Ich bereue nichts!

Kabarettist Wolfgang Krebs über Herausforderungen, Respektlosigkeiten & Ja-Sager

Kabarettist Michael Krebs
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Der Kabarettist Michael Krebs im Interview mit Hallo München.
  • Claudia Theurer
    vonClaudia Theurer
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Der Kabarettist Wolfgang Krebs erzählt im Interview, warum er lieber kein Ministerpräsident sein möchte und wie er Corona erlebt.

Er ist der wandlungsfähigste „Herr Ministerpräsident“, den Bayern je hatte. Und er hat sie alle drauf: Stoiber, Söder, Beckstein, Seehofer, aber auch Joachim Herrmann oder „Hubsi“ Aiwanger. Morgens ist er als ministerpräsidentiale Dreifaltigkeit in Bayern 1 zu hören. Und seit 2004 hält Wolfgang Krebs jeden Donnerstag in der BR-Fernsehsendung „Quer“ seine staatsoberhäuptlichen Köpfe hin. Drei Jahre lang, von 2010 bis 2013, imitierte er Horst Seehofer auf dem Nockherberg. Aber, so meint er, selber möchte er kein Ministerpräsident sein. Wegen der vielen Anfeindungen und Respektlosigkeiten. Warum er Kabarettist geworden ist, was er als Oberbayer an Oberbayern findet und wie er die Herausforderungen der Corona-Zeit erlebt, erklärt er hier von A bis Z.

Wolfgang Krebs (54) im A-Z Interview mit Hallo München

Angst vor Altersarmut habe ich nicht, weil ich die vergangenen Jahre etwas zurücklegen konnte.

Baerbock: Die ist mir zum Imitieren zu jung. Auch Sebastian Kurz ist für mich schwierig.

Charaktereigenschaften: Meine beste ist meine Hilfsbereitschaft. Am schlimmsten ist dabei, dass ich nicht Nein sagen kann. Und mir dann immer denke, meine Güte, da hab i scho wieder...

Doof finde ich Ignoranz und Ausgrenzung. Auch, wenn man anderer Leute Wünsche ignoriert, nur auf sich selber schaut und nix dazulernt.

Einfühlungsvermögen: Eine liebe Freundin hat mir bescheinigt, ich würde denken wie eine Frau. Keine Ahnung, was sie damit gemeint hat. Ich fühle mich trotzdem sehr geschmeichelt.

Freude bereitet mir, anderen Freude zu bringen. Ein Lächeln, das man aussendet, kommt dann zu dir zurück.

Gratwanderung hatte ich mal bei einem Auftritt in Wildbad Kreuth. Da waren Seehofer, Söder, Waigel. Es war erstmal ein komisches Gefühl vor lebenden Politikern aufzutreten. Es ist mir aber gelungen, dass ich mich nicht zum Hofnarren gemacht habe.

Herausforderung ist für mich die Corona-Zeit. Weil ich bis zum heutigen Tage nicht sagen kann, wann mein nächster Auftritt stattfinden wird. Diese Perspektivlosigkeit, gepaart mit Hoffnung...

Imitieren: Am liebsten nach wie vor Edmund Stoiber. Es ist die Rolle meines Lebens. Auch im richtigen Leben gehen wir respektvoll miteinander um.

Ja-Sager gibt es viele, weil es einfacher ist, als Nein zu sagen. Außerdem führt es zum konfliktfreien Umgang miteinander.

Können Sie Bayern? Ich kann, obwohl ich mich im Moment corona-bedingt schonen muss. Hier ist es überall schön. Für mich gibt es nur Bayern.

Live-Auftritte vermisse ich sehr. Es ist halt immer schön, live Leute zu treffen. Ich hoffe, dass das bald wieder geht.

Ministerpräsident wäre ich gerne keiner. Oft werde ich als „Herr Ministerpräsident“ angesprochen. Aber was die aushalten müssen an Anfeindungen und Respektlosigkeiten, nein, das wäre nix für mich.

Neid entsteht immer dann, wenn Leuten der Zusammenhang nicht klar ist, was andere haben und wiederum, was andere dafür leisten müssen. Man sollte vermeiden, neidisch zu sein.

Oberbayer bin ich gebürtiger. Alle Regionen in Bayern haben etwas Besonderes. Aber Oberbayern hat das Gschaftlhubrige und die Seen. Hier zu leben ist einfach dörflich und friedlich.

Prost! Mir fehlt der Nockherberg, weil ich immer gerne dort war. Er fehlt mir wie das Oktoberfest. Ich hoffe, dass es bald wieder Bierzelte gibt. Auch, weil ich dort gern auftrete.

Quer: Diese BR-Sendung ist seit 2004 eine meiner wichtigsten Lebensinhalte. Man hat mich eingeladen und ich durfte seither dabeibleiben. Dass das so lange gut geht, ist außergewöhnlich für mich.

Reue: Da halte ich es mit Edith Piaf: „Je ne regrette rien.“ Ich bereue nichts. Weil alles, was man gemacht hat, zum Leben gehört. Man muss sich für etwas entscheiden, und dann ist das auch richtig.

Saugut finde ich den Schweinebraten im Schlachthof. Die Kruste, die Knödel, die Soße! Hmmmm!

Tränen habe ich das letzte Mal vergossen, als 2016 mein Jack Russel Tommy gestorben ist.

Unglück wünscht man keinem. Bis jetzt ehrt mich das Glück der Fleißigen. Außerdem löst das Unglück anderer bei mir immer Mitleid aus. Das ist ein Reflex.

Verlogenheit: Oh, da halte ich mich seit Jahren ganz raus. Wenn ich an jemandem Verlogenheit bemerke, nable ich mich ab. Manchmal ist sie aber auch ganz schwer zu ertragen.

Warum ich Kabarettist geworden bin? Ich wollte schon als kleines Kind auf der Bühne stehen. Und dass es wahr wurde, habe ich meinem Lehrer und Schauspieler Georg Ried zu verdanken. Er war mein Erlöser und hat mir Wege gebahnt, die für mich hilfreich waren, wie den BR zum Beispiel.

X-Mal habe ich mir geschworen, dass ich mir nicht so viel Arbeit aufbürde, weil ich schlecht im Ablehnen bin. Ich denk’ immer, ich muss alles abarbeiten.

Yoga: Dazu habe ich noch nie Zugang gefunden. Wenn ich entspannen will, mache ich das mit meiner Ziehharmonika.

Zefix sage ich immer bei irgendwelchen handwerklichen Sachen. Wenn zum Beispiel ein Schräuberl das falsche ist. 

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