A bis Z mit Cornelia Corba

Cornelia Corba: „Wir brauchen mehr Rollen für starke Frauen ab 40“

+
Cornelia Corba am Franz-Wedekind-Platz mit der berühmten schiefen Laterne, dem Symbol der „Schwabinger Gisela“.

Die Künstlerin Cornelia Corba lässt eine Münchner Kult-Wirtin aufleben: die Schwabinger Gisela. Was sie auszeichnete und welche starke Münchnerin Corba als nächstes portraitiert, verrät sie im Interview.

„Der Novak lässt mich nicht verkommen“ – Lieder wie diese machten die „Schwabinger Gisela“ zu einer Ikone und ihre Kneipe „Bei Gisela“ zu einer Institution. Dort, wo die Kneipe einst war, im heutigen Vereinsheim, wird die Münchner Künstlerin Cornelia Corba am 15. Mai auftreten. 

Die 50-Jährige verwandelt sich mit Schauspiel, Gesang und Tanz in die Hauptrollen ihrer Ein-Frau-Bühnenshows. Ob, wie jetzt, in die verruchte Kneipenwirtin oder kommendes Jahr als legendäre Komödiantin Liesl Karlstadt: Corba erweist den verstorbenen Künstlerinnen Hommage: „Sie waren so starke Persönlichkeiten und haben sich durchgesetzt.“

Corba selbst kennt schwerste Zeiten, zog nach dem frühen Herz-Tod ihrer Schwester Beatrice vor 19 Jahren deren Sohn Benjamin (heute 22) auf. Zehn Jahre später musste sie den plötzlichen Verlust ihres Lebensgefährten, Tommy Fuchsberger, verkraften, als der Diabetiker unterzuckert ertrank. 

Hallo München hat Corba, die im Würmtal lebt, in Schwabing getroffen. Im A bis Z verrät sie, wie sie die Schicksalsschläge in ihrem Leben meisterte und warum Bussi-Bussi besser ist als sein Ruf. von Marie Julie Hlawica

Künstlerin Cornelia Corba (50) von A bis Z

Alter ist für mich kein Problem, ich bin 1969 geboren. Aber ich schließe mich der Forderung meiner Kollegin Maria Furtwängler an die TV-Produzenten an: Wir brauchen mehr Rollen für starke Frauen ab 40.

Bussi-Bussi – dieser Brauch hat einfach einen schlechten Ruf. Ich gebe gerne Bussis, wenn es nicht oberflächlich ist und von Herzen kommt. Ein Bussi ist doch besser als Streit!

Camping? Das war Familienurlaub in Grado, Jesolo, in den 70ern. Einmal mussten wir im Sturm die ganze Nacht die Zeltstangen festhalten. Heute genieße ich gern ein gutes Hotel.

Dialekt habe ich kaum, eher ein gepflegtes Münchnerisch. Für bayerische Rollen ist es nicht genug, da muss ich üben. Denn das Gscherte, das Ordinäre, das liegt mir nicht. Das bin ich nicht, es geht über meine Schmerzgrenze.

Erotik gehört zum Leben einer Künstlerin dazu! In Frankreich leben Frauen ihre spannende, elegante, sinnliche und unergründliche Seite. Hier ist das verlorengegangen, Erotik wird mit billig verwechselt. Ich gehe auch in eine Burlesque-Tanz-Gruppe, weil mir dieser Ausdruckstanz so gefällt.

Familie ist mir sehr wichtig. Mit meiner Mutter und dem Sohn meiner verstorbenen Schwester leben wir in einem Drei-Generationen-Haus, jeder hat seine eigene Etage.

Gisela, wie die Schwabingerin Gisela Jonas. Was für eine starke Persönlichkeit! Sie war eine Münchner Institution, mutig mit ihrer verruchten Art, frech und in der Männergesellschaft akzeptiert. Wie auch Liesl Karlstadt, die ich im nächsten Jahr auf der Bühne spiele.

Haltung: Darauf lege ich sehr viel Wert. Ich handle immer überlegt, wäge gut ab, mache mir viele Gedanken. Ich bin nicht sehr spontan, überlege lange, bevor ich die richtige Entscheidungen treffe. Vielleicht bin ich zu brav?

Idole da gibt es einige. Ich bewundere starke Persönlichkeiten, wie den Dirigenten Carlos Kleiber oder den Produzenten August Everding, mit denen ich arbeiten durfte.

Jugendwahn ist ein Riesenthema. Dabei könne wir Frauen ab 40 ein Vorbild für die junge Generation sein, wenn es den Fernsehstoff gäbe. Und außerdem ist man heute mit 50 nicht mehr alt (lacht).

Karriere hat man auch mit viel Talent nicht alleine in der Hand. Ich war auf dem Richard-Strauss-Konservatorium in München, habe Stipendien bekommen. Ich war immer fleißig.

Leben kann man nicht steuern. Das habe ich durch den Tod meiner Schwester, den Tod meines Partners gelernt. Ich nehme die Dinge aber auch an, wie sie kommen.

München ist die Stadt, in der ich geboren bin, in der ich gerne lebe, in der ich mich zuhause fühle. Ich reise viel, komme aber immer wieder gerne zurück. Ich habe einige Lieblingsorte, an denen ich zur Ruhe komme.

Cornelia Corba (50) verwandelt sich mit Schauspiel, Gesang und Tanz in die Hauptrollen ihrer Ein-Frau-Bühnenshows.

Not kann ich nicht mit ansehen. Ich gebe Benefizveranstaltungen, etwa für den Verein „respekTiere“. Engagement ist keine Frage der Erziehung. Diese Einstellung muss man als Mensch mitbringen. Ich freue mich, wenn ich junge Leute treffe, die helfen.

Occamstraße – da hatte ich als Dreizehnjährige unter meinem Künstlernamen „Ailen Roc“ ein Silvesterkonzert. Damals wurde zum Jahreswechsel wild geschossen, mit echter Munition. Danach wollte ich da nie wieder hin. Und jetzt stehe ich dort auf der Bühne.

Projekte bereite ich alleine vor. Von Anfang bis zum Auftritt. Ich recherchiere, lese, sehe Fotos, Filme. Ich lebe mich in die Rolle ein. Für mich sind meine Auftritte eine Hommage an diese starken Frauen, die ich portraitiere.

Quellen kann es für mich nicht genug geben, wenn ich mich auf eine Rolle vorbereite. Ich lebe mich gerne in die Figuren, die ich spiele, ein. Wie Alexandra, June Carter, die Monroe. Ich liebe jede einzelne Figur, die ich spiele.

Rollen: Der verstorbene Traumschiff-Produzent Wolfgang Rademann riet mir, mich auf eine Rolle festzulegen. Warum? Ich bin gerne ein echtes Chamäleon.

Schicksalsschläge akzeptiere ich. Es arbeitet in dir, wenn du geliebte Menschen verlierst, es ist eine Grenzerfahrung. Warum, fragt man. Der Tod macht einen anderen Menschen aus dir. Aber ich weiß: Ich bin mit dem Schicksal nicht allein.

TV: Ja, bitte. Ich stehe gerne vor der Kamera. Einen der ersten Auftritte hatte ich in „Die sechs Siebeng’scheiten“. Weil ich als Schülerin so gute Noten hatte, war ich als Rate-Kandidatin in die BR-Sendung eingeladen.

Unternehmungslustig bin ich, langweilig darf mir nie werden. Es gibt tagtäglich schöne Sachen im Leben, man muss sie nur sehen!

Vorbilder sind für mich Frauen wie die Schwabinger Gisela, die Liesl Karlstadt. Sie hatten es in ihrer Zeit als Frauen schwer, in den Männerdomänen zu bestehen, aber sie haben sich durchgesetzt. Gisela mit ihrer Kneipe und Liesl als Komikerin.

Witwe, ja so fühle ich mich – auch ohne einen Trauschein gehabt zu haben. Ich habe vor neun Jahren meinen Lebensgefährten Tommy Fuchsberger verloren. Ob ich mich noch einmal verliebe? Ich hoffe es. Allerdings müsste der Mann perfekt sein!

Zukunft: Ich sehe mich mit 100 noch auf der Bühne stehen, möchte noch so vieles ausprobieren, alle Facetten an mir kennenlernen. Ich bin sehr gespannt, was noch auf mich wartet.

Lesen Sie hier aktuelle Nachrichten aus den Stadtvierteln

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Von Sturmtrachtler bis Münchner Gsindl: Karikaturist Julian Opitz zeigt neue Werke
Von Sturmtrachtler bis Münchner Gsindl: Karikaturist Julian Opitz zeigt neue Werke
Manfred von Papen: Muss der Kult-Cartoonist Haidhausen verlassen?
Manfred von Papen: Muss der Kult-Cartoonist Haidhausen verlassen?
Im Kampf gegen Lärm und Vandalismus: Polizei Planegg befürwortet Sicherheitswacht
Im Kampf gegen Lärm und Vandalismus: Polizei Planegg befürwortet Sicherheitswacht
Gerd Baumann: „Heimat ist ein Label, das aufgestülpt wird“
Gerd Baumann: „Heimat ist ein Label, das aufgestülpt wird“

Kommentare