A bis Z mit Krone-Raubtiertrainer Martin Lacey jr.

Martin Lacey jr.: „ Pauschale Verurteilungen, wie viele Tierrechtler sie treffen, sind falsch“

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Auf Kuschelkurs: Im Interview verrät Löwenmann Martin Lacey jr. seine Dressurtrick.

Sein Beruf ist umstritten, aber spannend. Martin Lacey jr. ist Raubtiertrainer im Circus Krone. Im Interview spricht er über seine Dressurtricks und darüber, wie er mit Anfeindungen umgeht

Geliebt oder gehasst – Raubtiertrainer Martin Lacey jr. polarisiert. Tierrechtler protestieren immer wieder gegen seine Show mit Löwen und Tigern, er selbst hat mehr als 50 000 Unterschriften von Münchnern gesammelt, die den Erhalt von Wildtieren im Circus befürworten. 

Seine Kritiker lädt er ein, sich davon zu überzeugen, wie gut die Tiere gehalten werden – auch jetzt in den kommenden zwei Wochen, wenn der 41-Jährige seine Löwen ausnahmsweise statt im Krone-Bau im größten reisenden Zirkuszelt der Welt vorführt: Am 4. April feiert das Circus Krone-Gastspiel „Mandana“ auf der Theresienwiese Premiere. 

Im Hallo-Interview gibt sich der gebürtige Engländer handzahm: Er verrät, warum ihm die Kritik weh tut, wie viel Geld er für gutes Futter ausgibt und warum Waschpulver ihm einmal fast zum Verhängnis wurde.

Krone-Raubtiertrainer Martin Lacey jr. (41) von A bis Z

Alpha-Löwe: Bin ich nicht, auch wenn das immer alle denken – sonst müsste ich jeden Tag kämpfen. Ich bin eher Dr. Dolittle – ich spreche mit meinen Tieren.

Belehrungen: Zwar bin ich der Tierlehrer, meine Tiere belehren aber genauso mich. Denn sie zeigen mir, was sie können und was sie auch gerne machen.

Christel Sembach-Krone: Für mich war sie immer Frau Christel. Ich habe sehr großen Respekt vor dieser starken Persönlichkeit und ihrem Umgang mit den Tieren. Außerdem war sie wie eine zweite Mutter für mich.

Dompteur: Diesen Begriff finde ich altmodisch. Ich sehe mich als Tierlehrer.

England: Mit 18 Jahren bin ich von dort weg. Jetzt ist München meine Heimat. Was mir hier viel besser gefällt als in England, ist, dass man schneller Auto fahren darf (lacht).

Fleisch ist natürlich sehr wichtig für meine Tiere, da sie keine Vegetarier sind. Sie bekommen nur das Beste: Rind, Hühnchen, Herz, Leber, Pansen. Das kostet für 23 Löwen und drei Tiger rund 20 000 Euro pro Monat.

Gefährliche Situationen entstehen, wenn man keinen Respekt hat. Vor ein paar Jahren hatte ich einen Unfall: Ich bin gestolpert und wurde gebissen, das war ein natürlicher Reflex des Löwen. Seitdem habe ich eine Narbe am Kinn.

Hassbriefe bekommen wir durchaus. Leider sind viele Leute nicht informiert. Sie haben eine Meinung, ohne zu schauen, wie es unseren Tieren wirklich geht. Aber wir bekommen noch viel, viel mehr schöne Briefe!

Internat: Ich komme aus einer englischen Zirkusfamilie, bin mit Tieren aufgewachsen. Als ich ein Internat besucht habe, haben sie mir sehr gefehlt. Deshalb bin ich nach der Schule zu ihnen zurück.

Jeder, der möchte, darf den Krone-Zoo besichtigen und sich selbst davon überzeugen, dass es unseren Tieren gut geht. Transparenz ist sehr wichtig. Pauschale Verurteilungen, wie viele Tierrechtler sie treffen, sind falsch. Natürlich gibt es schwarze Schafe, aber die gibt es in jeder Branche. Nicht jeder Zoo und jeder Zirkus sind gleich.

Konzentration: Ein Löwe kann sich etwa 15 bis maximal 40 Minuten am Stück konzentrieren. Es ist wie mit Kindern in der Schule. Deswegen probe ich mit ihnen immer nur kurz, dafür oft.

Lacey Fund: Den Verein habe ich gegründet, um die Haltungsbedingungen von Tieren zu verbessern. Wir informieren beispielsweise auch Politiker oder Kinder.

„Respekt und Vertrauen ist das Wichtigste“

Mandana: Erstmals erzählen wir eine richtige Geschichte: Die Pferdeprinzessin, meine Frau Jana Mandana Lacey-Krone, verliebt sich in den Löwenmann – natürlich in mich (lacht). Es wird sehr lustig, aber auch emotional.

Nashorn: Tsavo war mein Baby. Dass er Anfang März gestorben ist, ist immer noch hart. Ich weiß sofort, wenn es einem meiner Tiere nicht gut geht. Wenn sie sterben, macht einen das kaputt.

Orchestermusik stört die Tiere nicht, da die Musik nach außen zu den Zuschauern gerichtet ist. Meine Löwen hören in der Manege trotzdem jedes Wort von mir. 

Peitschen benutze ich nicht. Ich habe einen Signal-Stock aus Bambus, eigentlich für Tomaten gedacht.

Quälerei: Ein sehr emotionales Thema für mich. Es tut mir sehr weh, wenn man mir vorwirft, ich würde Tiere quälen. Sie haben alles, was sie brauchen.

Respekt und Vertrauen sind das Wichtigste. Ich habe für meine Tiere mütterliche Gefühle – und das wissen sie.

Sohn: Ich bemühe mich, ein guter Vater für Alexis (11) zu sein, fürchte aber, dass ich immer etwas zu wenig Zeit für ihn habe. Im dritten Programm trat er mit einer eigenen Kamel-Nummer auf. Wir machen ihm aber keinen Druck, er muss später nicht in unsere Fußstapfen treten.

Täglich laufe ich mit meinen Tieren 20 Kilometer. Da brauche ich keinen extra Sport mehr. Langsam bekomme ich zwar einen kleinen Bauch – aber das ist okay mit 41. Ich liebe das Münchner Bier!

Unterwegs: Wir bereisen im Jahr 25 Städte mit rund 170 Wagen und legen dabei 3000 Kilometer zurück. Den Tieren macht das nichts aus. Verschiedene wissenschaftliche Tests haben gezeigt, dass weder ihre Stress- noch ihre Belastungswerte erhöht sind.

Verkleidung: Wenn ich ein neues Kostüm bekomme, teste ich, wie meine Löwen darauf reagieren, indem ich neben dem Gehege auf und ab laufe. Denn wenn ein Löwe Angst hat, wird das gefährlich für mich. In erster Linie geht es aber um den Geruch. Einmal wurde ich in gewohntem Kostüm angeknurrt. Dann habe ich herausgfunden, dass das Waschpulver gewechselt wurde. Das musste sofort wieder ausgetauscht werden.

Wohnwagen: Die eine Hälfte des Jahres lebe ich mit meiner Familie in einem Wohnwagen, die andere Hälfte in einer Villa direkt neben dem Circus Krone-Bau. Früher fand ich das Leben im Wagen toller, mittlerweile lernt man festen Boden oder gleichmäßigen Wasserdruck zu schätzen.

XL/XS: Das größte Tier bei uns ist der Elefant Bara. Das kleinste der Yorkshire-Terrier Sushi.

Youngsters: Im Sommer 2012 kamen in einem Wurf erstmals sechs weiße Löwenbabys zur Welt. Das gab es noch nie! Im Moment nehmen aber alle Damen die Pille.

Zukunft: Ich freue mich jetzt erst mal auf die neue Show – und auf viele weitere Jahre Zircus mit Tieren.

Verlosung

Wenn jetzt das Krone-Gastspiel „Mandana“ auf der Theresienwiese Premiere feiert, tritt Lacey dort mit seinen Löwen und Tigern im größten reisenden Zirkuszelt der Welt auf.

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Teilnahmeschluss ist der 8. April.

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