1. hallo-muenchen-de
  2. Hallo-Interviews

„Schmerz und Humor liegen nah beieinander.“ - Michael Mittermeier im Gespräch

Erstellt:

Von: Sabina Kläsener

Kommentare

Michael Mittermeier und Frau Gudrun, mit der er seit 1998 verheiratet ist.
Michael Mittermeier und Frau Gudrun, mit der er seit 1998 verheiratet ist. © dpa/Felix Hörhager

Die Zahl 13 bietet reichlich Stoff für einen Comedian. In seinem neuen Programm geht der 56-Jährige erstmals auch an dunkle Punkte der eigenen Geschichte. Ein Gespräch über Aberglaube, Vertrauen zum Publikum und warum er im Knast landen könnte.

Herr Mittermeier, Ihr neues Programm heißt „#13“. Warum dann nicht Premiere am Freitag, dem 13.? Zwei gibt es dieses Jahr: Kommt der Januar zu früh, der Oktober zu spät?

Der Grundstein für das Programm wurde eigentlich vor dreieinhalb Jahren gelegt. Daher bin ich froh, dass es überhaupt stattfindet. Es hätte natürlich gepasst, die Premiere an diesem Datum zu machen. Aber es hat lange genug herumgelegen – die Botschaft, nicht das Programm! 

Sind Sie abergläubisch?

Nicht wirklich. Soweit ich mich erinnere, war Freitag der 13. immer ein guter Tag für mich. Ich verstehe den Sinn nicht, zum Beispiel dass es keine 13. Reihe im Flugzeug gibt. Wenn es logisch wäre, was würde das bedeuten: Wenn das Flugzeug abstürzt, kommt dann nur eine Reihe ums Leben? Eigentlich absurd.

Der eigene Aberglaube ist es schon mal nicht – es soll aber ein sehr persönliches Programm sein. Inwiefern?

Meine Tochter drängt sich immer mehr ins Programm. Wenn ich zum Beispiel Dialoge reinnehme, die 1:1 so stattgefunden haben. Natürlich frage ich sie, ob ich das verwenden darf. Und sie sagt: Ja, kannst du. Sie kommt vielleicht irgendwann und bekommt Tantiemen. Eigentlich stehen wir als Familie da oben. Und: Ich gehe bis zum Tod und wieder zurück, ein sehr persönliches Thema. Das war eins der Dinge, die ich lange vorhatte. Die Fähigkeit hätte ich vor vielen Jahren nicht gehabt. Ich kann mal so dunkel werden, in der eigenen Geschichte, und dann wieder rausgehen ans Licht. Und die Leute gehen es mit. Da bin ich sehr stolz drauf.

Also kann man auch nach so vielen Jahren noch etwas von sich preisgeben. Weil das Leben passiert und, wie es sich bei Ihnen anhört, Sie dem Publikum mehr anvertrauen können.

Da haben Sie recht. Ich gehe, ohne es auszusprechen, an den dunkelsten Punkt meiner Geschichte. Die Zuschauer haben es verstanden.

Möchten Sie verraten, was dieser dunkle Punkt ist?

Jetzt gerade nicht. Ich gehe dabei nach Gefühl. Schrägerweise habe ich mich viele Jahre gefragt, wie man gewisse Sachen machen kann. Und jetzt habe ich es getan und es hat keine Welle geschlagen und das zeigt, dass es gut ist. Schmerz und Humor liegen nah beieinander. 

Wird man deswegen vorsichtiger? Gibt es Momente, in denen Sie Ihr Glück herausfordern?

Ziemlich oft. Ich bin gar nicht der Mutigste. Aber ich habe Dinge getan, die waren als Mutloser nicht logisch. Ein Beispiel: Ich war der erste Deutsche, der nach England und in die USA ging, um Stand-up-Comedy zu machen. Alle haben gesagt, das ist Quatsch, die werden dich eh zerreißen. Und es hat funktioniert. Ich habe extrem viel gelernt, das beste Bootcamp. 

Ein recht prägendes 13. Jahr haben Sie in der Zwischenzeit privat „überstanden“ – Ihre Tochter wird jetzt 15. 

13 ist so ein Alter, da gibt es viele Kids, die wollen auch noch Kind sein. Und dann gibt’s andere, die schon mit zwölf anfangen und sagen: Hallo, ich möchte gerne alles tun, was Erwachsene schon tun. Unsere Tochter war 13 zu einer Zeit, wo die Welt nicht so offenstand wie sonst. Da war noch der lange Lockdown. Es ist ein Unterschied, ob du gleich alles machen kannst, zum Beispiel mit den Freunden in die Stadt gehen. Oder ob du daheim mit Mama und Papa sitzt und die Siedler von Catan spielst. Jetzt mit 15 wappne ich mich. Denn irgendwann kommt der erste Kollege nach Hause. Dann muss ich so tun, als ob ich ihn mag. Ich kann jetzt schon sagen, dass ich das tun muss. Alles andere geht nicht.

Lassen die Damen des Hauses nicht durchgehen.

Wenn mein Vater gesagt hätte: Die finde ich aber nicht gut. Dann hätte ich sie noch extra geheiratet. Daher alles gut finden und mal schauen. Meine Frau hat zu mir gesagt: Michl, du musst dich drauf vorbereiten. Das tue ich. Ich mache alles an Meditation. Ich werde den Dalai Lama in mir entdecken, wenn ich die Tür öffne… Entweder alles läuft gut, oder ich lande im Knast. Das sind die zwei Möglichkeiten.

Ich werde die Nachrichten im Blick behalten.

Wenn es da drin ist, dann ist es richtig schiefgelaufen. 

Gewinnen Sie Karten für die Show von Michael Mittermeier.

Zur Person

Endlich kommt das neue Programm auf die Bühne. Denn es kam anders als gedacht: „In der Zwischenzeit habe ich noch zwei andere gemacht. Also ist es eigentlich das 15., nicht das 13. Programm“, erklärt Michael Mittermeier im Interview. „Aber die Zahl hat eine Bedeutung. Und die Plakate waren schon gedruckt.“ So kennt man den Stand-up-Comedian, geboren am 3. April 1966 in Dorfen, der mit Frau Gudrun und Tochter Lilly in Pullach wohnt.

Er hat bewusst abgewartet. Denn er musste ein Schicksal verarbeiten. „Und als dann Corona kam, wollte ich ‚13‘ nicht mit dem Virus infizieren.“ Es wird diesmal sehr persönlich, auch, weil er zeigen will, wie der Michl die Welt gerade sieht – oder Mittermeier. „Kann man beides sagen – ich bin seit 30 Jahren auf Tour, da bin ich der Mittermeier. Aber ich bin immer noch der Michl, der versucht, die Welt zu entdecken.

Mit dem Hallo München-Newsletter täglich zum Feierabend über die wichtigsten Geschichten aus der Isar-Metropole informiert.

Auch interessant

Kommentare