A bis Z mit Hotel- und Gaststättenverbands-Chef Conrad Mayer

Conrad Mayer: „Der Tourismus hat in München 2018 einen Jahresumsatz von rund 8,2 Milliarden gemacht“

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Conrad Mayer hört nach 16 Jahren als München-Chef des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands auf: Ruhig wird es allerdings nicht.

Der Hotel- und Gaststättenverbands-Chef verabschiedet sich mit Rekordzahlen: Jetzt spricht er in Hallo über E-Stoffe, Airbnb und Hotelketten in München – von A bis Z

Conrad Mayer ist Abschiede gewohnt: 2003 musste er das IntercityHotel am Bahnhof verlassen, Ende 2018 sein Conrad-Hotel an der Schillerstraße. Jetzt hat er sich nach 16 Jahren als München-Vorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga zurückgezogen. Der erste Abschied war der schwerste: „Das ist Familiengeschichte. Mein Großvater hatte 1935 die Bahnhofsgastronomie übernommen, mein Vater 1951 das Hotel eröffnet.“

Den Abschied von seinem Ehrenamt und der Hotellerie sieht der 60-Jährige hingegen als Befreiung: „Ich bin froh, dass ich mich mal wieder auf mich konzentrieren kann.“ Nun will er einen Roman schreiben – mit seiner Frau, die als Medium Wahrnehmungen aus der Vergangenheit empfängt. Wie das funktioniert, wie sich die Gastrobranche verändert hat und welche Rekordzahl die Bettenzahl in München 2018 erreicht hat, verrät der Laimer im A bis Z. Maren Kowitz

Conrad Mayer (60) von A bis Z

Abschied: Seit 2003 hatte ich das Conrad-Hotel in der Schillerstraße. Wegen Eigenbedarf wurde der Pachtvertrag nicht verlängert. Ende 2018 musste ich raus. Wir haben im Dezember eine Abschiedsparty mit den Mitarbeitern gemacht – mit Matratzenschlacht, angebohrten Tischen und viel Lärm.

Bilanz: Zu meinen größten Erfolgen zähle ich die Verhinderung der Bettensteuer, die München für Hotels einführen wollte, und die Gründung der Tourismus Initiative München (TIM). Eine Niederlage war sicher, dass es uns nicht gelungen ist, die Olympischen Spiele nach München zu holen.

CSU: Das Thema Wohnraum-Zweckentfremdung ist im Landtag unterschätzt. Die CSU sagt, das ist eine Münchner Thematik. Es ist aber auch eine Thematik aller Metropolen und Touristenregionen wie am Chiemsee.

Diplom-Kaufmann: Ich habe BWL studiert und bin eigentlich nur ins Intercity-Hotel am Bahnhof eingestiegen, um meinen Vater zu unterstützen. Als er sich 1997 das Leben nahm, musste ich den Betrieb weiterführen.

E-Stoffe: Das Thema der Zukunft wird sein, in der Gastronomie ohne Zusatzstoffe zu arbeiten. Rückversicherer sind gerade dabei, die Risiken der E-Stoffe auszuloten, weil sie Schadensersatzprozesse befürchten.

Fluktuation: Bei den 8300 Gastronomiebetrieben in München gibt es wahnsinnig viel Wechsel. Im Jahr machen insgesamt 1500 Betriebe auf oder schließen.

Gesetz: Ich war im Innenausschuss des Landtags, der das Bayerische Zweckentfremdungsgesetz neu aufgelegt und verschärft hat. Es verschwinden durch Touristenangebote pro Jahr 4300 Wohnungen in München, die nicht dem Mietmarkt zur Verfügung stehen.

Hotelflut: 2018 haben allein in der Stadt München 20 neue Hotels mit insgesamt 5200 Betten aufgemacht. Bis 2014 hatten wir immer ein Wachstum von bis zu 2500 Betten. Diese Verdoppelung macht mir Sorgen.

Initiative: Ich war 2012 Gründungsvorsitzender der Tourismus Initiative München. Dort haben sich Stadt und Wirtschaft vernetzt, um eine gemeinsame Vermarktungsstragie festzulegen.

„Man lernt das Leben in allen Ländern dieser Erde kennen“

Jahresumsatz: Der Tourismus hat in München 2018 einen Jahresumsatz von rund 8,2 Milliarden gemacht.

Ketten: Es gibt eine extreme Ketten-Konzentration am Hotelmarkt. Der Einzelhotelier ist sterblich und hat nicht das Finanzpolster eines Konzerns. Ich kann mich in den letzten Jahren an keinen Mittelständler erinnern, der in München noch ein Hotel aufgemacht hätte.

Leidenschaft: Was ich an der Hotellerie so geliebt habe, ist die Vielfalt an Menschen und alltäglichen Herausforderungen. Man lernt das Leben in allen Ländern dieser Erde kennen. Du siehst, wie unterschiedlich die Kulturen sind, aber vor allem auch, wie viele Gemeinsamkeiten es gibt.

Mitglieder: Der Kreisverband München des Dehoga hat 1200 Mitglieder, ungefähr zwei Drittel kommen aus der Hotellerie, ein Drittel aus der Gastronomie.

Nachtschwärmer: Die Sperrzeitverkürzung auf die Putzstunde von 5 bis 6 Uhr morgens haben wir 2004/05 durchgesetzt. Das kann sich heute gar niemand mehr vorstellen, dass es nach 23 Uhr nur drei Lokale gibt, die noch offen haben.

Online-Plattformen: Das Internet verbindet Nachfrage und Angebot mit der ganzen Welt. Durch diese Portale schaffen es auch kleinere Betriebe, sichtbar zu werden.

Persönlichkeit: Als Hotelier oder Wirt ergreift eine Persönlichkeit von einem Besitz, die man vielleicht so gar nicht mehr haben will. Ich möchte an den Punkt kommen, an dem ich mich in einem Lokal nicht mehr bücke, um die Papierl vom Boden aufzuheben oder den Tisch abwische, weil ich das Gefühl habe, das ist mein Job.

Quote: In München braucht ein Hotel eine 70-prozentige Belegung im Jahresschnitt, um rentabel zu werden.

Roman: Bis Ende des Jahres soll die Fortsetzung meines Mystery-Thrillers „Die Paulus-Affäre“ fertig sein. Der Arbeitstitel ist „Das Augustus-Elixier“. Es geht um einen keltischen Druiden, mit dem meine Frau als Medium Kontakt aufgenommen hat.

Schottenhamel: Wiesn- und Nockherberg-Wirt Christian Schottenhamel ist mein Nachfolger bei Dehoga. Er war zuvor fünf Jahre mein Stellvertreter, wir haben wunderbar zusammengearbeitet.

Teure Hotelzimmer: Wir müssen München mit gleichwertigen Städten wie Barcelona, Wien, vielleicht auch Paris oder London vergleichen. Wir sind deutlich unter dem Preisniveau dieser Städte, schließen aber auf dieses Niveau auf, in den Zeiten, in denen die Nachfrage es zulässt – wie während der Wiesn.

Uebernachtungen im Hotel gab es in München 2018 17,1 Millionen. Als ich angefangen habe, waren es noch sieben Millionen. Insgesamt haben wir in München jetzt 450 Hotels mit 80 000 Betten.

Vermittler: Beim Streit um die Feierbanane haben wir Clubbetreiber, Polizei und KVR an einen Tisch gebracht. Da haben sich die Wirte erstmals vernetzt.

Wettbewerbsverzerrung: 2,4 Millionen Menschen haben 2018 mittels Airbnb übernachtet. Diese Anbieter zahlen keine Steuern und werden nicht auf Vorschriften wie Jugendschutz, Brandschutz, Lebensmittelhygieneverordnung kontrolliert. Derweil ersaufen wir in Bürokratie und haben höhere Fixkosten. Es kann nicht sein, dass da mit zweierlei Maß gemessen wird.

X-Factor: Meine Frau ist ein Medium und hat konkrete Wahrnehmungen aus der Vergangenheit. Ich sehe es als Auftrag, das Thema Medium in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Die Wissenschaft beschäftigt sich damit gar nicht. Aber dieses Phänomen gibt es.

Yes: Die Hälfte der Münchner Touristen kommt aus dem Ausland. Im vergangenen Jahr hatten wir vor allem Zuwächse aus China – um 19,9 Prozent und aus den USA – um 16,7 Prozent.

Zwillinge: Meine älteste Tochter hat vor zwei Monaten Zwillinge bekommen. Natürlich helfen wir gerne, aber ich habe nicht vor, mir neue Verpflichtungen zu verschaffen.

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