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Sie bringt die Alpen in die Stadt - Sängerin und Kuratorin Stefanie Boltz im Porträt

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Von: Marie-Julie Hlawica

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Stefanie Boltz ist eine Münchner Jazz-Sängerin, die das erste Alpenrausch-Festival im Gasteig kuratiert.
Stefanie Boltz ist eine Münchner Jazz-Sängerin, die das erste Alpenrausch-Festival im Gasteig kuratiert. © Robert Haas

Sie bringt Alpenflair in den neuen Gasteig: Stefanie Boltz, Münchner Jazz-Sängerin und jetzt auch Kuratorin, spricht mit Hallo über das Festival und ihre Faszination zur Musik.

Über 20 Acts und rund 50 verschiedene Instrumente erobern den neuen Gasteig. Am Freitag und Samstag, 29. und 30. Juli, findet im HP8 das erste Alpenrausch-Festival statt. Die Münchner Jazz-Sängerin Stefanie Boltz hat es kuratiert, bringt dort auf unterschiedlichen Bühnen Künstler aus dem Alpenraum zusammen, die Eines vereint: die große Liebe zur Volksmusik.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

„Ich will mit dem Festival einen Begegnungsraum für alle schaffen: Künstler und Zuhörer, Groß und Klein, Alt und Jung.“ Was die studierte Spracherzieherin und Logopädin selbst gerne singt, wie positiv Druck sein kann und wieso das Festival auch für sie ein Experiment ist, erzählt sie in Hallo.

Stefanie Boltz (48), Sängerin und Kuratorin des Alpenrausch-Festivals im HP8, von A bis Z

Alpenspektakel hieß das erste Volksmusik-Festival, das ich geleitet habe, denn diese Musik ist mein Steckenpferd. Alpenrausch heißt das neue Festivals im Interims-Gasteig, das ich kuratiert habe. Bei dem Titel weiß jeder gleich, wohin die Reise musikalisch geht.

Bürokratie ist leider manchmal eher ein Kulturverhinderer, als dass sie Neues möglich macht. Etwa, wenn Politiker ohne kulturellen Background über Künstler entscheiden, wie jetzt in der Pandemie.

C Ja, das Hohe C kann ich singen. Als ausgebildete Sängerin habe ich gelernt, wie man eine klassische Stimme führt, habe einen weiten Stimm­umfang mit vielen Tonlagen und Facetten. Bei Konzerten hole ich stimmlich auch gern alles aus mir raus.

Druck muss nicht immer ausbremsen, einengen oder Zensor sein. Er kann positiv als Motor dienen und zu wunderbaren Ergebnissen führen, wenn man Visionen umsetzen will. Wie mit dem Volksmusik-Festival. 

Erfolg wird einem nicht in die Wiege gelegt. Aber wen die Götter mit einem Talent ausgestattet haben, der sollte das auch gut nutzen, sonst werden die sauer (lacht). 

Festivals schaffen einen eigenen thematischen Kosmos, einen Platz für viele menschliche Begegnungen, erweitern den Horizont. Ein Festival ist ein besonders Format vor, auf und hinter der Bühne. Weil zum Beispiel das Alpenrausch-Festival keinen Eintritt kostet, kann wirklich jeder kommen.

Gut Sonnenhausen – dort hatte ich in Glonn für fünf Jahre die Leitung des Volksmusik-Konzertprogramms. Da der Hausherr, der Unternehmer Georg Schweisfurth, selbst begeisterter Alphornbläser ist, waren wir uns schnell einig.

HP8 ist ein toller Spielort! 2019 wusste ich ja nicht, wie das Gelände aussehen wird: mit dem Industriecharme und vielen Spielorten ein Haus voller Chancen und Brüche. Mit Musik, Workshops, Filmen und Kletterwänden bringen wir nun die Alpen dorthin, in die Stadt.

Instrumente: Ich selbst spiele nur eines, Klavier. Die typisch alpenländischen Instrumente wie Tuba oder Alphörner sind auf dem Festival zu hören. 

Jazz war nicht immer meine große Musikliebe: Mit 13 war ich Madonna-Fan. Mit 20 in Berlin habe ich die Acid-Jazz- und Hip-Hop-Szene kennengelernt und als DJane aufgelegt.

Kulturarbeit klingt sperrig. Es ist die Liebe Orte, Menschen und Kunst zu verbinden. Dabei sind Künstler und Musik für mich das Wichtigste, nicht die Verkaufszahlen. 

Lieder: Jeder sollte „Der Mond ist aufgegangen“ kennen. Lieder erzeugen wundervolle Bilder und Stimmungen, wie bei Wanderliedern oder die, die Jahreszeiten besingen.

München: Ich bin Münchnerin, in Schwabing geboren, war auf dem Max- später auf dem Pestalozzigymnasium, auf dem musischen Zweig. Studiert habe ich in Halle, danach habe ich in Berlin als Logopädin gearbeitet. Nach fast zehn Jahren im Norden zog es mich zurück: Mir fehlten die Berge, der Blick und die Nähe zu den Alpen. 

Neugierig bin ich. Etwa jetzt darauf, wie viele Besucher zum Festival kommen, denn einige tausend können und dürfen es schon sein. Auch was dort passieren wird, macht mich neugierig: Es gibt vor Ort so viel Spielraum für Improvisationen, wir haben etwa eine PopUp-Kategorie für spontanes Musizieren, lassen Einiges bewusst offen.

Oper passt nicht zu mir. Aber als ich mit meiner Gesangsausbildung begann, gab es nur die klassische Ausrichtung. 

Pianist: Christian Wegscheider habe ich beim 1. Alpenjazzfestival in Tirol kennengelernt. Ja, das Thema Alpen zieht sich wirklich durch jeden Lebensbereich. Als Duo treten wir seit 2021 unter dem Namen „Jazzbaby“ auf. Im Herbst planen wir auch einen Auftritt in der Allerheiligen Hofkirche.

Qual der Wahl: Die habe ich als Kuratorin. Beim Festival zählt der rote Faden. Nicht, was sich gut verkauft oder was die meisten hören wollen. Trotzdem ist wichtig, dass ich mit meinem Geschmack nicht am Publikum vorbei plane.  

Respekt habe ich vor den Jazz-Legenden. Allen voran Billie Holiday. Welche Klangwelt diese Frau bei ihrer schwierigen Biografie geschafft hat, bewundere ich.

Schauspielerin zu werden, wie manche Kollegen, war nie mein Traum. Es ist reizvoll, aber für mich ein zu großes Feld.

Tirol: Dort habe ich von Kindesbeinen an viel Lebenszeit verbracht – bin in und mit den Alpen groß geworden. Meine Eltern sind immer gewandert, mein Vater ist Bergsteiger, mein Opa hat mich mitgenommen. Dabei habe ich früh die Liebe zur Volksmusik entdeckt. 

U-Musik oder E-Musik, ich vermeide die Unterteilung in Schubladen. Ich höre querbeet Musik, entscheide aus dem Bauch heraus, was gute, geile Musik ist oder nicht. 

Veranstalter will ich überzeugen, dass es vielmehr hauseigene Produktionen geben kann. Etwas wie „Alpenrausch“ wurde erst durch die Offenheit der Intendanz möglich.

Werbesprecherin bin ich auch, ich habe eine Sprecherausbildung. Momentan vertone ich Kinderbücher – Pandemie-bedingt – als ein weiteres Standbein.

X-perimente gibt es auf dem Alpenrausch wie die Weltpremiere von Jütz, eines innovativen Trios, das Dialekte der Alpenregion zerschnipselt und musikalisch aufbereitet.

Y entspricht der Form einer Stimmgabel. Ich habe zwar ein gutes Gehör, lasse mein Klavier aber stimmen.

Ziel des Festivals ist die Verbindung neuer Einflüsse zur traditionellen Musik, von Musikwelten zwischen Stadt und Land, Stadtvierteln und Schichten. Und dass alle eine neue Erfahrung mit nach Hause nehmen.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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