A bis Z mit Karin Engelhard

Karin Engelhard: „Meine Rettung war meine Tupperschüssel“

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Sie stand schon mit Thomas Gottschalk auf der großen Bühne – Karin Engelhard.

Kabarettistin, Schauspielerin, Lockvogel, gute Seele: Das „versteckte“ Talent - Karin Engelhard. Mit Hallo spricht sie über ihr Geheimrezept und wieso ihr eine Tupperschüssel das Leben rettete.

Eigentlich passt der Begriff „verstecken“ so gar nicht zur quirligen 54-Jährigen. Karin Engelhard ist ein Sonnenschein, nicht auf den Mund gefallen, hilfsbereit und schnell im Mittelpunkt eines Raumes.

Gleichzeitig trifft es der Begriff wie kaum ein zweiter: Statt wie erhofft nach Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin und Schauspielschule Hauptrollen in Serien und Fernsehfilmen zu spielen, agierte sie über 60 Mal als Lockvogel in diversen Versteckte-Kamera-Formaten, arbeitete als Lichtdouble bei „Wetten dass...?“ und ergatterte dutzende Nebenrollen in Serien wie „Hubert & Staller“, „Rosenheim Cops“, „Der Bulle von Tölz“ oder der „Lindenstraße“.

Demnächst spielt sie aber wieder einmal die Hauptrolle: Mit ihrem sechsten Bühnenprogramm „Die letzten Jahre“ feiert sie am Freitag, 17. Mai, in der Drehleier Premiere. (Hallo verlost Karten)

Was dort geboten sein wird, warum der BR ein eigenes Archiv von ihr haben müsste und wieso sie bereits 80 Brautkleider getragen hat, obwohl sie noch nie verheiratet war, verrät die gebürtige Fränkin und Wahl-Bogenhauserin hier. von Marco Litzlbauer

Schauspielerin und Kabarettistin Karin Engelhard (54) von A bis Z

Achtziger: Mode, Musik – meine Zeit! Und Ende der 80er habe ich meinen heutigen Weg eingeschlagen.

Bogenhausen: Als ich hergezogen bin, hatte es noch einen ruhigen, fast ländlichen Charakter. Die Leute haben noch „Grüß Gott“ gesagt, wenn man sich begegnet ist. Jetzt blicke ich auf eine Hauswand statt ins Grüne. Wenn ich in der Tram an der Mae West vorbeifahre, fühle ich mich zwar trotzdem noch daheim, dennoch überlege ich, aufs Land zu ziehen.

Club: Ich frage mich aktuell: San die Leute so schiach gworden? In der Disco ist es mittlerweile stockfinster und statt zu tanzen, stehen die Leute auf der Tanzfläche als würden sie auf einen Bus warten. Zum Glück gibt es den Seniorentanz, da kann man auch hingehen.

Denver Clan: Es gibt von mir ein „Christal“-Foto – ich habe modetechnisch immer nachgeeifert. Damals konnte ich mir die Kostüme nicht leisten, mittlerweile habe ich mir zum Beispiel die neonfarbene Fledermausjacke für einen Auftritt gekauft. Heute kann man sich die 80er für kleines Geld auf Flohmärkten zurückholen.

Engel, Granate - Urviech

Engel: Man sagt mir nach ich sei ein Engel – aber auch eine Granate und ein Urviech.

Fränkin: War anfangs ein Problem in München. „Franken gehört nicht zu Bayern“ hieß es. Bei meinen Bewerbungen fürs Fernsehen habe ich oft zu hören bekommen: „Sie können wir nicht nehmen, Sie haben eine Sprach-Verirrung.“

Geheimrezept: Einfach machen! Dass ich jetzt zehn Kilo abgenommen habe, habe ich aber auch der Unterstützung einer Freundin zu verdanken. Ganz verboten habe ich mir aber nichts, dazu liebe ich Kuchen zu sehr.

Heimat: Ich fühle mich mittlerweile in München daheim und werde hier in der Region bleiben. Jetzt, wo man mich hier endlich versteht.

Inspiration: In meiner Küche hing früher ein Bild vom Eiffelturm mit dem Spruch „Wer hoch hinaus will, braucht ein starkes Fundament.“ Meines ist Authentizität.

„Ich liebe Glitzer und Glamour“

Jubiläum: Ich feiere mit meinem neuen Programm 15 Jahre Bühne, 25 Jahre München und 50 Jahre Träume leben. Mit Vier habe ich im Kindergarten zum ersten Mal etwas vorgespielt und wusste schon damals: Das will ich machen.

Hallo verlost Karten für das neue Programm „Die letzten Jahre“ von Karin Engelhard

Kostüme: Ich liebe Glitzer und Glamour. Schon als Kind habe ich mir Mutters rosafarbene Tagesdecke umgewickelt und auf Diva gemacht.

Lernen: Früher konnte ich mich nicht konzentrieren. „Der willigen Schülerin fehlte es an Aufmerksamkeit“ stand oft im Zeugnis. Es wäre einfach gewesen zu sagen: „So bin ich halt.“ Aber ich habe daran gearbeitet und kann heute zum Beispiel 40 Seiten Text lernen.

Bei einer Nebenrolle in der Lindenstraße spielte Karin Engelhard neben Marie-Luise Marjan.

Model: Ich habe mal als Brautmoden-Model gearbeitet und über 80 Brautkleider angehabt, obwohl ich nie geheiratet habe. Im Herbst laufe ich für Lola Paltinger.

Nebenrollen gab es viele. In Erinnerung geblieben ist unter anderem die Lindenstraße. Da habe ich mich über zehn Jahre lang immer wieder beworben, bis man mich endlich als Krankenschwester genommen hat – und mich gefragt hat, warum ich mich nicht schon früher beworben hätte…

„Morgens Flohmarkt, abends roter Teppich“

Oide Wiesn: Da habe ich zuletzt im Museumszelt gearbeitet – als Moderatorin, Animateurin, Unterhalterin. Wenn es meine Termine zulassen, bin ich heuer wieder dabei.

Programm: „Die letzten Jahre“ ist eine Rückschau auf mein Leben – in dem sich jeder wiederfinden kann. Das bunte Leben in all seinen Facetten in Sprache, Musik und Bildern.

Querungen: Ich habe vieles ausprobiert, war aber immer ich – Karin Engelhard. Ich bin Comedy, Kabarett, Musik – mal lustig, mal traurig. Ist es nicht herrlich, man selbst sein zu können und keine stringente Rolle spielen zu müssen?

Rettung: Meine Rettung war meine Tupperschüssel. Das klingt nach einem Witz, aber als Künstler gab es immer mal Zeiten, wo man froh war, dass man sich bei Veranstaltungen etwas für zuhause mitnehmen konnte. Ich sage immer: morgens Flohmarkt, abends roter Teppich.

Synchronsprechen war auch ein Fach auf der Schauspielakademie – und würde sich mittlerweile vielleicht lohnen. Jetzt, da Dialekt ausstirbt aber eigentlich „in“ ist.

TÜV: Mein Autokennzeichen fängt mit den Buchstaben MUT an. Bei der Zulassungsstelle habe ich mit den Sachbearbeitern so einen Spaß gehabt, dass Sie vergessen hatten, das Kennzeichen abzustempeln. Umso besser konnte man das MUT lesen – auch mein Motto.

„X-mal wurde ich abgelehnt“

Ungeschminkte Wahrheit: So hießen meine kurzen Facebook-Videos, die ich jüngst morgens gepostet habe. In Zeiten, in denen sich jeder nur mit Photoshop-Filtern präsentiert, wollte ich was anderes machen.

Verstecken: Vorsicht Kamera, Versteckte Kamera, Verstehen Sie Spaß – insgesamt habe ich über 60 Mal die Rolle des Lockvogels übernommen.

Wetten dass...? Da war ich oft als Lichtdouble engagiert, war bei den Proben mal Whitney Houston, mal Kylie Minogue. Da habe ich nicht nur viele dieser Stars kennengelernt, sondern auch viel gelernt.

X-mal wurde ich abgelehnt. Der BR müsste ein Archiv nur mit meinen Bewerbungen haben (lacht). Aber nur deshalb mache ich heute mein Ding.

Yippie sage ich genau jetzt! Ich bin glücklich und angekommen.

Zamperl: Mein Hund Louis bleibt bei meinen Auftritten daheim. Auch wenn er dann immer beleidigt ist und demonstrativ die Wand anschaut.

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