Hardy Krüger junior im Gespräch mit Hallo München

Hardy Krüger junior: „Nicht gedacht, nochmal so glücklich zu werden“

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Nach allem, was Hardy Krüger junior durchlebt hatte, beschloss er, sich aus der TV-Landschaft zurückzuziehen und wieder zu sich zu finden. Jetzt ist der Schauspieler zurück auf der Bühne.

Er war in den 90ern der Schwarm tausender Teenies, später der Deutschen liebster Förster. Dann der Schock: Sein Sohn starb am plötzlichen Kindstod. Was ihm geholfen hat, diesen Schicksalsschlag zu verarbeiten, wie er seitdem zum Tod steht und was seine Alternative zur Meditation ist, verrät der 50-Jährige hier. von INES WEINZIERL

2018 war turbulent, Herr Krüger. Sie sind 50 geworden, sind nach Berlin gezogen und haben geheiratet. Haben Sie 2011, als Ihr Sohn am Kindstod gestorben ist, geglaubt, dass Sie jemals wieder so glücklich werden?
Nein, damit habe ich nicht gerechnet. Nach alledem, was ich erlebt habe, habe ich mich zurückgezogen und über vieles nachgedacht. Dann habe ich zurück gefunden und meine Frau kennengelernt. Ich sehe das, was jetzt passiert ist, als großes Geschenk und bin dafür wirklich sehr dankbar.

Sie standen vor der Entscheidung, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen oder wieder auf die Bühnen zu gehen. Sie haben sich für Letzteres entschieden. Warum?
Ich brauchte einfach eine kreative Auszeit und Distanz zu allem. Ich habe in mich reingehört und viel hinterfragt. Die Auszeit mit meiner Familie war sehr wichtig. Ich habe eine neue Perspektive auf alles bekommen und gemerkt, dass mir meine Arbeit fehlt – ein Schauspieler braucht einfach die Bühne. 

Die betreten Sie jetzt in der Komödie im Bayerischen Hof (Hallo verlost Tickets). Sie spielen in „Arthur und Claire“ einen sterbenskranken Mann, der seinem Leben ein Ende setzen will. Was fasziniert Sie an dem Stück?
Es ist eine humorvolle Hommage an das Leben. Mir ist wichtig, über Krankheit und Tod zu sprechen. In unserer Gesellschaft sind diese Themen absolut tabu. Warum eigentlich? Niemand kommt dem Tod aus – unsere Zeit auf dieser Erde ist begrenzt. Wir sollten versuchen, uns das Leben so schön zu machen wie möglich. Die Botschaft des Stückes ist einfach: Dankbar sein und das Leben lieben.

„Ich habe keine Angst vor dem Tod“

Wenn Sie nach so einem Theaterabend nach Hause kommen, wie schalten Sie ab?
Ich mache Sport und koche am liebsten – so bekomme ich den Kopf frei und Kochen ist für mich wie Meditation.

Bevor Sie Schauspieler wurden, haben Sie Koch gelernt...
Ja, Essen ist eine wunderbare und schöne Sache, die auch unterhaltsam ist. Ich koche für die ganze Familie und diese Mahlzeiten bringen alle Mitglieder um einen Tisch. Gerade essen meine Frau und ich wenig Kohlehydrate, dafür viel Eiweiß. Mir ist eine ausgewogene Ernährung wichtig.

Regional, saisonal – darüber wird ja derzeit viel diskutiert...
Ich lege Wert auf Lebensmittel, die derzeit wachsen und aus der Nähe kommen. Aber sind wir mal ehrlich: Viele wissen gar nicht, wann etwas wächst.

Nach einer längeren Pause ist Hardy Krüger junior wieder auf der Bühne zu sehen: Als „humorvoll“ bezeichnet er das Stück „Arthur und Claire“ (Hallo verlost Tickets): Die Geschichte handelt von der Begegnung zweier Menschen, die eigentlich so weit waren, ihr Leben zu beenden.

Ich weiß das nicht...
Sehen Sie (lacht). Jeder sollte so eine Art Grundausstattung mitbekommen – vielleicht schon im Kindergarten oder in der Schule. Man muss die Menschen motivieren, dann gelingt es auch, regionale und saisonale Lebensmittel auf den Tisch zu bringen.

Klingt gesund. Machen Sie sich – auch abseits vom aktuellen Theaterstück (Hallo verlost Tickets) – Gedanken über Krankheiten?
Nein, ich habe auch keine Angst vor dem Tod. Ich glaube auch nicht, dass nach dem Tod nichts mehr kommt. Es ist für die schwer, die bleiben, nicht für die, die gehen. Ich habe mich mit Verlust intensiv auseinander gesetzt und versuche, dankbar für das Leben zu sein. Das Wichtigste ist wirklich, mit der Familie zu sprechen und sich nicht zu verschließen. 

Wie stehen Sie zu Sterbehilfe?
Wenn sich jemand entscheidet zu gehen, soll er es frei entscheiden dürfen. Wenn jemand schwer krank ist und sich für den Tod entscheidet, ist es verständlich, finde ich.

Zur Person

Hardy Krüger junior (50) eroberte die Fernsehlandschaft in den Serien „Nicht von schlechten Eltern“ und „Gegen den Wind“, die beide in den 90er-Jahren ausgestrahlt wurden. Nach einer Hauptrolle in dem Film „Stauffenberg“ wurde er der Nachfolger von Christian Wolff in „Forsthaus Falkenau“. Seither spielt er Theater und macht auch in München Halt – dort hat er lange gewohnt. 

Ist es wie nach Hause kommen? „München ist ja so ein gemütliches Wohnzimmer. Die Stadt hat soviel Charme und auch, wenn man nach Jahren zurückkehrt, hat sich nicht viel verändert.“ 

Krüger hat 2018 das dritte Mal geheiratet, er lebt mit seiner Familie in Berlin. 

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