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Generaloberin Edith Dürr über 150 Jahre BRK-Schwesternschaft München, Politik und Kriegseinsätze

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Von: Ursula Löschau

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Edith Dürr ist Generaloberin und hauptverantwortlich für die Schwesternschaft des BRK.
Edith Dürr ist Generaloberin und hauptverantwortlich für die Schwesternschaft des BRK. © SWMBRK

In Krisenzeiten ist das Rote Kreuz besonders gefragt und so auch jetzt. Die Chefin der BRK-Schwesternschaft München spricht bei Hallo über den Verein und auch über den Kriegssantätsdienst...

MÜNCHEN-NEUHAUSEN Frauen im Beruf zu fördern und die Qualität der Pflege nicht nur zu sichern, sondern weiter zu steigern, sind die beiden wichtigsten Ziele von Edith Dürr. Seit 2006 ist die 63-Jährige, die ihre Laufbahn als Krankenschwester begonnen hat, General­oberin und Vorstandsvorsitzende der Schwesternschaft München vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Diese Institution mit rund 1400 Mitgliedern feiert heuer ihr 150-jähriges Gründungsjubiläum. Dazu findet am Freitag, 8. April, im Hochhaus der Schwesternschaft am Rotkreuzplatz eine Lesung über Clementine von Wallmenich (1849 bis 1908) statt.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Sie war eine Pionierin im Bereich der Pflegeaus- und -weiterbildung für Frauen. Das jährliche Schwesternfest im Mai steht im Zeichen des Jubiläums und am Freitag, 15. Juli, ist ein Festakt in Schloss Nymphenburg geplant. In die Jubiläums-Freude mischt sich für Dürr aber auch stets der Ernst der täglichen Verantwortung. Sei es als Chefin von 2200 Mitarbeitern in den Einrichtungen der BRK-Schwesternschaft, als politische Vertreterin ihres Berufsstandes unter anderem als Vorsitzende des Bayerischen Landespflegerats und natürlich ganz aktuell angesichts des Ukraine-Krieges als Mitglied einer weltweiten Hilfsorganisation.

Wie Rotkreuzschwestern einem Kriegssanitätsdienst gegenüberstehen, warum Edith Dürr selbst jahrelang aus dem Frauenverein ausgeschieden war und wo sie sich zuhause fühlt, verrät sie im Hallo-Interview.

Generaloberin Edith Dürr (63) von A bis Z

Ausbildung: Junge Menschen in Pflegeberufen auszubilden, ist eine der Kernaufgaben, die die Schwesternschaft ausmachen – seit 150 Jahren und auch in Zukunft. Ohne Nachwuchs existiert auch der Verein nicht weiter.

Berufspolitik ist in den vergangenen Jahren auch für uns immer wichtiger geworden. Unser Verein versteht sich als berufspolitische Vertretung der Mitglieder. Ohne dieses Engagement verändert sich in der Profession Pflege nichts. 

Chance: Für mich ist die Position der Generaloberin die Chance, etwas für den Pflegeberuf zu verändern.

Dienst-Tag für Menschen: Vom Frühjahr bis zur Bundestagswahl 2021 wurde jeden Dienstag für bessere Rahmenbedingungen in Gesundheits- und Sozialberufen demonstriert. Und wir bleiben dran, bis sich wirklich etwas tut. So wurden alle Bundestagsabgeordneten und der Gesundheitsminister angeschrieben.

Eröffnung: Vier Krankenschwestern eröffneten 1873 an der Mai­straße das erste Krankenhaus der Schwesternschaft in München. 1892 wurde das Krankenhaus am Rotkreuzplatz mit 80 Betten und Schwesternhaus eröffnet. Daraus ist so etwas Großes entstanden. 

Frauen-Netzwerk: Wir lebten und leben als Frauenverein vom Austausch untereinander, und davon, dass es immer wieder Frauen gibt, die neue Ideen haben. 

Generaloberin: Ich bin Vorstand eines Vereins, trage die Gesamtverantwortung für alle Mitglieder. Ich bin aber auch Unternehmerin, Netzwerkerin und öffentliche Person, die politisch agiert.

Hochhaus: Das 1967 bezogene Gebäude der Schwesternschaft am Rotkreuzplatz ist ein Wahrzeichen für Neuhausen und war Münchens erstes Hochhaus. 

Intensiv war die Belastung durch Corona in den vergangenen zwei Jahren für das Gesundheitswesen und besonders für die Mitarbeiter auf den Intensivstationen. Im Rotkreuzklinikum wurden 2020 und 2021 insgesamt rund 30 Prozent aller Corona-Patienten auf der Intensivstation behandelt.

Jubiläum: 150 Jahre Schwesternschaft – das ist eine beachtenswerte Zeitreise und auch für mich als General­oberin ein besonderes Ereignis.

Kriegssanitätsdienst: Jahrzehntelang konnten wir uns nicht vorstellen, dass Rotkreuzschwestern wieder in Kriegsgebieten eingesetzt werden müssen. Doch es gehört zu unserer Geschichte. Über Jahrzehnte gab es Kriegs- und Lazaretteinsätze. Heute ist man Mitglied in der größten Hilfsorganisation der Welt. Daraus ergibt sich die Verpflichtung, zu helfen. Bereits 40 Mitglieder aus unserer Schwesternschaft haben sich aktuell für einen Einsatz im In- oder Ausland gemeldet.

Leben habe ich zwei: eines für die Schwesternschaft in München und eines für meine Familie in Franken. Wobei: Die Liebe zur Familie und zum Verein sind natürlich unterschiedlich, aber Vieles basiert auf Vertrauen.

Mitglieder: Wir haben mit vier begonnen, heute sind es 1400. Sie verteilen sich auf die Einrichtungen der BRK Schwesternschaft München in München und Umgebung, Lindenberg im Allgäu, Würzburg und Wertheim. 

Neuhausen: Hier fühle ich mich sehr wohl, weil wir spüren, dass wir als Institution dazugehören.

Orden: 2018 habe ich den Bayerischen Verdienst­orden bekommen. Das bedeutet mir sehr viel. Es stellt doch eine große Wertschätzung für meine Person und meine berufspolitische Arbeit dar.

Pflegerat: Das ist ein Verbund von etwa 20 Fachverbänden. Als Vorsitzende ist es unter anderem meine Aufgabe, einen engen Austausch mit der Politik zu pflegen und Aufklärungsarbeit zu leisten, dass es uns nicht um den Selbstzweck der Pflege geht, sondern um die Versorgung der Bevölkerung und die Qualität der Pflege.

Quatsch machen meine Enkel und bringen mich zum Lachen. Aber auch in der Arbeit, im Verein ist es wichtig, dass man miteinander lachen und auch mal Quatsch machen kann.

Rotkreuz-Familie: Die ist riesengroß und verbindet weltweit. Henri Dunant hat aus einer Krise heraus eine welt­umspannende Organisation geschaffen. In Bayern gehören die Schwesternschaften sowie die verschiedenen BRK-Gliederungen bis hin zu den vielen Ehrenamtlichen dazu.

Schwesternschaft: Wir sind ein Verein, der Frauen in Beruf und Karriere fördert, weswegen die Mitgliedschaft nur Frauen offensteht. Gezielte Frauenförderung ist in unserer Gesellschaft auch heute noch wichtig. 

Tracht war für Rotkreuzschwestern jahrzehntelang ganz normal. Heute tragen wir sogenannte Image-Kleidung. Was geblieben ist, ist eine einheitliche Brosche als Erkennungssymbol.

Unverheiratet mussten die Schwestern bis in die 80er-Jahre hinein sein, um Vereinsmitglied sein zu können. Das hatte viel mit dem Pflegeverständnis zu tun, immer für die Patienten da sein zu können. Heute ist der Familienstand kein Kriterium mehr. Ich selbst schied 1978 vor der Geburt meiner ersten Tochter aus und trat nach zwölf Jahren Familienpause wieder ein.

Vorbild: Eine Ordensschwester hat mich während meiner Ausbildung stark geprägt. Sie hatte eine unwahrscheinlich hohe Fachlichkeit, gepaart mit großer Menschlichkeit.

Würzburg ist für mich Heimat. Meine Familie lebt da in der Nähe. Und ich habe dort meine beruflichen Wurzeln. Wenn ich am Wochenende von München nach Würzburg fahre, ist es schön, heim zu kommen.

Xylophon: Ich spiele selbst kein Instrument, liebe aber Musik von Mozart bis zu deutschem Schlager.

Yin-Yang: Es muss eine Balance geben zwischen den guten und schlechten Einflüssen im Leben. Nur so kann man Zufriedenheit und Gesundheit erlangen.

Zusammenhalt: In der Schwesternschaft leben wir einen generationenübergreifenden Zusammenhalt. Vielfältige Berufs- und Lebenserfahrungen unserer Mitglieder tragen die Organisation und sind die Basis für einen gemeinsamen Weg in die Zukunft.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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