Allein im All? Sicher nicht!

Sterne, Galaxien und das Weltall ‒ Das Hallo-Interview zum internationalen Tag der Astronomie

Tania Johnston, Leiterin des ESO Supernova.
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Tania Johnston, Leiterin des ESO Supernova.
  • Romy Ebert-Adeikis
    VonRomy Ebert-Adeikis
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Die Leiterin des ESO Supernova, Tania Johnston, über die Faszination Weltall, Science-Fiction und Münchens Platz in der Astronomie-Szene im Interview von A bis Z.

International wird der Tag der Astronomie am Samstag, 9. Oktober, gefeiert. Beim „European Southern Observatory“ (ESO) in Garching wird es Corona-bedingt zwar kein spezielles Programm geben. Dafür dreht sich im 2018 eröffneten Besucherzentrum mit Planetarium ohnehin 365 Tage im Jahr alles um Sterne, Galaxien und den Blick des Menschen ins All.

Dass wir dort nicht allein sind, davon ist die Leiterin des ESO Supernova, Tania Johnston, fest überzeugt. „Das Universum ist so groß. Es wäre doch komisch, dass es dort kein anderes Leben gibt“, so die Schottin mit Schweizer Wurzeln.

Warum das ESO in Garching nicht ohne Chile kann, wie das Besucherzentrum Erwachsene und Kinder für Astronomie begeistern will und an welchem Mammutprojekt die internationale Organisation gerade arbeitet, verrät die 43-Jährige im Interview mit Hallo.

ESO Supernova-Leiterin Tania Johnston (43) in Hallo-Interview von A bis Z

Außerirdisches Leben: Sind wir allein im Universum? Mein Gefühl sagt mir: Nein. Es wäre einfach ein zu großer Zufall, wenn man bedenkt, dass es allein in unserer Galaxie circa 4000 Exoplaneten gibt.

Besucherzahl: Vor Corona kamen ins ESO Supernova circa 60 000 Menschen im Jahr, was toll ist. Aktuell sind es etwa 1500 pro Monat. Im Planetarium können wir auch nicht alle Plätze besetzen, das hängt von den aktuellen Regeln ab.

Chile: Dort stehen drei Observatoriumsstandorte der ESO, weil es eines der besten Länder zur Beobachtung ist: viel Wüste, viele Berge, kaum Lichtverschmutzung. Dort können wir über 300 Tage im Jahr die Sterne sehen. 

Deutsches Museum: Wir haben einige Veranstaltungen mit der dortigen Sternwarte gemacht, zum Beispiel zur Mondfinsternis 2018. Zudem kooperieren wir bei der Fortbildung von Lehrern.

European Southern Observatory: Die ESO ist eine internationale Organisation, die seit 1962 Teleskope baut und betreibt, damit Astronomen sie nutzen können. Am Hauptsitz in Garching arbeiten 400 Mitarbeiter, in Chile 300. Sie kommen aus mehr als 30 Ländern.

Forschung: Wir glauben, dass wir inzwischen sehr viel wissen, aber zum Beispiel dunkle Materie verstehen wir bisher noch nicht. Darum wird dazu gerade viel geforscht. Außerdem darüber, wie sich das Universum weiterentwickelt. 

Genau kann ich nicht sagen, wie viele Exponate unser Besucherzentrum hat. Mit allen Tafeln und Elementen sind es aber über 200.

Haus der Astronomie: In Heidelberg steht unsere Schwestereinrichtung. Wir unterstützen uns etwa bei der Entwicklung von Workshops.

Infotainment: Wir wollen Informationen so präsentieren, dass sie auch unterhaltsam sind. Deswegen gibt es im Besucherzentrum viel zum Mitmachen. Beliebt ist zum Beispiel der „Solar System Explorer“. Ein Spiel, bei dem man durch unser Sonnensystem fliegt.

Jeff Bezos: Ich finde es toll, wenn man mit Weltraumtourismus Menschen für die Wissenschaft begeistern kann. Aber es fliegen bereits jetzt so viele Dinge im All...

Klaus Tschira ist ein Gründer des Softwarekonzerns SAP und ein Unterstützer der Wissenschaft. Seine Stiftung hat unser Gebäude, das Planetarium und die Ausstellung gestiftet.

Lockdown: Das ESO Supernova war wegen Corona fast zwölf Monate geschlossen. Das macht es schwieriger, unsere Ausstellung oder das Schulprogramm kostenlos anzubieten. Das wollen wir aber beibehalten.

München und Bayern generell sind wichtige Player – im Bereich Astronomie und Raumfahrt wie bei Technologie allgemein.

Nachwuchs: Wir brauchen Nachwuchs-Wissenschaftler, um mehr über den Weltraum zu erfahren. Für Schulklassen bieten wir daher sechs interaktive Workshops an. Vor Corona gab es auch Führungen mit ESO-Mitarbeitern als Vorbild dafür, dass jeder so einen Beruf ergreifen kann.

Orion ist mein Lieblingssternbild auf der Nordhalbkugel. Als Kind in Schottland, wo es früh dunkel wird und wenig Lichtverschmutzung gibt, habe ich Orion oft gesehen. Auf der Südhalbkugel ist mein liebstes Sternbild Skorpion.

Planetarium: Zur Eröffnung 2018 war das ESO Supernova mit einer Kuppel mit einem Durchmesser von 14 Metern das größte geneigte Planetarium im deutschsprachigen Raum. Inzwischen hat uns Heilbronn aber überholt. 

Quote: Naturwissenschaften waren sehr männerdominiert. Das ändert sich jetzt, aber es gibt noch viel zu tun. Vor allem in Forschungszentren müssen die Arbeitsbedingungen für junge Frauen verbessert werden.

Raumschiff Enterprise: Ich mag Star Trek, bin aber kein richtiger Fan. Unter den ESO-Mitarbeitern gibt es aber viele echte Trekkies. Ich mag lieber Science-Fiction-Filme wie Interstellar oder Gravity.

Supernova: Unser Gebäude stellt einen Doppelstern dar. Also zwei Sterne, die umeinander kreisen, was schließlich zur Supernova führt.

Teleskop: Gerade baut die ESO in Chile das Extremly Large Telescope, das 2027 fertig sein soll. Sein Spiegel wird einen Durchmesser von 39 Metern haben. Zum Vergleich: Beim Very Large Telescope, mit dem wir schon bis an die Grenzen des Universums sehen können, sind es 8,2 Meter. Durch den größeren Spiegel kann das neue Teleskop mehr Licht sammeln und so auch schwächer leuchtende Objekte zeigen.

Umgeschult: Ich bin eigentlich Chemikerin. Seit 2002 arbeite ich in der Wissenschaftskommunikation. Erst beim Royal Observatory Edinburgh, jetzt bei der ESO.

Videos: Im Planetarium gibt es aktuell acht Shows mit Filmen – über unser Sonnensystem, Exoplaneten oder Europas Weg zu den Sternen. Gerade entwickeln wir einen neuen Film über das Extremly Large Telescope.

Welt-Raum: Wenn in dem Raum gerade keine temporäre Ausstellung stattfindet, sieht man an den Wänden die Milchstraße. An der Decke gibt es eine künstlerische Darstellung von 30 Sternbildern, wie man sie auch in Chile sieht.

X-mal haben Besucher gefragt, wo man bei uns durch ein Teleskop schauen kann. So etwas gibt es aber nur in Sternwarten, nicht in Planetarien wie bei uns.

Yes: Alles im Besucherzentrum ist zweisprachig – in Englisch und Deutsch. In Zukunft würde ich gern noch mehr Sprachen anbieten. Immerhin gehören zur ESO 16 verschiedene Länder.

Zu hell ist München zur Sternenbeobachtung. Vor allem Garching, weil es zwischen der Stadt und dem Flughafen liegt. Die Milchstraße könnte man hier zum Beispiel nie sehen. Zum Glück muss man dafür in Bayern nicht weit fahren...

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