Josef Brustmann im Gespräch mit Hallo München

„Meine Familie – kein zauberhaftes Publikum“

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„Rote Schuhe – frech, lebenslustig, erotisch, aber auch luxusüberflüssig und sündig.“ Brustmanns neues Programm verspricht einen wundervoll, komischen Abend.

Den 64-Jährigen zieht es seit rund 25 Jahren auf die Bühne. Im Hallo-Interview spricht er darüber, wieso er seiner Familie nie vorspielt und wieso manches eben nur auf  Bayrisch geht

Ob in der Gruppe oder allein: Den 64-Jährigen zieht es seit rund 25 Jahren auf die Bühne. Söder, Merkel und Trump werden in seinem neuen Programm nicht verschont. Worüber man lachen darf, warum er nie wieder seiner Familie eine exklusive Premiere gibt und warum manches nur auf Bairisch geht, erklärt er im Interview. von SABINA KLÄSENER

Herr Brustmann, thematisch wirkt das Programm recht ernst mit der großen Weltpolitik. Was ist Ihr Ansatz?
Das Kabarett ist zwar schon ein Unterhaltungsformat, aber mittlerweile sind viele in die reine Comedyecke abgebogen und geben nur noch den Unterhalter, das ist mir zu langweilig. Ich brauch eine Auseinandersetzung mit dem ganzen Leben, eine Reibung.

Inwiefern?
Wir stehen ja alle in einem Spannungsverhältnis. Auf der einen Seite wollen wir es krachen lassen, andererseits hat natürlich jeder auch eine Verantwortung für die Welt, dass sie nicht auseinaderfliegt. Ich mache seit 25 Jahren Kabarett und habe zwar nicht das Gefühl, dass die Welt dadurch besser geworden wäre. Aber ich fühle mich durch diese aktive Auseinandersetzung nicht gar so ohnmächtig und leiste vielleicht doch auch einen guten Beitrag.

In der Lach und Schieß hatten Sie Ihren ersten Solo-Auftritt, kehren jetzt zurück. Ist das ein wenig Bühnenheimat?
Ja, die Lach und Schieß das ist Heimat. Allerdings war der erste Auftritt damals brutal, ich stand bis dahin nur mit Bands auf der Bühne, da ist man so geschützt und null nervös. Aber so allein, es war entsetzlich, aber alle vier Kritiken waren super und nach zehn Auftritten hat es mir richtig Spaß gemacht.

Trotzdem manchmal noch nervös?
Ja, bei Premieren bin ich wahnsinnig nervös. Du musst zwei Stunden Text auswendig aufsagen, ohne Souffleur – da haben es die Theaterleute besser. Das ist schon ein großer Druck und man weiß noch nicht genau, funktioniert der Text, die Pointen.

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Spielen Sie das Programm Ihrer Frau vorher vor?
Das habe ich einmal gemacht – mache ich nie wieder (lacht).

War es so schlimm?
Es war grauenvoll, meine Frau und mein Bruder saßen im Wohnzimmer, die kennen mich in- und -auswendig, die johlen da nicht rum, klatschen auch nicht. Der Bühnenzauber fehlt und du brauchst diesen Aufwind dringend zum Fliegen.Stattdessen hängst du da völlig in der Luft und zappelst rum.

Gibt es Themen, die zu heikel sind?
Über Menschen, die gerade gestorben sind oder denen es schlecht geht, brauchst du keine Späße machen. Das mag das Publikum zu recht nicht, über alles andere darf man sich lustig machen. Der Humor und das Lachen signalisieren, dass man sich von Problemen nicht unterkriegen lässt. Man steht immer noch ein bisserl drüber. Humor ist auch Trost und hat was Versöhnendes und Verbindendes.

Ein Stück weit Therapie?
Therapie ist übertrieben, aber oft ist die humorvolle Auseinandersetzung mit Misslichkeiten, Bewältigung und macht einen leichter. Themen wie Asyl-, Atom- und Umweltpolitik betreffen und bedrohen jeden von uns. Wenn man den Dingen ins Auge schaut, lebt man besser und sinnvoller. Trotzdem wird man sein kleines schönes Leben leben und in den Urlaub fahren oder sich knallrote Schuhe kaufen.

Wo sehen Sie die Menschen in der Pflicht?
Wenn jemand erwachsen ist, kann man ein gewisse Mündigkeit fordern. Informiere dich, beziehe Stellung, sonst laufen alle mit, die oben machen das schon, und dann gibt man die Verantwortung ab und die da oben waren es dann. Jeder von uns kann mit vielen kleinen Dingen was bewegen. Da hält man sich im Leben drin, in einer Mitverantwortung. Das ist wichtig und auch gesund. Wenn man das nicht macht, dann ist so eine Ohnmacht, ein Ärger und Verdruss mit der Politik da.

Ein anderes Thema: Sie sind bei den Turmschreibern.
Ich schreibe seit 15 Jahren Gedichte, hab auch schon einige Bücher gemacht. Viele Turmschreiber schreiben ihre Gedicht in der Mundart, aber das kann ich nicht. Es kommen mir, obwohl ich viel Dialekt spreche, nur hochdeutsche Gedichtwörter auf die Zunge, merkwürdig.

Aber Kabarett auf Bairisch.
Ich schreibe meine Programme auf Hochdeutsch, weil ich da besser strukturiert bin und übersetze sie dann in den Dialekt. Das wäre ein ganzes Interview wert, weil man sieht, was der Dialekt leistet. Wie so ein hochdeutscher Satz dasteht und wenn ich mir das zurechtlege und dann im Dialekt raushaue, hat das eine andere Geschwindigkeit, andere Kraft, anderen Witz und eine andere Farbigkeit. Der Dialekt hat für manches viel mehr Ausdrucksfarben. Wenn ich mit den Leuten auf der Bühne rede, muss ich Dialekt reden, sonst bin ich nicht richtig locker.

Zur Person

Als achtes von neun Kindern wurde Josef Brustmann am 28. Dezember 1954 in Teisendorf geboren. Seine Eltern mussten aus Mähren flüchten und fanden in Waldram ein dauerhaftes Zuhause. Aus einer musikalischen Familie stammend, lernte Brustmann Tuba, Kontrabass, Klavier und Cello, bevor er Musik an der Münchner Hochschule für Musik studierte. Zunächst arbeitete er zehn Jahre lang als Lehrer an einem Münchner Gymnasium. Der Bühne wegen gab er den Lehrerberuf auf und trat ab 1993 mit dem „Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinn“ auf. 2004 wagte er den Sprung zum Solo-Kabarett. Nur das wäre zu wenig: Als „Brustmanns Lust“ tritt er gemeinsam mit Band auf, zudem veröffentlichte er drei Gedichtbände. Aktuell schreibt er einen Roman. Brustmann lebt mit seiner Frau in Icking. Hallo verlost Tickets für sein neues Programm.

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