HFF-Direktorin Bettina Reitz im Gespräch mit Hallo München

Bettina Reitz: „Ein Oscar ist keine Garantie für eine Erfolgskarriere“

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Seit 2015 ist Bettina Reitz (57) Präsidentin der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München.

Seit vielen Jahrzehnten formt die Hochschule für Fernsehen und Film die Münchner Oscar-Gewinner von morgen. Im Interview spricht Direktorin Bettina Reitz darüber, was die Einrichtung so besonders macht

Sie kennt die Filmbranche wie nur wenige andere: Bettina Reitz (57) ist seit 2015 Präsidentin der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF). Zuvor war sie die Fernsehdirektorin des Bayerischen Rundfunks und Geschäftsführerin der ARD-Firma Degeto Film. Währenddessen war Reitz an drei Oscar-prämierten Produktionen beteiligt. Heute leitet sie die Münchner Hollywood-Schmiede mit rund 350 Studierenden. 

Was die Ausbildung von Regisseuren und Co. besonders macht, warum Filmpreise für die Absolventen nicht alles sind und welchem Film sie dieses Jahr die goldene Statue verleihen würde, verrät die HFF-Präsidentin im Interview. von Sebastian Obermeir

Frau Reitz, was sind die größten Herausforderungen bei der Ausbildung von Filmemachern?
Wichtig ist eine Ausbildung, die die Vielfalt des Marktes, der Möglichkeiten abbildet. Wer bei uns lernt, kann später den klassischen großen Kinofilm machen, genau wie die nächste Serie, Web-Formate und Games Oder er kann mit Videoinstallationen oder einem Digital-Art-Format im Kunstmarkt einen Platz finden. Außerdem sind wir klar eine Kunsthochschule, unsere Studierenden sollen sich während ihrer Zeit bei uns frei ausprobieren dürfen, frei kreativ sein, noch ohne den immer strengen Blick auf den Markt.

Inwiefern macht es Sie stolz, wenn HFF-Alumni Oscars gewinnen?
Es macht uns stolz, aber mir ist immer wichtig zu betonen, dass Preise – und damit meine ich nicht nur die Oscars – nicht alles bedeuten und auch kein Garant für eine dauerhaft erfolgreiche Karriere sein müssen. Andererseits haben viele Filmemacher große Erfolge hinsichtlich Publikum und Einnahmen, gehören aber trotzdem nicht zu den „klassischen Preis-Kandidaten“. Alle, die nach der Filmhochschule ihren Weg finden, unsere Gesellschaft kreativ und künstlerisch bereichern und davon leben können, machen uns stolz!

„Ich fiebere natürlich erstmal mit unseren Nominierten mit“

Welche Bedeutung haben die Oscars für die HFF?
Die Oscars haben natürlich eine weltweite Strahlkraft, der man sich nicht entziehen kann. Wenn dann Alumni unserer Hochschule nominiert sind, bedeutet das auch für uns eine Sichtbarkeit, die wunderbar ist. Und gerade für junge Talente bedeutet eine solche Nominierung eine Chance auf eine vielleicht auch internationale Karriere.

Heuer sind gleich drei HFF-Absolventen nominiert.
In diesem Jahr gibt es zwei Besonderheiten: Christopher Aoun hat als Kameramann die Bildgestaltung des nominierten Films „Capernaum“ verantwortet, noch während seines Studiums. Er hat mit dieser Arbeit also sein Diplom bei uns gemacht, das ist wirklich großartig! Und die beiden anderen Nominierten sind beide nicht zum ersten Mal im Oscarrennen, sondern waren schon Preisträger beziehungsweise Nominierte.

Welcher Film ist Ihr Favorit?
Ich fiebere natürlich erstmal mit „unseren“ Nominierten mit. Zwei davon in der Kategorie „bester fremdsprachiger Film“, in der sicher „Roma“ ein starker Mitbewerber ist – völlig zurecht, der Film ist in seiner Erzählweise und Bildsprache wirklich außergewöhnlich.

Und in der Kategorie „Bester Film“?
Zuletzt habe ich vor der Berlinale „Green Book“ gesehen, der uns filmisch den Spiegel vor eigene Vorurteile und unseren Umgang mit Rassismus vorhält und es dabei auch noch schafft, uns zum Lachen zu bringen. Filme, die eine Geschichte auf verschiedenen Ebenen erzählen und uns zum Nachdenken anregen können, sind besonders kostbar.

Ausbildung

1966 wurde die Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München gegründet. Die Studierenden können aus fünf Studiengängen wählen: Kino- und Fernsehfilm, Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik, Produktion und Medienwirtschaft, Drehbuch sowie Kamera. 

Die Ausbildung dauert neun Semester, abgeschlossen wird sie mit einem Diplom. Voraussetzung für das Studium ist die Hochschulreife sowie das erfolgreich abgeschlossene Bewerbungsverfahren. 

Zu den bekanntesten Absolventen zählen etwa Caroline Link, Doris Dörrie, Bernd Eichinger, Wim Wenders, Florian Henckel von Donnersmarck oder Roland Emmerich. Angehende Oscar-Gewinner können sich noch bis zum 28. Februar für ein Studium an der HFF bewerben.

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