A bis Z mit Kräuterkundlerin und Buchautorin Astrid Süßmuth

Astrid Süßmuth: „Die Schulmedizin hat ihre Grenzen“

+
Ob Frühjahrsmüdigkeit oder Vitaminmangel nach dem langen Winter: Die Gautinger Heilpraktikerin und Kräuterkundlerin Astrid Süßmuth (46) hat immer ein passendes Mittel aus der Natur parat.

Jedem Kraut gewachsen: Die Gautinger Heilpraktikerin und Kräuterkundlerin Astrid Süßmuth (46) kennt für jedes Wehwehchen den richtigen Helfer aus der Natur. In Hallo verrät sie ihre besten Tipps

Zu ihrer Leidenschaft gekommen ist Astrid Süßmuth (46) aus der Not heraus. Zwei Jahre lang irrte die Gautingerin mit ihrem Sohn von Arzt zu Arzt. Keiner konnte gegen dessen Verdauungsprobleme etwas tun. Am Ende landeten sie bei einem Heilpraktiker. „Der hat mit einer simplen Kräutermischung die Bauchspeicheldrüse entgiftet. Nach drei Wochen war alles vorbei. Das hat mich fasziniert.“ 

So sehr, dass sie selbst Heilpraktikerin wurde und heute unter anderem bei der Münchner Volkshochschule Kräuterkurse gibt. „Ich möchte, dass sich mehr Leute bei Sachen wie Sonnenbrand oder Blasenentzündung selbst helfen können“, so Süßmuth.

Im Bayerischen Rundfunk ist sie regelmäßig bei der kräuterkulturellen Sendung „Habe die Ehre!“ zu hören. Mit ihrer Talk-Partnerin und Freundin Conny Glogger hat sie jetzt das Buch „Kräuterbrauchtum durchs Jahr“ veröffentlicht. Welche Pflanzen uns jetzt zum Frühlingsbeginn fit machen und warum man jemanden mit Löwenzahn sogar umbringen kann, verrät Süßmuth im Interview von A bis Z.

Romy Ebert-Adeikis

Kräuterexpertin Astrid Süßmuth (46) von A bis Z

Arnika ist einer der wichtigsten Heilpflanzen, die ich kenne. Sie wirkt schmerzlindernd und desinfizierend bei stumpfen Verletzungen wie Blutergüssen. Weil sie die Durchblutung fördert ist sie auch eine Herzheilpflanze.

Bärlauch gibt es momentan überall. Bärlauch entgiftet, senkt Cholesterin und Blutdruck. Gekocht oder getrocknet geht die Wirkung aber verloren. Außerdem sollte man vorsichtig sein: Die Verwechslungsgefahr zu Herbstzeitlose oder Mai­glöckchen ist sehr hoch. Auf keinen Fall sollte man zum Beispiel Facebook-Fotos nachgehen.

Cannabis: Mit bewusstseinserweiternden Pflanzen will ich als Mutter nichts zu tun haben – anders als mancher Kräuter-Guru. Im übrigen: Hanf wirkt auch ohne THC beruhigend.

Doktor: Es ist irre, was die Schulmedizin heute alles leistet. Sie ist so gut, dass viele eine Zeit lang dachten, dass man Kräuter nicht mehr braucht. Aber sie hat Grenzen.

Eisenkraut: Jahrtausendelang das Mittel für Geburten, weil es die Wehen anregt. Ich habe es selbst ausprobiert, als ich mit meiner Tochter schwanger war und in der Nacht vorm geplanten Kaiserschnitt zwei Liter Eisenkrauttee getrunken habe. Kurz gesagt: Es funktioniert.

Frühjahrsmüdigkeit: Dagegen hilft die Brennessel, eine sogenannte psycho­aktive Pflanze. Sie macht als Tee oder Salat klar und wach dank viel Vitamin C, Eisen und Chlorophyll.

Großvater hat mich als Kind zum Bergsteigen mitgenommen und kannte sich super aus. Für ihn waren Pflanzen belebte Wesen, mit denen man spricht. Er sagte mir etwa, dass ich auf die Einbeere achten soll, wenn ich mich verirre. Mit dieser würden die drei Waldfräulein auf mich aufpassen.

Haut: Knackt man die Blätter der Hauswurz auf, ist innen ein Gel, das kühlend, hautheilend und Juckreiz lindernd wirkt. Das vertragen auch Kinder mit Neurodermitis.

Ingenieurwesen habe ich studiert, genauso wie Altphilologie. Seit 2008 bin ich Heilpraktikerin.

Johanniskraut: Daraus mache ich jedes Jahr Rotöl, das zum Beispiel bei Sonnenbrand hilft. Zudem wirkt es stimmungsaufhellend. Aber die Einnahme senkt auch die Wirkung der Anti-Baby-Pille...

Kamille ist das Mittel für kranke Kinder. Man kann damit nichts falsch machen, egal, was man hat.

Löwenzahn entwässert, entgiftet die Leber und fördert den Gallenfluss. Darum wird er gern für eine Frühjahrskur genutzt. Aber damit kann man auch jemanden umbringen – etwa wenn sich dadurch Gallensteine unglücklich lösen.

Migräne: Bei rechtsseitiger Migräne hilft das Mutterkraut, wenn man täglich ein nagelgroßes Blatt isst.

„Unkraut gibt es für mich nicht“

Neunkräutersuppe wird traditonell am Gründonnerstag gegessen, weil die Kräuter dem Körper nach dem langen Winter das geben, was er braucht: Eisen oder Vitamin C. Welche neun Kräuter man dafür verwendet, ist regional unterschiedlich.

Ostern: Karfreitag isst man traditionell Meerettich, der die Bitterkeit des Todes darstellt. Gleichzeitig räumt er nach der Fastenzeit nicht abbaubare Schlacken im Bauch auf.

Petersilie bringt den Mann aufs Pferd und die Frau unter die Erd, heißt es in Volksliedern. Denn sie ist ein Prostatastärkungsmittel und war für Frauen früher ein wichtiges Abtreibungsmittel. Darum: Auf keinen Fall während der Schwangerschaft zu große Mengen essen.

Quacksalber: Dass Kräuter Wirkstoffe enthalten, wird heute von vielen akzeptiert – wieder.

Ringelblume: Die „Calendula“ blüht länger als viele andere Pflanzen und ist ein schönes Wundheilmittel.

Salbei: „Warum stirbt der Mensch, wenn er Salbei im Garten hat?“, hieß es bei der wichtigsten Medizinfakultät des Mittelalters im italienischen Salerno. Salbei ist ausgesprochen antibakteriell und hilft bei Erkältungen. Er ist auch antiviral. Dabei sagt die Schulmedizin, dass es eigentlich nichts gegen Viren gibt.

Tinkturen verwende ich am meisten. Man kann sie tropfenweise einnehmen, zu Salben verarbeiten oder Umschläge damit machen.

Unkraut gibt es für mich nicht. Ich habe noch keine unnütze Pflanze ohne jegliche Wirkung gesehen – außer vielleicht hochgezüchtete Schnittrosen.

Verdauung: Sehr viele Heilpflanzen wirken anregend für die Verdauung – etwa Meisterwurz, Silberdistel oder Beifuß.

X-kursionen mache ich total gern, zum Beispiel ins Höllental. Aber auch die Wälder um München sind besonders. Wir haben hier Mischwälder mit einer großen Artenvielfalt und zig Biotope.

Ysop: Ein Mittel, um die letzten Kraftreserven anzuschubsen – zum Beispiel als Tee, wenn man eine Nacht durcharbeiten muss. Die Römer haben es den zum Kreuz Verurteilten gegeben, damit sie diese noch etwas länger leiden sehen konnten.

Zeit: Wann die richtige Zeit zum Pflücken ist, ist von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich. Viele haben am frühen Morgen die meisten Inhaltsstoffe. Manche öffnen erst nachts ihre Blüten. Grundsätzlich gilt aber: Nie bei Regen ernten.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Jeanette Biedermann – Ihre wilden 90er sind zurück
Jeanette Biedermann – Ihre wilden 90er sind zurück

Kommentare