Matthias Jabs im Gespräch mit Hallo München

Matthias Jabs: „Fünf Kampfjets sind über unsere Bühne geflogen“

+
Matthias Jabs: Gitarrist der Scorpions und Gitarrenshop-Betreiber in Haidhausen.

Kampfjets, Groupies und Gitarren-Schätze: Ja, die Scorpions haben es seit jeher richtig krachen lassen. In Hallo spricht Gitarrist Matthias Jabs über die Band, Schützenhilfe der US-Army und seinen Laden in Haidhausen.

„Wind Of Change“, „Rock You Like A Hurricane“ – die Songs der Scorpions sind weltbekannt. In Haidhausen kann man der Legende ein Stück näher kommen: Dort verkauft Gitarrist Matthias Jabs einige seiner Schmuckstücke. Wie die Stadt für ihn klingt und wie die Band in den 80ern Schützenhilfe von der US-Army erhielt, verrät er im Interview. von Sebastian Obermeir

Herr Jabs, wir beginnen unser Gespräch mit Rockstar-Klischees und welche davon auf die Scorpions zutreffen. Los geht es mit diesem: zerstörte Hotelzimmer.
Oh, das haben wir schon lange nicht mehr gemacht.

Tinnitus?
Ist leider sehr verbreitet. Auch bei uns in der Band, ich bin aber bisher verschont geblieben.

Hunderte Groupies.
Schon ewig lange nicht mehr.

Garagen voller Motorräder und Sportwagen.
Ja, schon.

Rockstars kriegen einen Tisch in Top-Restaurants – ohne Reservierung.
Ja, aber besser klappt’s auch für die Scorpions mit Reservierung.

Eigener Jet?
Nein, wir chartern.

In Haidhausen betreiben Sie mit MJ Guitars einen Gitarrenladen. Wie sind Sie denn dort gelandet?
Durch einen günstigen Zufall. Ein Kollege hat mir erzählt, dass es da diesen kleinen, tollen Laden in der Pariser Straße gibt, die Inhaber sich aber zur Ruhe setzen wollen.

Sie sind also vom Gitarren-Sammler zum Gitarren-Händler geworden?

Ich hatte immer schon meine eigenen Gitarrenmodelle und Leute fragten mich, wo sie die denn bekämen. Da ich ja nicht alle zu mir nach Hause einladen kann, war das Geschäft der perfekte Ort dafür.

Auch für das ein oder andere Konzert.
Zum 10-jährigen Jubiläum 2018 kamen Leute aus 30 verschiedenen Ländern. Die haben das Hardrock-Cafe und das Hofbräuhaus besucht. Und meinen Laden. Das Geschäft ist eine Art Forum für Scorpion-Fans und Gitarren-Fans geworden.

Wie viele Gitarren haben Sie?
Wenn ich das nur wüsste. Keith Richards soll mal gesagt haben: Wenn Sie sagen, ich hätte 300, könnte das sein. Wenn Sie sagen, ich hätte 900 könnte es genauso wahr sein. Wenn ich die aus dem Geschäft dazu zähle, bin ich in Richards Dimensionen, denk ich.

Eine der begehrtesten Gitarren der Welt gehört Ihnen.
Das ist eine Les Paul aus den 50er-Jahren. Ich habe das Glück, sogar zwei davon zu besitzen. Die haben mittlerweile einen Wert erreicht, mit dem man sich ein Häuschen kaufen kann. Aber nicht in München.

Gewinnen Sie Karten für „The Scorpions" in Regensburg

Wenn Deutschland eine Band wäre, welches Instrument würde München spielen?
Ein Blasinstrument. Am Chinesischen Turm hört man das.

Und Ihre Heimatstadt?
Hannover würde Gitarre spielen. Es gibt dort einige tolle Gitarristen.

Da ist eine Stelle bei den Scorpions schnell besetzt, oder? Sie kamen 1978 zur Band.
Am 18. Juni 1978 war ich beim Vorspielen. Ich wusste nicht, dass die Band einen Gitarristen braucht, und dass sie 130 Gitarristen vorspielen haben lassen. Ich habe einfach drauf los gespielt und hatte keinen Grund nervös zu sein. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn ich vom Casting gewusst hätte.

Wenn Sie ein Konzert Ihrer Karriere wiederholen könnten, welches wäre es?
Besonders in Erinnerung ist der Auftritt auf einem Festival im San Bernardino Valley vor 325 000 Menschen. Es war keine Bühnenshow mit Pyrotechnik und so weiter erlaubt. Wir dachten also: Was auf der Bühne nicht geht, machen wir in der Luft.

Ein Feuerwerk?
Wir haben bei der Militärbasis angerufen, ob sie mit fünf Kampfjets über die Bühne fliegen, genau zu dem Zeitpunkt, wenn wir spielen. Und weil sie Fans waren, machten sie das wirklich. Einer davon ist ja schon laut, es waren aber fünf. Die Leute waren geschockt. So haben wir auch richtig den Fuß in Amerika rein bekommen.

Die Scorpions hatten also Schützenhilfe.
Sozusagen. Heute wäre so etwas nicht mehr möglich. Mit Homeland Security und allem. „Land of the Free“ – das war einmal.

Zur Person

Geboren wurde Matthias Jabs am 25. Oktober 1955 in Hannover. Das zweite wichtige Datum in seinem Leben ist 18. Juni 1978 – das Vorspielen bei einer der erfolgreichsten Rockbands der Musikgeschichte: den Scorpions. Hits wie „Wind of Change“ oder „Rock You Like a Hurricane“ machten die Band rund um Sänger Klaus Meine und Gitarrist Matthias Jabs unsterblich.

Gewinnen Sie Karten für „The Scorpions" in Regensburg

Dass Matthias Jabs nicht nur Rock-Songs komponiert, sondern auch als Geschäftsmann erfolgreich ist, beweist er in München: 2008 eröffnete Jabs in Haidhausen das Gitarrengeschäft „MJGuitars“. Mit seiner zweiten Frau lebt Jabs bei Hannover.

Lesen Sie hier die News aus Münchens Vierteln

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Rainhard Fendrich – „Meine Generation hat eigentlich versagt“
Rainhard Fendrich – „Meine Generation hat eigentlich versagt“

Kommentare