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Die Gräfelfingerin Monika Meier-Pojda vertritt die Interessen von vier Millionen Frauen in Bayern

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Die Präsidentin des Bayerischen Landesfrauenrats (BayLFR) Monika Maier-Pojda im A bis Z über Gleichberechtigung, ihre Motivation und ihr Arbeitsumfeld.
Die Präsidentin des Bayerischen Landesfrauenrats (BayLFR) Monika Maier-Pojda im A bis Z über Gleichberechtigung, ihre Motivation und ihr Arbeitsumfeld. © Bayerischer Landesfrauenrat

Monika Maier-Pojda ist Präsidentin des Bayerischen Landesfrauenrats. Im Interview spricht sie über Chancengleichheit in Bayern, das Gendern und Feminismus.

München ‒ Monika Meier-Pojda hatte eine sehr gute Bewertung – doch befördert wurde ihr Kollege. Der Grund: ihre Elternzeit. „Das war zwar in den 90er-Jahren, aber es geht vielen Frauen auch heute so“, sagt die 67-Jährige. Gegen solche Benachteiligungen kämpft Meier-Pojda heute mit dem Bayerischen Landesfrauenrat (BayLFR), dessen Präsidentin sie seit Oktober 2021 ist.

Nicht ihr einziges Ehrenamt: Die Gräfelfingerin ist auch stellvertretende Vorsitzende im Landeskomitee der Katholiken in Bayern und im Kuratorium der Stiftung Obdachlosenhilfe. Warum auch in diesen Bereichen Frauen ungleich behandelt werden, warum München mehr braucht als mehr Plätze in Frauenhäusern und wie der BLFR sein 50-jähriges Bestehen feiert, verrät Meier-Pojda hier von A bis Z.

Monika Meier-Pojda, (67), Präsidentin des Bayerischen Landesfrauenrats, von A bis Z

Altersarmut betrifft Frauen in großem Maße. Wegen der Kindererziehung ergeben sich oft Rentenlücken. Das ist in München umso schwieriger. Ich kenne einige, die ihr Leben lang gearbeitet haben und jetzt nicht wissen, wie sie sich ihre Wohnung leisten sollen.

Bunt gemischt: Im BayLFR sind 56 Verbände – vom Bayerischen Beamtenbund bis zum Verband alleinerziehender Mütter und Väter.

Chancengleichheit ist eine Grundlage unserer Demokratie. Aber es gibt dabei noch viel zu tun.

Dampf machen: Wir vom BayLFR sind Lobbyistinnen für Themen, die Frauen betreffen. Wir organisieren Veranstaltungen, reden mit den frauenpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen und haben fünf Fachausschüsse, die Positionspapiere erarbeiten und in die Politik einbringen.

Energiekrise ist eine Zerreißprobe für unsere Demokratie. Wer in München lebt und im Niedriglohnsektor arbeitet, muss durchaus überlegen, ob er heizt oder isst.

Feministin: Je älter ich werde, desto feministischer werde ich. Denn im Laufe meiner Arbeitstätigkeit habe ich immer gesehen, dass es nötig ist, den Finger in Wunden zu legen.

Gendern: Die Hälfte der Bevölkerung ist weiblich – deswegen bin ich absolut fürs Gendern. Die Sprache hilft dabei, die Sichtbarkeit von Frauen zu verstärken.

Häuser für Frauen waren beim Sozialdienst katholischer Frauen lange mein Thema. In München wurde zuletzt zwar Einiges erreicht. Aber wir brauchen noch mehr Betreuungsmöglichkeiten, auch ambulante Formen. Und vor allem Wohnungen für diejenigen, die nicht wissen, wo sie nach dem Frauenhaus hinsollen.

Initiative: „Madame Courage“ ist ein Projekt für alleinerziehende Studentinnen, das ich 2012 nach einem Vorbild aus Münster nach Bayern gebracht habe. Seitdem haben wir circa 100 Frauen mit Kind dabei geholfen, ihr Studium erfolgreich zu beenden.

Jubiläum: Wir planen am 27. Juni einen Staatsempfang mit der Sozialministerin und dem Ministerpräsidenten. 

Kirche: Es ist an der Zeit, dass in der Kirche auch Frauen Ämter übernehmen, weil sie bereits ganz viel ehrenamtlich mitgestalten. Das Diakonat der Frau ist eine unserer Forderungen.

Leben, ungeborenes: Ich stehe ganz klar für das Lebensrecht des Kindes. Dieses kann ich aber nur mit der Mutter gemeinsam schützen. Darum ist es wichtig, mit den Frauen ins Gespräch zu kommen. Was sind ihre Sorgen, das Kind zu bekommen? Wie kann man unterstützen? Aber ich bin keine Hardlinerin. Bleibt die Frau bei ihrer Entscheidung abzutreiben, muss man das akzeptieren. 

MINT: In Schulen sollte mehr darauf geachtet werden, Mädchen für technische Berufe zu begeistern. Aber wir müssen auch Wert darauf legen, dass eher als frauenspezifisch geltende Berufe mehr Ansehen genießen. Sonst bekommen wir in Zukunft, etwa bei der Kindererziehung, extreme Probleme.

Netzwerken ist wichtig, aber auch, dass es zu Ergebnissen führt.

Obdachlosigkeit: Oft werden dabei vorrangig Männer gesehen. Weibliche Obdachlosigkeit ist versteckter: Manche Frauen kommen bei Bekannten unter, die im Gegenzug Gefälligkeiten fordern. In der Rosenheimer Straße gibt es mit „Otto und Rosi“ einen Raum, in dem obdachlose Frauen sich waschen oder zur Ruhe kommen können. Aber es braucht mehr davon.

Pay Gap: Im Schnitt verdienen Frauen 18 Prozent weniger als Männer. Das müssen wir dringend ändern.

Quote: Ich bin absolut für eine Frauenquote – nicht nur in Dax-Vorständen. Wir haben es lange genug ohne probiert, aber da schaffen es nur Einzelne, aufzusteigen. Das ist mir zu wenig.

Rollenbilder: Da hat sich viel getan: Bei meinen Eltern waren die Rollen klar verteilt, ich habe das schon anders gelebt. Aber leider sehe ich seit Corona, dass durch Homeschooling und Co. wieder mehr Frauen in alte Rollen gerutscht sind. 

Sozialpädagogin bin ich. Nach dem Studium war ich 13 Jahre Bewährungshelferin. Danach Referentin der Schwangerschaftsberatung beim Sozialdienst katholischer Frauen in Bayern, dessen Geschäftsführung ich von 1996 bis 2019 innehatte.

TV-Gewalt: Die Malisa-Studie von 2019 hat gezeigt, dass im Fernsehen Gewalt gegen Frauen häufiger und extremer dargestellt wird. Wir haben dazu im November alle großen Sender angeschrieben. Am 4. Oktober planen wir noch eine Veranstaltung zu dem Thema. Bis dahin schauen wir, ob sich was ändert.

Unabhängigkeit: Mein Credo, das ich vielen Frauen ans Herz lege, ist: „Ihr Partner ist nicht Ihre Versicherung“.

Vorbild: Die zweite Leiterin des Sozialdienstes katholischer Frauen in Bayern, Thea Schroff, hat sich bei der Vertretung der Interessen von Frauen von niemandem beirren lassen. Es ging ihr immer um die Sache.

Würmtal: Ich komme eigentlich aus der Nähe von Baden-Baden und bin wegen des Studiums nach München gezogen. Seit 1989 lebe ich in Gräfelfing.

Xanthippe: Frauen werden von Männern oft als hysterisch bezeichnet, wenn sie ihre Anliegen vehement vorantreiben wollen. Männer werden hingegen eher als durchsetzungsstark bezeichnet. Das regt mich wirklich auf. 

Y-Chromosom: Von Männern wünsche ich mir, dass sie mit uns zusammen an einer solidarischen Gemeinschaft arbeiten.

Zukunft: In 50 Jahren BayLFR haben wir zwar erreicht, dass Frauen eine Stimme haben. Aber bis zu wirklicher Chancengleichheit wird es wohl mindestens weitere 50 dauern.

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