Der Zauber des Neubeginns

Das Nischendasein als Chance – im Theatermuseum werden Objekte zum Sprechen gebracht 

Dorothea Volz wird die neue Leiterin des Deutschen Theatermuseums.
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Dorothea Volz wird die neue Leiterin des Deutschen Theatermuseums.
  • Claudia Theurer
    VonClaudia Theurer
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Das Deutsche Theatermuseum bekommt eine neue Leiterin. Dorothea Volz wird den Posten übernehmen. Im Interview von A bis Z erklärt sie, wie Theater und Museum zusammen passen.

„Einen Glücksgriff“ nannte Kunstminister Bernd Sibler die Wahl von Dorothea Volz zur neuen Leiterin des Deutschen Theatermuseums am Hofgarten. Sie folgt damit auf die bisherige Leiterin, Claudia Blank, die in den Ruhestand gegangen ist. Am 1. September fängt die gebürtige Stuttgarterin ihren neuen Job an.

Noch arbeitet sie als stellvertretende Direktorin der Theaterwissenschaftlichen Sammlungen und akademische Rätin am Institut für Medienkultur und Theater an der Universität Köln. Zuvor war die 39-Jährige von 2016 bis 2019 Referentin für Kommunikation und Marketing an der Semperoper in Dresden. Volz studierte Theaterwissenschaften, Geschichte sowie Deutsche Philologie an der Uni Mainz, wo sie 2015 auch ihre Doktorarbeit geschrieben hat.

Das Münchner Museum hat mit 4,3 Millionen Theaterfotografien die umfangreichste Sammlung weltweit. Ihr Auftrag liege „nicht nur im Sammeln, Bewahren und Erforschen, sondern auch in der Vermittlung.“ Ob sie ein schweres Erbe antritt und wie Theater und Museum zusammenpassen, erklärt Volz hier von A bis Z. 

Die neue Leiterin des Deutschen Theatermuseums Dorothea Volz im Interview von A bis Z

Auftrag: Der Auftrag des Museums liegt nicht nur im Sammeln und Bewahren, sondern vor allem in der Vermittlung von Geschichte und Geschichten. Hier lagern ja unheimlich viele Schätze. Ich sehe das Haus auch als Ort der Diskussion und denke, da liegt noch viel Potenzial. 

Bayern ist mir von Besuchen vertraut. Der Süden der Republik liegt mir sehr nahe, da ich im Schwäbischen aufgewachsen bin.

Charisma hat für mich eine Schauspielerin wie Sandra Hüller. Sie beweist eine beeindruckende Präsenz auf der Bühne und im Film.

Dauerausstellung ist für das Theatermuseum ja ein Dauerthema, da die Räumlichkeiten dies eigentlich nicht ermöglichen. Mich reizt aber auch die Dynamik der Wechselausstellungen, mit denen man sich als aktiver Part in der Stadtgesellschaft nochmal anders und direkter positionieren kann.

Erbe: Das klingt vielleicht nach Belastung. Meine Vorgängerin Frau Blank hat einen tollen Job gemacht. Ich habe nicht das Gefühl, eine schwere Last zu übernehmen. Ich komme da in ein wunderbares Haus.

Freizeit verbringe ich, wenn möglich, in der Natur oder im Theater. Ich freue mich auch deshalb auf München, weil es beides in Hülle und Fülle zu bieten hat. 

Geschmack ist ein subjektives Kriterium und hat in einem Museum nicht viel zu suchen. Wir müssen neutral bleiben. Und privat, denke ich, habe ich einen ganz guten.

Hungrig bin ich auf all die vielen Möglichkeiten des Austauschs und der Kooperation. Ich bin gespannt auf neue Ein- und Ausblicke und auf die Menschen, mit denen ich zusammentreffen werde.

Innovativ: Ein Museum ist ja nicht unbeweglich, sondern kann ein großartiger Ort sein, um Ideen auszuprobieren. Ich bin da sehr offen und gespannt darauf, was sich alles gestalten lässt.

Jedermann ist für mich ein Stück Kulturgeschichte und lässt mich sofort an Max Reinhardt denken. Und an seinen Anspruch, für jeden Theatertext den richtigen Ort zu schaffen.

Kreativität ist gefragt, schon allein mit Blick auf die Museumsräume, die sind eher schlauchartig. Sie ist auch für Ausstellungsinszenierungen gefragt, mit denen Objekte zum Sprechen gebracht werden.

Lieblingslektüre ist zumindest aktuell auf dem Nachttisch: „Mädchen, Frau etc.“ von Bernardine Evaristo.

Motivation ziehe ich daraus, dass die Beschäftigung mit der Vergangenheit so viel mit unserer Gegenwart zu tun hat. Ich freue mich auf meine neue Aufgabe.

Nischendasein kann auch eine Chance sein, um Neues auszuprobieren. Und vielleicht ist man durch die potenzielle Beweglichkeit der Nische, die einen weniger festlegt, durchlässiger für Menschen, die noch gar nicht wussten, dass sie auch hier Anknüpfungspunkte finden.

Oeffnung: Ich trete meine Stelle im September an und bin froh, dass für den Sommer bereits aus dem Team Veranstaltungen konkret geplant werden, dies auch bereits mit Blick auf eine Öffnung hin in den Stadtraum. Das ist etwas, das mir am Herzen liegt.

Programm: Ausstellungen haben ja einen längeren Vorlauf, einige Projekte werden bereits sehr aktiv vorangetrieben. Perspektivisch wird es mir viel um Fragen der Sichtbarkeit, der Digitalisierung und des Kontakts zu ganz unterschiedlichen Besuchergruppen gehen.

Qual der Wahl habe ich in München mit seinem großen kulturellen Angebot.

Respekt habe ich vor großen Wachhunden, die ihren Job sehr ernst nehmen.

Sensibilität brauche ich im Museum bei der Arbeit mit fragilen Objekten. Aber auch im Umgang mit den Mitmenschen – gerade durch Corona sind doch viele Mehrbelastungen ausgesetzt, das sollte man im Blick behalten.

Theater und Museum: Theater ist flüchtige Gegenwartskunst. Das Museum kann eine Art Objekttheater sein. Für beides braucht man Publikum, mit dem Geschichten lebendig werden.

Umzug des Theatermuseums ist kein Thema, mit dem ich konfrontiert wurde. Der Hofgarten ist ja ein wunderbarer Ort. So zentral und zugleich eine Insellage, da liegt viel Potenzial.

Veränderungen stehen natürlich perspektivisch viele an, auch hier sind Vermittlung und Digitalisierung zentrale Schlagworte. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, heißt es bei Hermann Hesse.

Wohnung habe ich noch keine gefunden. Ich würde mich über eine in Isarnähe freuen. Bis jetzt habe ich immer in der Nähe von Flüssen gewohnt: Mainz und Köln am Rhein und in Dresden an der Elbe. Für mich ein kleiner Ersatz für Meer. Mein Mann wünscht sich einen Alpenblick. Mal sehen, was wird.

-mal habe ich mir geschworen, dass ich weniger in einen Tag packe und die Tage besser entzerre. Mit wenig Erfolg.

Yoga mach ich auf der Matte im heimischen Wohnzimmer. Da merkt auch keiner, wenn ich schummle.

Zusammenarbeit mit meinem Team im Theatermuseum: Darauf freue ich mich. Besonders auf die vorhandene Expertise und Gespräche über den Weg in die Zukunft.

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