A bis Z mit Polizei-Seelsorger Andreas Simbeck

Andreas Simbeck: „Der Schusswaffengebrauch ist für einen Polizisten der Mega-Gau.“

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Andreas Simbeck und 15 Kollegen sind  für rund 40 000 Beamte sowie alle Tarifbeschäftigten der Polizei zuständig.

Er ist der Freund und Helfer für die Polizei: Andreas Simbeck betreut seit 15 Jahren als Seelsorger rund 40 000 Beamte – was das bedeutet erklärt er  von A bis Z in Hallo.

Viele Polizisten geraten früher oder später in belastende Ausnahmesituationen: Sie müssen einen Unfall mit vielen Toten aufnehmen oder werden zum Schauplatz eines brutalen Mords gerufen. Im Einsatz können sie es meist verdrängen. „Wenn sie Zeit haben, darüber nachzudenken, kommen die schrecklichen Bilder wieder hoch“, sagt Andreas Simbeck. Und dann kommt oft der 57-Jährige Laimer ins Spiel. Denn Simbeck ist der oberste katholische Polizeiseelsorger in Bayern, 15 Kollegen unterstützen ihn bei seiner Arbeit.

Ihre Anzahl ist seit einigen Jahren gleich geblieben, doch die Einsatzstunden haben sich erhöht. Dennoch sagt Simbeck: „Auf ganz Bayern verteilt passt das Personal, aber wir haben ein paar blinde Flecken, vor allem in Ostbayern.“ Derzeit betreut Simbeck diese Gebiete zusätzlich zu München, insgesamt sind er und seine Kollegen für rund 40 000 Beamte sowie alle Tarifbeschäftigten der Polizei zuständig.

Wie er ihnen hilft, wie sich seine Arbeit verändert hat und was das wichtigste Werkzeug eines Polizisten ist, lesen Sie von A bis Z. Andreas Schwarzbauer

Polizei-Seelsorger Andreas Simbeck (57) von A bis Z

Ausbildung: Von 1992 bis 2004 war ich Gemeindepfarrer in Trudering, St. Augustinus. Dort habe ich schon ehrenamtlich in der Polizeiseelsorge gearbeitet und berufsethischen Unterricht gegeben. Irgendwann hat mich mein Vorgänger gefragt, ob ich es hauptberuflich machen will.

Beichtgeheimnis: Wir Polizeiseelsorger wahren nicht nur das Beichtgeheimnis, sondern haben auch ein Zeugnisverweigerungsrecht. Das zeichnet uns aus, denn das haben neben uns nur wenige andere Berufsgruppen.

Couch: Ich sitze nicht nur auf der Couch oder am Schreibtisch, sondern besuche die Polizeiwachen und begleite Polizisten in ihrem Dienst. Ich will erleben, wie Polizeiarbeit funktioniert.

Dienstwaffe: Der Schusswaffengebrauch ist für einen Polizisten der Mega-­Gau. Viele kommen danach relativ schnell zu mir. Es geht dabei nicht um rechtliche, sondern um moralische Fragen.

Ethikunterricht: Wir unterrichten Polizisten in ihrer Ausbildung im Fach Berufsethik. Es ist kein Religionsunterricht, sondern wir beschäftigen uns mit der Frage, wie gehen wir miteinander um. Dabei geht es um das Verhältnis zwischen Kollegen oder Chef und Mitarbeiter, aber auch um das Verhalten Bürgern – speziell Straftätern –gegenüber.

Frauenchor der Polizei: Ihn gibt es seit sechs Jahren. Ich war nicht unbeteiligt an der Gründung. Die Frauen hatten keine Chorleiterin und ich habe eine Brücke zu einer geeigneten Person gebaut.

„Gewalt gegen Polizisten hat in den vergangenen Jahren zugenommen.“

Gewalt gegen Polizisten hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Beamten werden immer mehr beleidigt, aber auch körperlich angegangen. Dahinter steckt ein gesellschaftliches Problem.

Humor ist der Stuhlgang der Seele. Über sich selbst lachen zu können, ist sehr befreiend.

Innenleben: Viele haben gar nicht auf dem Schirm, dass auch die Seele verletzt werden kann. Das versuchen wir auf Seminaren, den Leuten zu vermitteln. Um die Seele zu heilen, soll jeder überlegen, was ihm gut tut. Wichtig ist es, sich nicht abzukapseln.

Jubiläum: Die Polizeiseelsorge feiert nächstes Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Das Programm ist gerade im Entstehen. Es wird kleinere und größere Angebote geben.

Krisenintervention machen wir Polizei-Seelsorger nicht. Wir fahren nicht raus, um Dritte zu betreuen. Wir sind ausschließlich für die Beamten und Angestellten sowie deren engste Familienangehörige zuständig. Für einen Unfall mit vielen Toten gibt es die Notfall-Seelsorge.

Liturgie: Eine meiner Aufgaben sind Gottesdienste zu ganz unterschiedlichen Anlässen, wie bei Hochzeiten und Beerdigungen von Polizisten oder Vereidigungen und Diplomierungsfeiern. Meist ist der Gottesdienst ökumenisch.

München: Ich bin stolz darauf, gebürtiger Münchner zu sein. Ich liebe an meiner Heimatstadt die Lebensart, die Innenstadt und die Wiesn.

Name: Andreas war einer der zwölf Apostel. Apostel heißt, hingeschickt werden. Das passt gut zu mir, denn ich fühle mich im Sinne des Evangeliums zur Polizei gesandt.

Offenheit: Unsere Angebote werden sehr gut angenommen. Die Polizei ist offener geworden für Lebensfragen. Vor 15 Jahren war von Polizeiführern noch zu hören, dass ein Polizist keine Angst haben darf. Wer es nicht aushielt, dem wurde empfohlen, Sozialpädagoge zu werden. Das hat sich verändert.

PIN steht für „Polizei Integriertes Netz“. Ein Polizist soll sich in ein Netz fallen lassen können, das von verschiedenen Berufsgruppen wie Sozialpädagogen, dem Zentralen Psychologischen Dienst oder eben der Seelsorge geknüpft wurde.

Quelle: Jeder Mensch hat eine Quelle, aus der er Kraft schöpft. Meine ist die Musik.

Radio: Ich bin im Jahr 25 000 Kilometer unterwegs. Bei langen Autofahrten höre ich gerne Radio. Unterwegs laufen bei mir BR Klassik und B5 Aktuell.

Schauspieler wollte ich als Kind werden. Ich glaube, ich habe die Fähigkeiten, Leute zu unterhalten. Was im Gottesdienst passiert, hat auch etwas mit Inszenierung zu tun.

Todesnachricht: Wir schulen die Polizisten auch darin, Todesnachrichten zu überbringen. Sie können dann nicht ihre Arbeitssprache einsetzen, sondern müssen umschalten. Man kann bei einem Kindstod nicht sagen, die Leiche ist zur Sachbearbeitung beschlagnahmt.

Unterstützung: Wir machen ein Angebot, damit die Polizei ihre wichtige Arbeit für Staat und Gesellschaft besser leisten kann. Dabei arbeiten wir ökumenisch. Wir fragen den Beamten, der Hilfe sucht, nicht, ob er katholisch, evangelisch, muslimisch oder Atheist ist. Sie können unabhängig ihres Glaubens kommen.

Vollzeit: Seit 2004 arbeite ich in Vollzeit als Polizeiseelsorger. Wir sind so aufgestellt, dass wir rund um die Uhr, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr ansprechbar sind.

Wort: Am Einsatzgürtel eines Polizisten hängen Hilfsmittel wie das Pfefferspray oder die Schusswaffe. Außerdem gibt es noch ein unsichtbares Werkzeug: das Wort. Der Beamte muss mit dem Bürger reden, um deeskalierend vorzugehen. Er sollte immer erklären, warum er da ist.

Xystus ist lateinisch und bedeutet Terrasse. Ich bin oft mit Polizisten auf Pilgerfahrt in Rom. Dort genieße ich es mit einem Glas Wein auf einer Dachterrasse zu sitzen und mich zu unterhalten.

Y-Chromosom: Bei der Polizei dominieren die Männer. Frauen haben sich teilweise an die Männerwelt angepasst.

Zuständig bin ich für München und Niederbayern. Als Landesbeauftragter für die katholische Polizeiseelsorge übernehme ich außerdem Aufgaben wie Gespräche mit dem Innenminister.

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