wertvoller Eichen-Lohwald. Dort mussten wir jetzt zur Wegesicherung vor allem Eschen entnehmen. Allerdings nicht so drastisch wie in den Isarauen, wo der Eschenanteil bei 80 Prozent liegt.

Bienen sind auch für den Wald extrem wichtig. Ein Insektensterben als solches gibt’s im Wald aber nicht. Im Gegenteil: Durch gezielte Förderung nehmen die Arten dort ständig zu.

Chemische Keule: Das wäre die letztmögliche Lösung, falls wir einen flächendeckenden Totalbefall hätten. Aber das habe ich in meiner zehnjährigen Amtszeit noch nicht erlebt.

Dringlichkeit: Nur die schnellstmögliche Bekämpfung des Borkenkäfers kann die Fichtenbestände noch retten, die sich seit 2015 radikal auflösen. Aus zwei nicht bekämpften Borkenkäfern können im Folgejahr 100 000 werden.

Eschentriebsterben: Ein aus Japan eingeschleppter Pilz sorgt seit zehn Jahren europaweit für einen flächendeckenden Befall. Etwa 95 Prozent der Eschenbestände sterben innerhalb sehr kurzer Zeit ab – auch in München, wo Eschen vor allem im Norden stark verbreitet sind. Befallene Bäume können bei Stürmen extrem leicht umfallen.

Fröttmaninger Heide: Es gibt dort ganz wertvolle Ökosysteme mit lichten Waldstrukturen und sehr vielen, vom Aussterben bedrohten Arten. Dazu gehören die Küchenschelle und die Rostbinde, ein Falter.

Grüne Stadt ist für die Waldflächen enorm wichtig. Nur sie kann in Kombination mit Kaltluftkorridoren solche extremen Temperaturentwicklungen in der Stadt abpuffern und deren Auswirkungen auf den Wald reduzieren.

Hitze und Trockenheit haben dramatische Folgen. Das Jahr 2015 hat uns das erste Mal gezeigt, wie schnell es gehen kann, dass Bäume sterben. Das war der Vorgeschmack auf das, was der Klimawandel bringt. Sollte die Erwärmung bei uns über vier Grad Celsius klettern, werden hier keine heimischen Bäume mehr wachsen.

Irritationen: Das Auslichten, die Rückegassen, Schutzzäune und der Einsatz von Maschinen im Wald sind in der Öffentlichkeit oft Stein des Anstoßes. Zum einen freut mich das, denn es zeigt, dass der Wald den Leuten wichtig ist. Aber ich hätte eine Bitte: Bevor man schimpft, sollte man fragen.

Jungholz: Es ist entscheidend, dass es da ist. Aber ebenso wichtig ist das Auslichten oder Durchforsten. Das ist dringend nötig für das Mischungsverhältnis im Wald und die Stabilität der Bäume.

Krisenmanagement: Daran sind im sogenannten „Cluster Holz“ viele beteiligt, wie die Waldbesitzer, Jäger, Holzhauer, Maschinenführer, holzverarbeitende Betriebe, das Forstamt und andere. Wir arbeiten immer eng zusammen, im Krisenfall muss es aber sehr schnell gehen.

Leinenzwang für Hunde: Davon halte ich nichts. Ein vernünftig mit seinem Hund umgehender Mensch ist kein Problem und einen Unvernünftigen werde ich nicht ändern können.

Mischwälder sind zukunftsträchtiger als Monokulturen. Wobei die Natur selbst oft Monokulturen schafft. Wir versuchen dagegen, die Wälder mit verschiedenen Baumarten anzureichern.

Nymphenburger Schlosspark: Das ist eine gestaltete Waldlandschaft mit wertvollen und kulturhistorisch interessanten Bäumen.

„Tiere nicht füttern – Sie haben keine Not“

Obstbäume: Wilde Arten wie Vogelkirsche, Wildbirne und -apfel wachsen oft an den Waldrändern. Sie sind wichtige Nahrungsquellen für Tiere und Blühpflanzen für Bienen.

Panzerwiese: Dort ist Offenland-Naturschutz angesagt.Bäume würden die seltenen Arten verdrängen. Deshalb findet auf der Panzerwiese eher ein ständiger Kampf gegen den Wald statt. Das ist nicht mein Bereich.

Der Borkenkäfer hat den Fichtenbestand bereits vielerorts stark dezimiert.

Quarantäne: Zur Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers gibt es Quarantäne-Zonen in Neubiberg und Feldkirchen. Die gute Nachricht: Seit drei Jahren gibt es keine Vorkommen mehr. Wir hoffen, die Quarantäne in Neubiberg heuer und die in Feldkirchen 2020 aufheben zu können.

Reiter und Radfahrer dürfen nur auf geeigneten Wegen in den Wald. Alle anderen können überall rumlaufen. Wir bitten nur um ausreichend Toleranz und Rücksichtnahme untereinander. Leider beobachten wir immer mehr das Gegenteil.

Stadtkompetenz: Die Stadt ist selbst ein großer Waldbesitzer und kann den Erhalt der Wälder über Raumordnungsverfahren steuern.

Tiere: Denen geht es sehr gut, auch vielen seltenen Arten wie dem Schwarzspecht. Daher der Appell, die Tiere nicht zu füttern. Sie haben keine Not.

Urwälder gibt es in München keine mehr. Unsere Wälder sind von Menschen geschaffene Nutzwälder. Viele sind allerdings schon vor langer Zeit, teils vor über 1000 Jahren entstanden.

Vogelbrutzeit: Wir versuchen, Arbeiten ab dem 1. März zu vermeiden. Bei der Borkenkäferbekämpfung und Wegesicherung geht’s aber nicht immer.

Waldbesitzer: Weit über die Hälfte der Forsten sind in Staatsbesitz, der Rest ist in privater und kommunaler Hand.

X-Drive: Ohne Maschinen geht es nicht. Sie sind vor allem schnell und bestandsschonend und bieten eine hohe Arbeitssicherheit.

Youth: Wir arbeiten mit dritten Grundschulklassen – rund 240 in unserem Forstrevier. Bei waldpädagogischen Angeboten stellen wir meist fest, dass 50 Prozent der Stadtkinder noch nie im Wald waren.

Zukunft: Unser Ziel sind gemischte, klimaresiliente also widerstandsfähige Wälder, die alle Waldfunktionen auf derselben Fläche erfüllen können. Daran wird aktiv gearbeitet.

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