An Sicherheit wird nie gespart

Wie viel sich der Flughafen Klimaneutralität kosten lässt und warum auch Schienen wichtig sind...

Nathalie Leroy ist Geschäftsführerin Finanzen und Infrastruktur der Flughafen München GmbH.
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Nathalie Leroy ist Geschäftsführerin Finanzen und Infrastruktur der Flughafen München GmbH.
  • Marie-Julie Hlawica
    VonMarie-Julie Hlawica
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Nathalie Leroy ist die neue Geschäftsführerin für Finanzen und Infrastruktur am Flughafen. Hier verrät sie unter anderem wie sich Fliegen mit Umweltschutz vereinbaren lässt und was sie in München an Paris erinnert.

Dass die gebürtige Französin heute in München lebt, hat Nathalie Leroy vor allem ihrer Karriere als Wirtschaftsexpertin zu verdanken. Als neue Geschäftsführerin für Finanzen und Infrastruktur des Flughafens hat sie dort mit Umsatzerlösen von bis zu 1,6 Milliarden Euro (2019) zu tun.

Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin lernte mit 22 Jahren ihren Ehemann in Bilbao kennen, folgte ihm nach Deutschland. Als kaufmännische Leiterin bei den Babelsberger Filmstudios Berlin oder zuletzt als kaufmännische Geschäftsführerin bei Hamburg Wasser hat sie sich in Fachkreisen einen Namen gemacht.

Wie die Mutter zweier Kinder das Thema Fliegen mit Klimazielen vereinbart, welche Erfolgs-Strategie die Finanzexpertin verfolgt und was Schwabing mit dem 18. Arrondissement in Paris verbindet, erklärt sie hier von A-Z.

Nathalie Leroy (49), Geschäftsführerin Finanzen und Infrastruktur der Flughafen München GmbH, von A bis Z

Auslastung des Flughafens ist aktuell erst bei 50 Prozent im Vergleich zu 2019. Der Rekord damals: 48 Millionen Fluggäste nutzten den Flughafen, der so einen Gewinn von 178 Millionen Euro verbuchen konnte.

Besucherhügel kann derzeit Corona-bedingt leider nicht genutzt werden. Obwohl er naturgemäß unter freiem Himmel liegt: Es wäre aber zu viel Kontrolle unter den aktuellen 2G-Regeln nötig.

Chefinnen sind wichtig, weil die gesunde Mischung den Unternehmenserfolg ausmacht. Dabei sind nicht nur Frauen in Führungspositionen einer Männerdomäne gut, auch Männer in typischen Frauenberufen, etwa als Erzieher, sind enorm wichtig.

Deutsch habe ich gelernt, als ich vor 27 Jahren meinen Mann in Spanien traf und nach Deutschland zog. Früher hat er mich korrigiert, heute tun dies meine beiden schon erwachsenen Kinder, die hier zweisprachig aufgewachsen sind.

Erfolg: Mein größter Erfolg ist für mich, dass ich mich in einer typischen Männerdomäne, im Management, behaupten konnte und kann. 

Fünf Sterne hat der Münchner Flughafen bereits, einen sechsten bekäme er von mir für all die wundervollen Kolleginnen und Kollegen, für ihren Teamgeist und die Leidenschaft, mit der sie diesen Flughafen mit Leben erfüllen.

Geheimgehalten habe ich bisher, was auch geheim bleiben soll. Aber meine heimliche Leidenschaft für guten Käse darf ich verraten.

Hamburg bedeutet für mich neun schöne Jahre, die ich dort mit meiner Familie verbracht habe.

Inspiration ist für mich täglich die Begegnung mit unterschiedlichen Menschen. Die Interaktion ist das A und O – und die vielen kreativen Ideen, die dabei entstehen.

Jugendtraum: Ein Philosophie-Studium. Jetzt könnte ich mir vorstellen, dies im Ruhestand als Seniorenstudium nachzuholen. Mein Lieblingsphilosoph ist Jean-Jacques Rousseau.

Klimawandel und Fliegen verträgt sich! Die Luftverkehrsbranche trägt Verantwortung und nutzt alternative Energien. Mit „sustainable aviation fuels“ können Airlines bei uns schon seit Juni synthetisches, „grünes“ Kerosin tanken.

Lieblingsplatz: Ich habe neben dem Englischen Garten – in der kurzen Zeit seit ich hier bin – keinen entdeckt. Aber die Nähe zu den Bergen gefällt mir.

München als Stadt hat meine Entscheidung, von Hamburg Wasser zum Flughafen München zu wechseln, positiv beeinflusst.

Naturwissenschaftliche Kenntnisse sind in meinem Beruf unabdingbar, trotzdem muss ich nicht jedes physikalische Flieger-Detail verstehen. Gut ist aber für mich zu wissen, welche Spezialisten ich zu besonderen Themenbereichen um Rat fragen kann.

Oekologisch: Wir wollen den Flughafen spätestens 2030 CO2-neutral betreiben, investieren 150 Millionen Euro. Rund 300 Maßnahmen, wie ein Elektro-Fuhrpark, energiesparende LED-Technik oder unser Klimawaldprojekt dienen dem Emmissionsausgleich. In Niederbayern werden 1900 Hektar Wald auf Klimawirkung optimiert. 

Projekt: Ökologisch und infrastrukturell wichtig ist der Erdinger Ringschluss – der Schienenverkehr von Freising über den Flughafen bis nach Erding. Dafür haben wir den Bahntunnel am Flughafen mit einem Kostenaufwand von 115 Millionen Euro verlängert.

Quartiers in Paris gibt es viele, doch das 18. Arrondissement gefällt mir am besten: es liegt am Montmartre, dem Viertel der Künstler, vielleicht vergleichbar mit Schwabing hier.

Reiselustig bin ich tatsächlich, habe von Japan bis Kalifornien Einiges gesehen. Dass München so viele Flugziele bietet, freut mich – so kann man von hier aus die verschiedensten Regionen der Welt entdecken. 

Sicherheit am Flughafen ist etwas, an dem ich als Geschäftsführerin für Finanzen nicht sparen werde. Sowohl für alle unsere Passagiere als auch alle Mitarbeiter ist Sicherheit das höchste Gut! 

Tipps für die, die am Flughafen München etwas erleben wollen? Da fällt mir die internationale Gastronomie mit eigener Brauerei und Sternekoch ein. Auch italienischen Espresso, Streetfood oder Thaiküche gibt es.

Umsatzzahlen lagen 2020 weit unter Vorjahresniveau, machten ein Minus von 320 Millionen Euro. 530 Millionen Euro brachten bisherige Einsparungen. Bis 2024 könnten wir, je nach Pandemie-Entwicklung, wieder auf das Vorkrisenniveau kommen. 

VIPs treffe ich nicht allzu viele, aber ich kann ihnen den VIP-Service am Flughafen empfehlen. Wer den bucht, kann auch seine Einkäufe von uns erledigen lassen, Sonderwünsche anmelden und wird mit der Limousine erst 15 Minuten vor Abflug direkt ans Flugzeug gebracht!

Wasser und Luft haben gemeinsam, dass sie der Mensch zum Leben braucht. Und zu den Grundbedürfnissen gehört natürlich auch die Mobilität. 

X-Linien fliegen München an, 75 sind es derzeit Corona-bedingt, inklusive der Frachtfluggesellschaften. Mit unserem größten Airline-Partner Lufthansa wollen wir mit Terminal 2 das Drehkreuz wieder in Schwung bringen.  

Y steht in der Flugsprache für die Coach Economy Class, die Touristenklasse. Das habe ich, obwohl recht flugerfahren, erst hier gelernt.

Ziele: Bei Unternehmen wie dem Flughafen München sind das immer Ziele für das gesamte Team. Und da steht bei uns ganz oben, dass wir den Flughafen München wieder an seine Spitzenposition als europäisches Premiumdrehkreuz führen. 

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