A bis Z mit Caritas-Geschäftsführer Harald Bachmaier

Harald Bachmaier: "Langfristig müssen wir das Thema Kinderarmut angehen."

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Caritas-Geschäftsführer Harald Bachmaier spricht mit Hallo über Kinderarmut, Altersarmut und Vermieter mit Herz.

Er gilt als Chef der Nächstenliebe: Der neue Caritas-Geschäftsführer spricht mit Hallo über die Herausforderungen in der Stadt

Hunderte offene Stellen im Pflege und Kinderbetreuungbereich, extreme Zuwanderung, Alters- und Kinderarmut... Auf Harald Bachmeier, den neuen Geschäftsführer der Caritas München, wartet viel Arbeit. „Mich hat die Bandbreite der sozialen Einrichtungen und die sozialpolitischen Herausforderungen gereizt“, erklärt der 50-Jährige. „Außerdem ist es schön; wieder zurück in München zu sein.“ Dort begann er nämlich als Sozialarbeiter, bevor er Sozialreferent beim Bayerischen Roten Kreuz wurde. Zuletzt war er in Innsbruck als Geschäftsführer der „Tiroler Soziale Dienste“ für die Versorgung von 6500 Flüchtlingen zuständig. Eine Aufgabe, die ihn auch in München begleiten wird. „Wir müssen ihnen helfen, die deutsche Sprache zu lernen, eine Arbeit und eine Wohnung zu finden. In den Gemeinschaftsunterkünften sitzen immer noch viele anerkannte Flüchtlinge fest, die einfach keine Wohnungen finden.“ Was er sonst noch plant, von A bis Z. Maren Kowitz

Caritas-Geschäftsführer Harald Bachmaier (50) von A bis Z

Altersarmut: Deren Bekämpfung ist eines meiner Herzensanliegen. Deswegen ist es so wichtig, dass wir in unseren Alten- und Servicezentren einen günstigen Mittagstisch anbieten. Sich in die Schlange bei der Tafel zu stellen, empfinden gerade ältere Menschen oftmals als beschämend.

Biografie: Vor 23 Jahren habe ich nach meinem Sozialpädagogik-Studium als Sozialarbeiter in Giesing angefangen.

Caritas... ist Kirche und Kirche ist Caritas. Der Diözesan-Caritasverband arbeitet eng mit dem Erzbistum zusammen.

Digital: Die Caritas-Jahreskampagne 2019 heißt „Sozial braucht digital“. In der ambulanten Pflege sind Mitarbeiter mit Tablets ausgestattet. Und auch in den Kindertageseinrichtungen werden Computer Teil der Pädagogik werden.

Ehrenamt: Das Engagement entwickelt sich zum projektbezogenen Ehrenamt. Junge Menschen wollen oder können sich nicht mehr über lange Zeiträume verpflichten. Dafür helfen bei neuen Projekten auch Menschen, die vielleicht mit der Kirche nichts am Hut haben, aber das Thema cool finden.

Flüchtlinge: Es kommen nicht mehr so viele Flüchtlinge wie 2015, 2016. Dafür müssen wir für diejenigen, die bei uns bleiben dürfen, gute Möglichkeiten zur Integration schaffen.

Giesing: Als Sozialarbeiter für die Stadt in Giesing habe ich alles gesehen: Armut im Alter, Einsamkeit, Kindesmisshandlung. Das waren zwei für mich belastende wie persönlich sehr wertvolle Lehrjahre. Deshalb weiß ich auch, was unsere Mitarbeiter an der Basis täglich leisten.

Hilfsangebote: Die Caritas ist breit aufgestellt – wir haben Schuldner- und Erziehungsberatungsstellen, das Mädchenheim Gauting, das Junge Wohnen, unsere Alten- und Servicezentren und Kindertageseinrichtungen.

Image: Viele soziale Berufe haben ein Imageproblem. Das zieht sich durch – von der Kita bis zur Hospizarbeit. Selbst bei den tariflichen Gehältern ist noch Luft nach oben.

Jahresziel: Ich möchte erst einmal alle 200 Caritas-Dienste und -Einrichtungen in meinem Geschäftsbereich besuchen, meine Mitarbeiter kennenlernen und schauen, wo der Schuh drückt.

Kinderbetreuung ist einer der am schnellsten gewachsenen Bereiche in der Landeshauptstadt. Die Caritas-Geschäftsführung in München trägt Verantwortung für 34 Kindertageseinrichtungen.

Langfristig müssen wir das Thema Kinderarmut angehen. In München gibt es 13 500 Kinder, die von Hartz IV leben. Da muss sich die Politik mit mehr Tempo und Tatkraft kümmern. Hier kann man durchaus auch über Grundsicherung für Kinder nachdenken.

Mein Projekt: Heuer möchte ich das „Social Innovation Lab“ beginnen. Gemeinsam mit unseren Mitarbeitern möchte ich an neuen Strukturen und Konzepten arbeiten, um die Lebensqualität und Teilhabechancen unserer Klienten noch weiter zu verbessern.

"Wir helfen allen Menschen, egal welche Hautfarbe, Nationalität, Herkunft oder welchen Glauben sie haben."

Nächstenliebe: Caritas heißt übersetzt Nächstenliebe. Diesen Begriff müssen wir mit Werten und Inhalten füllen. Wir helfen allen Menschen, egal welche Hautfarbe, Nationalität, Herkunft oder welchen Glauben sie haben.

Obdachlosigkeit: Hier ist der Katholische Männerfürsorgeverein, ein dem Diözesan-Caritasverband angeschlossener Fachverband, stark engagiert. Er kümmert sich um wohnungslose Menschen, die oftmals auch Sucht- oder psychische Probleme haben.

Personal: Der Fachkräftemangel in den Erzieher- und Pflegeberufen macht uns am meisten Sorgen. Von unseren Mitarbeitern erwarten wir vor allem, dass sie sich mit den Zielen und Werten der Caritas identifizieren.

Quervernetzen: Seit 2018 arbeiten in München fünf Caritas-Sozialraumkoordinatoren, die die soziale Struktur in den jeweiligen Gebieten anschauen. Nicht jedes Stadtviertel braucht die gleichen Angebote. Zudem versuchen wir, alle sozialen Akteure vor Ort miteinander zu vernetzen.

Robotor: Es gibt die Assistenzroboter Edan und Justin, die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt wurden und vom Caritasverband in Garmisch-Partenkirchen in der Pflege getestet werden. Ich denke, dass die Zukunft durchaus sozial und digital sein kann, wenn der Mensch im Mittelpunkt aller Entwicklungen bleibt.

Schere: Die Schere zwischen Reich und Arm geht nicht weiter auseinander, aber der früher breite gesellschaftliche Mittelbau in München bröckelt langsam weg.

Tafeln: Ich habe in Österreich die Lebensmitteltafeln eingeführt. Sie sind unverzichtbar. Die Caritas betreibt 16 Lebensmitteltische in Stadt und Landkreis München.

Unterkunft: Ich pendle aus Kufstein zu meinem Büro am Hauptbahnhof. Meine Frau und ich haben eine Wohnung in München gesucht, dann aber festgestellt, dass die Mieten nochmal um ein Vielfaches gestiegen sind, seit wir vor 15 Jahren aus Schwabing weggezogen sind.

Vermieter mit Herz: Mit der neuen Kampagne wollen wir Vermieter und Caritas-Mitarbeiter unbürokratisch zusammenbringen. Wir gehen davon aus, dass es durchaus Menschen gibt, die ihre Wohnungen zu einem fairen Preis an Erzieher oder Altenpfleger vermieten möchten. Bisher erreichten uns 15 Wohnungsangebote von privaten Vermietern – und doppelt soviele Mitarbeiteranfragen.

Wachsen: Derzeit hat die Caritas in München Stadt und Landkreis 2000 hauptamtliche und 1400 ehrenamtliche Mitarbeiter in 200 Einrichtungen. Und wir wachsen weiter. Die Nachfrage nimmt – ebenso wie die Zuwanderung – stetig zu.

Xanthippe: Stromlinienförmige Meinungen bringen nichts weiter. Es ist wichtig, einen Diskurs zu führen über unterschiedliche Ansichten. Die Sozialarbeit lebt von starken Frauen. Unsere Mitarbeiter sind zu 80 Prozent weiblich.

Yes: Nachdem unsere Stadt sehr multikulturell ist, haben viele unserer Sozialarbeiter eine Zusatzqualifikation in interkultureller Kommunikation, um eine kultursensible Beratung zu gewährleisten. Im Landkreis München sind derzeit Kulturdolmetscher in 24 Sprachen unterwegs.

Zusammenarbeit: Die sechs Wohlfahrtsverbände – AWO, Diakonie, BRK, Caritas, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Israelitische Kultusgemeinde – vertreten gemeinsame Positionen. Zusammen erreicht man mehr und die Kommunalwahl 2020 ist nicht mehr weit weg.

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