A bis Z mit Regisseur und Drehbuchautor Marcus H. Rosenmüller

Marcus H. Rosenmüller:"Sport sollte nicht käuflich sein!"

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Marcus Rosenmüller bringt in seinem neuen Film "Trautmann" Manchester nach München - in die Holzstraße.

Der Regisseur und Drehbuchautor Marcus H. Rosenmüller spricht in Hallo über aktuelle Projekte und seinen neuen Film „Trautmann“ - von A bis Z

Am 14. März kommt „Trautmann“, der neue Film des Regisseurs aus der Isarvorstadt, ins Kino. Er erzählt die Lebensgeschichte des deutsch-britischen Torwarts Bernhard Trautmann (David Kross), der als Feind „Traut the Kraut“ nach England kam und schließlich bei Manchester City zur Legende wurde. 

Im Interview spricht Marcus H. Rosenmüller über die Herausforderungen beim Dreh, darüber, wo Manchester in München zu finden ist, über die Schuldfrage und Vorurteile. Woran er außerdem derzeit arbeitet, weshalb er dem Thema Heimat nie auskommt und wieso man über den „Rosi“ als Kind beim Frühstück gelacht hat, lesen Sie hier von A bis Z.

Daniela Borsutzky

Regisseur und Drehbuchautor Marcus H. Rosenmüller (45) von A bis Z

Animationsfilm: In Österreich arbeite ich gerade an einer fiktiven Lebensgeschichte über den berühmten Karikaturisten Manfred Deix. Die wird jetzt in jahrelanger Arbeit animiert. Das ist eine besondere Herausforderung, so ganz ohne Schauspieler.

Boandlkramer: Ich darf zusammen mit Uli Limmer an einer Fortsetzung vom Brandner Kaspar für Joseph Vilsmeier mit dem Bully arbeiten. Das freut mich besonders, weil ich dem Joseph meinen Eintritt ins Berufsleben zu verdanken hab.

Chamäleon: In ,Sommer der Gaukler‘ ist die Verkleidung ein großes Thema. Besonders wichtig ist die Verkleidung wohl im Schmerz, wenn man sich ein Superman-Hemd überziehen kann.

David Kross war ein Glücksgriff für mich, im wahrsten Sinne des Wortes. Er hat sowohl die sportliche als auch die schauspielerische Leistung fest im Griff.

Englisch: Im Manchester Dialekt gibt’s andere Wörter, da musste ich schon öfter nachfragen, was die jetzt eigentlich gesagt haben. Der Schotte Gary Lewis, der Manchesters Trainer verkörpert, hat dagegen wie ein Bayer Englisch gesprochen.

Fußball: Ich hab selber ganz lange gespielt und finde, dass er als Breitensport noch viel mehr gefördert werden sollte, anstatt alles immer elitärer zu machen. Ich werde mir bestimmt nie extrig einen Sender zulegen, um zu schauen. Sport sollte nicht käuflich sein!

Glockenbachviertel: Wir haben in ganz Nordirland nach einem Drehort gesucht und gefunden haben wir ihn quasi vor der Haustür – Manchester in der Holzstraße.

Heimatfilm: Ich mache Filme, die mich interessieren. Die so interessant sind, dass sie ein Teil von mir und somit auch Heimat werden.

Immer werde ich gefragt, was es mit der Heimat auf sich hat. Ich glaube, dass es die Leute schon gar nicht mehr hören können, weil ich immer dasselbe sag. Ich frage mich immer, ob es so wichtig ist, weil so viel drüber geredet wird, oder weil’s wirklich wichtig ist.

Jubel: Die Inszenierung der Zuschauer bei den Tonaufnahmen im Manchester Stadion hat mir alles abverlangt. Damit die Komparsen einen Fixpunkt haben bin ich unten rumgerannt, hab mich foulen lassen, damit sie eben alle in die gleiche Richtung schauen. Und weil ich nix zum Umziehen dabei hatte, musste ich mit verdreckter Hose von Manchester heimfliegen. Wie früher beim Bolzen!

"A scheens Bauernbrot mit Butter, Tomate, Zwiebel, Salz, Pfeffer"

Kraut, Traut the: Man kann nicht über jemanden oder etwas urteilen, ohne ihn oder es zu kennen. Begegnungen bauen Vorurteile ab. Man muss Dinge ausprobieren. Ging mir zum Beispiel mit der Oper so.

Laster: Ich neige dazu, zu viel zu wollen – zu früh vom gelegten Ei zu sprechen.

München: Wenn ich woanders bin, erzähl ich immer, wie toll es ist, dass wir mittendrin einen Fluss haben, in den man reinhüpfen kann. Das ist das schönste Geschenk.

Nie werde ich gefragt, warum ich so gerne Tomatenbrot esse. A scheens Bauernbrot mit Butter, Tomate, Zwiebel, Salz, Pfeffer. Meine Mama erzählt immer, dass früher im Urlaub alle gelacht haben, weil ich eben kein Marmeladenbrot zum Frühstück wollte (lacht).

Oper: Vor ein paar Jahren durfte ich an der Bayerischen Staatsoper ein Stück inszenieren und habe dadurch diese Kunstform erst zu schätzen gelernt. Wahrscheinlich sind sie durch das Singspiel auf mich aufmerksam geworden. Manchmal juckts mich in den Fingern, nochmal eine Oper zu machen.

Professor für Regie an der HFF bin ich gerne. Man hat wirklich das Gefühl, die Studenten konkret zu unterstützen. Gleichzeitig wird man gefordert, hinterfragt sich immer wieder.

Quetschn: Da muss ich an die Fraunhofer Schoppenstube denken, in der immer gemeinsam musiziert wurde.

Reitanlage Riem: Mit den heutigen technischen Möglichkeiten und einer guten Szenenbildabteilung war es möglich, daraus das Manchester Stadion zu kreieren – großartig.

Schuld: Schon immer war die Frage, warum der Mensch den Rucksack der Schuld mit sich herum trägt, ein Thema für mich. Ob wir ihn kollektiv abstellen können oder ob er tatsächlich zu moralisch besserem Leben verhilft. Ich hab noch keine Antwort.

Trautmann: 2008 hat mir mein Produzent von Bernd Trautmann erzählt. Ich hatte bis dahin noch nie von ihm gehört. Sofort war ich gefesselt von seiner Lebensgeschichte und wusste, dass wir einen Film machen müssen.

Unheimlich perfekte Freunde: So heißt mein erster hochdeutscher Kinderfilm, der im April ins Kino kommt. Gedreht haben wir unter anderem im mittlerweile geschlossenen Wellenbad „Alpamare“ in Bad Tölz – mein Sehnsuchtsort als Kind. Ich war nur zwei Mal dort, weil es so teuer war.

Valencia: Dort bin ich dem echten Trautmann begegnet und durfte ihn eine Woche kennenlernen. Er verstarb 2013. Was mir außerdem im Kopf blieb: Zum ersten Mal stand ich dort vor einer Stierkampfarena. Mir wurde wieder bewusst, dass es tatsächlich Leute gibt, die sich sowas ansehen. Absolut nicht nachvollziehbar für mich.

Wer früher stirbt ist länger tot: Hier habe ich bereits versucht, die Schuldfrage zu verarbeiten. In diesem Fall, war die Schuld bereits durch die Geburt da.

Xenie: In der Literaturwissenschaft ist damit ein Spottgedicht gemeint. Ich verehre ja Wilhelm Busch. Seinen Band „Zu guter Letzt“ kann ich für Erwachsene sehr empfehlen. Oder wenn man bei den alten Griechen reinliest – da gibt es Weisheiten, die sind brandaktuell.

Yoga: Auch so eine Sache, bei der ich erst Vorurteile hatte und dann begeistert war. Kann ich jedem empfehlen.

Zeit: Das Verständnis von Zeit verändert sich mit dem Alter. Manchmal kann ich nicht glauben, dass ich schon 45 bin. Außen und Innen sind nicht eins. Das Innen bleibt jung, während das Außen altert. Wird Zeit, dass ich mich vom Außen irgendwann trenne...

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