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„Das Gefühl, einen Titel zu gewinnen, macht einfach süchtig.“ - EHC-Verteidiger Ryan McKiernan im Interview

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Von: Kevin Wenger

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Ryan McKiernan kann auf eine beachtliche Titelsammlung in Europa zurückblicken - und will mit dem EHC diese Saison nachlegen.
Ryan McKiernan kann auf eine beachtliche Titelsammlung in Europa zurückblicken - und will mit dem EHC diese Saison nachlegen. © RB München/City-Press

Ryan McKiernan ist Verteidiger beim EHC Red Bull München und weiß, wie man die großen Erfolge feiert: Zweimal Deutscher Meister, einmal Champions League-Sieger ist er schon. Im Interview spricht er über seine Familie, den Reiz an München und seine Jagd nach Pokalen.

Herr McKiernan, wie fällt Ihr Fazit zur bisherigen Saison aus?

Wir spielen bislang eine sehr gute Saison. Es herrscht eine unglaublich positive Stimmung in der Kabine, alle Jungs sind großartig. Das Wichtigste für uns ist, dass wir Siege holen, das haben wir bisher eindrucksvoll geschafft. Wir können bisher zufrieden sein.

Zwischendurch konnten Sie zwölf Siege in Serie holen. Wie schwer ist es, so eine Erfolgswelle weiter zu reiten?

Hartes Training ist immer die Grundlage, um erfolgreich zu sein. Aber ehrlich gesagt vergisst man manchmal durch die vielen Siege schon fast, wie es ist, zu verlieren. 

Negatives gab es heuer kaum, eine Ausnahme bildet das frühe Champions League-Aus im Achtelfinale gegen Zug. Direkt danach startete die historische Siegserie. Ein Weckruf?

Wir waren natürlich enttäuscht über das Ausscheiden, es ist schon fast eine Schande mit dieser Mannschaft so früh auszuscheiden, auch wenn der EV Zug natürlich ein absolutes Top-Team in Europa ist. Es war aber auch sprichwörtlich für uns ein Tritt in den Hintern. Wir wollten nicht über das Ergebnis schmollen, sondern zogen Motivation daraus. So konnten wir eine gute Antwort in der Liga geben. Die CHL (Champions Hockey League) ist für uns immer eine Wahnsinns-Erfahrung und hilft uns enorm weiter. Wir dürfen gegen Top-Teams aus ganz Europa spielen, verschiedene Spielweisen kennenlernen, die uns in der Liga weiterhelfen. Aber wir werden in der nächsten Saison wieder angreifen.

Sie selber haben schon viele Titel in Europa gewonnen, sind zweimaliger Deutscher Meister und noch amtierender CHL-Champion. Wie können Sie diese Erfahrung in die Mannschaft einbringen?

Es gibt mir das Gefühl, dass ich weiß, was ich in stressigen Situationen auf dem Eis oder in der Kabine sagen kann. Ich will Verantwortung übernehmen und die Gefühle und das Selbstvertrauen, das ich aus meinen Erfolgen gezogen habe, in unsere Kabine mitreinbringen. Aber nicht nur ich habe schon einige Titel gewonnen, wir haben in der Kabine ein echtes Umfeld aus Siegern. Diese Mentalität braucht jedes Team, um Titel zu gewinnen.

Es ist Ihr erstes Jahr in München, davor haben Sie im eher beschaulichen Ängelholm in Schweden gespielt. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Stadt?

Ich finde München wahnsinnig toll, die Leute sind supernett und – klar ist die Stadt doch größer als Ängelholm. Aber ich komme aus der Nähe von New York City, daher kenne ich auch größere Städte (lacht). Ich schätze es sehr, dass man hier aufs Fahrrad steigt oder in die U-Bahn einsteigt und in gefühlt zehn Minuten am Ziel ankommt. Das ist einfach toll! Ich bin hier ja auch mit meiner Familie und wir haben seit dem Sommer schon so viel ausprobieren können, auch mit unserem kleinen Sohn. Wir machen aber auch gerne Tagesausflüge in die Region, zum Beispiel auf die Zugspitze oder nach Kitzbühel. Ich liebe das große Freizeitangebot, erst recht mit der Familie.

Einige Münchner Spieler kannten Sie ja schon von vorherigen Stationen, nämlich Austin Ortega und Mathias Niederberger. Wie sehr haben die beiden Ihnen geholfen, einen Einstieg hier zu finden?

Es ist immer toll mit alten Kollegen wieder zusammenzukommen, es gibt allgemein ein gutes Gefühl. Das ist natürlich auch hilfreich bei der Eingewöhnung in die neue Umgebung. Nichtsdestotrotz haben wirklich alle aus dem Team ihren Anteil, dass ich mich als neuer Spieler hier sofort wohlgefühlt habe. Auch die harte Arbeit im Training verbindet uns miteinander. Wir haben zusammen sehr viel Spaß, auf und neben dem Eis.

Sie sind ein echtes Sprachtalent und sprechen unter anderem auch sehr gut Deutsch und ein bisschen Schwedisch. Warum ist es Ihnen so wichtig, immer die Landessprache zu sprechen?

Ich finde, es ist ein höflicher Akt, sich die Mühe zu machen und mit den Einwohnern der Stadt, in der man lebt, in ihrer Sprache zu sprechen. Es gibt mir eine Verbindung zu den Leuten und auch zu den Fans und meinen deutschen Teamkameraden. So habe ich das Gefühl, ein Teil der Stadt und des Landes zu sein. So kann ich mein Zuhause mehr als Heimat bezeichnen, es ist Teil meiner Integration in das Leben der Stadt. Auch wenn ich mit den Deutschen aus unserer Mannschaft zum Essen gehe, finde ich es einfach wichtig, auf Deutsch reden zu können. 

Die Hauptrunde ist nicht mehr lang, was sind die Ziele für die letzten Wochen?

Jeder Gegner bietet andere Herausforderungen für uns, mal spielen wir gegen ein Team aus dem Abstiegskampf, mal gegen einen Konkurrenten an der Spitze. Egal gegen wen, wir möchten einfach unser bestes Eishockey spielen. Wir unterscheiden dabei zwischen kurzfristigen und langfristigen Zielen: Wir nehmen immer fünf Spiele in den Fokus und betrachten sie als Serie. Dabei möchten wir mindestens drei Spiele gewinnen, natürlich sind uns fünf Siege immer lieber, jedoch gibt es immer mal wieder Niederlagen. Langfristig, und da gräme ich mich nicht das so offen zu sagen, haben wir natürlich hohe Erwartungen an uns selbst und wollen am Ende den Titel holen. Manche wollen das nicht so offen sagen, aus Angst, arrogant zu klingen. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass wir das gleich von Anfang an so offen kommunizieren müssen. Das ist mir sehr wichtig.

Haben Sie persönliche Ziele, die Sie diese Saison noch erreichen wollen. 2020 waren sie MVP (wichtigster Spieler) der Finalserie für Berlin…

Ich will in jedem Spiel der bestmögliche Verteidiger für das Team sein. Egal ob in Überzahl, Unterzahl, ob ich Tore schießen oder einen Schuss blocken soll. In allen Lagen will ich das Team unterstützen. Persönliche Auszeichnungen sind zwar schön, aber ich will den Pokal hochhalten. Das Gefühl, einen Titel zu gewinnen, macht einfach süchtig. Das will ich mehr als alles andere nochmal erleben.

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